Mit Gewalt verschaffen sich die Einsatzkräfte heute Morgen um sechs Uhr Zugang zu dem Lübecker Handelsunternehmen, wie dieses Augenzeugen-Video zeigt. Seitdem sind die Ermittler im Einsatz, sichern kisten- und palettenweise Beweismaterial. Fünf Männer hatte die Bundesanwaltschaft zuvor verhaften lassen.
"Die Beschuldigten sollen mutmaßlich in russisch-staatlichem Auftrag über Scheinfirmen in Lübeck Scheingeschäfte abgewickelt haben. Die Güter, die man so erlangt hat, gingen dann anscheinend Empfänger in anderen Staaten. Sie gelangten aber letzten Endes nach Russland, dort auch an russische Rüstungsunternehmen."
24 russische Rüstungsunternehmen sollen so beliefert worden sein. Insgesamt geht es laut Bundesanwaltschaft um 16.000 Lieferungen im Wert von 30 Millionen Euro. Ein klarer Bruch der EU-Sanktionen gegen Russland - verhängt aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
"Strafbar ist als Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz etwa, wenn man an russische Rüstungsunternehmen liefert. Bereits die Lieferung als solche ist strafbar. Aber es ging in diesem vorliegenden Fall auch um die Lieferung bestimmter Güter, darunter etwa Elektronik."
Laut Website bietet das Lübecker Unternehmen vor allem industrielle Ersatzteile und technische Komponenten an. Spätestens seit Februar 2022 sollen der deutsch-russische Geschäftsführer und seine mutmaßlichen Komplizen die Firma jedoch benutzt haben, um Güter für die russische Industrie zu beschaffen und dorthin zu liefern - im großen Stil und lange scheinbar unbemerkt.
"Die anderen Unternehmer hier in diesem Industriegebiet in Lübeck hatten kaum Kontakt zu den Angestellten der Firma. Als Nachbarn habe man sich einmal Werkzeug geliehen, hallo und tschüss gesagt - aber über die Geschäfte der durchsuchten Firma nicht Bescheid gewusst."
Neben der Razzia in Lübeck gab es heute deutschlandweit noch vier weitere Durchsuchungen. Die fünf beschuldigten Männer sollen morgen einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden.