Am 13. September ist Welt-Sepsis-TagEine Sepsis erkennen: Bei diesen Warnzeichen müsst ihr schnell handeln!
Schon ein kleiner Kratzer kann plötzlich lebensbedrohlich werden.
Denn eine Sepsis kann aus einer zunächst begrenzten Infektion entstehen – und innerhalb kurzer Zeit den menschlichen Organismus lahmlegen. Das Problem: Die ersten Anzeichen einer Blutvergiftung sind nicht immer eindeutig. Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September erklären wir, welche Warnzeichen ihr kennen solltet und wann sofort medizinische Hilfe nötig ist. Im Video erklärt auch Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht alles, was ihr zur Sepsis wissen solltet.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Sepsis – und ist sie dasselbe wie eine Blutvergiftung?
- Sepsis erkennen: Diese vier Warnzeichen solltet ihr kennen
- Video-Tipp: Tödliche Sepsis! Ein Video hat das Leben der kleinen Ella gerettet
- Was tun bei Verdacht auf eine Sepsis?
- Wie entsteht eine Sepsis?
- Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Sepsis?
- Wie wird eine Sepsis behandelt?
- Kann man einer Sepsis vorbeugen?
- Welt-Sepsis-Tag soll auf die unterschätzte Gefahr aufmerksam machen
Was ist eine Sepsis – und ist sie dasselbe wie eine Blutvergiftung?
Sepsis und Blutvergiftung werden im Alltag häufig gleichgesetzt. Doch medizinisch gesehen ist eine Sepsis keine klassische Vergiftung. Eine Sepsis beschreibt vielmehr eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Die Immunantwort gerät dabei außer Kontrolle und kann das eigene Gewebe und lebenswichtige Organe schädigen. Das erklären unter anderem das Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de und die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Auslöser ist immer eine Infektion. Anders als der Begriff „Blutvergiftung“ vermuten lässt, müssen dabei nicht zwingend Bakterien die Ursache sein. Auch Infektionen mit Viren, Pilzen oder Parasiten können zu einer Sepsis führen.
Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können ein septischer Schock, multiples Organversagen und schließlich sogar der Tod die Folge sein.
Lese-Tipp: Organversagen durch Sepsis! Davon (34) verliert nach Zahnarztbesuch alle Gliedmaßen
Sepsis erkennen: Diese vier Warnzeichen solltet ihr kennen
Gerade das Erkennen ist schwierig, denn eine Sepsis kann sich durch unterschiedliche und teilweise unspezifische Beschwerden bemerkbar machen. Die Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis hat deshalb vier besonders wichtige Warnzeichen zusammengefasst. Verschlechtert sich eine bestehende Infektion und kommt mindestens eines dieser Symptome hinzu, könnte eine Sepsis dahinterstecken:
Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder extreme Schwäche.
Schnelle Atmung, Kurzatmigkeit oder Atemnot.
Herzrasen oder ein niedriger Blutdruck.
Extreme Schmerzen oder ein außergewöhnlich starkes Krankheitsgefühl.
Weitere mögliche Symptome sind laut gesund.bund.de Fieber und Schüttelfrost sowie starkes Schwitzen. Die WHO nennt außerdem eine ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur, einen schwachen Puls und eine deutlich verringerte Urinmenge als mögliche Anzeichen.
Wichtig: Fieber allein ist weder Voraussetzung noch Beweis für eine Sepsis. Gerade die Kombination aus einer Infektion, einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands und einem oder mehreren Warnzeichen sollte ernst genommen werden.
Video-Tipp: Tödliche Sepsis! Ein Video hat das Leben der kleinen Ella gerettet
Was tun bei Verdacht auf eine Sepsis?
Bei einem Sepsis-Verdacht darf nicht abgewartet werden. gesund.bund.de bezeichnet die Erkrankung ausdrücklich als Notfall und rät bei Anzeichen einer Sepsis dazu, sofort den Notruf zu wählen. Auch die WHO betont, dass Menschen mit möglicher Sepsis unverzüglich medizinische Hilfe benötigen.
Die Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis empfiehlt: Verschlechtert sich eine Infektion und tritt mindestens eines der vier genannten Warnzeichen auf, sollte je nach Dringlichkeit die 112 oder der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 kontaktiert werden. Dabei kann ausdrücklich die Frage gestellt werden: „Könnte es Sepsis sein?“
Bei schweren Beschwerden wie Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder einer massiven Verschlechterung des Zustands sollte über die 112 der Rettungsdienst alarmiert werden. Entscheidend ist, keine Zeit mit dem Versuch zu verlieren, selbst herauszufinden, ob tatsächlich eine Sepsis vorliegt. Die Diagnose gehört in ärztliche Hände.
Wie entsteht eine Sepsis?
Am Anfang steht eine Infektion. Das kann beispielsweise eine Lungenentzündung, eine Infektion der Harnwege oder eine infizierte Wunde sein. Normalerweise versucht das Immunsystem, Krankheitserreger am Ort der Infektion zu bekämpfen.
Bei einer Sepsis gerät diese Abwehrreaktion jedoch außer Kontrolle. Laut gesund.bund.de breiten sich Krankheitserreger und körpereigene Entzündungsbotenstoffe im Körper aus. Die fehlgesteuerte Immunantwort kann dadurch lebenswichtige Organe schädigen.
Das erklärt auch, warum eine Sepsis so gefährlich werden kann: Das Problem ist nicht allein der ursprüngliche Infektionsherd. Die Reaktion des gesamten Körpers kann schließlich Kreislauf und Organe beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall kommt es zum septischen Schock und zum Versagen mehrerer Organe.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Sepsis?
Grundsätzlich kann jeder Mensch eine Sepsis bekommen. Einige Personengruppen sind allerdings besonders gefährdet.
Die WHO nennt unter anderem ältere Menschen, Neugeborene, Schwangere und Frauen kurz nach einer Schwangerschaft sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Dazu gehören beispielsweise Personen mit bestimmten Krebserkrankungen oder HIV. Auch chronische Erkrankungen wie Nierenerkrankungen oder Leberzirrhose können das Risiko erhöhen. Patienten im Krankenhaus und insbesondere auf Intensivstationen gehören ebenfalls zu den Risikogruppen.
Das Robert Koch-Institut verweist ebenfalls darauf, dass ältere Menschen und sehr kleine Kinder besonders häufig betroffen sind.
Wie wird eine Sepsis behandelt?
Bei Verdacht auf Sepsis beginnt im Krankenhaus die Suche nach dem Infektionsherd und dem verantwortlichen Erreger. Ärzte kontrollieren unter anderem Blutdruck, Puls, Atmung und Körpertemperatur. Blutuntersuchungen können Hinweise auf Entzündungen und mögliche Organschäden liefern; außerdem werden Proben genommen, um Krankheitserreger nachzuweisen. Das erklärt das Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de.
Die Therapie muss schnell beginnen. Bei Verdacht auf eine bakterielle Sepsis erhalten Betroffene laut Gesundheitsportal bereits vor dem endgültigen Ergebnis der Blutuntersuchungen ein Antibiotikum, das gegen häufige Sepsis-Erreger wirkt. Ist der genaue Erreger bekannt, kann die Behandlung entsprechend angepasst werden.
Wie wichtig eine schnelle Behandlung ist, zeigt auch die aktuelle Leitlinie „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ der Deutschen Sepsis-Gesellschaft. Bei einem septischen Schock soll demnach eine antimikrobielle Behandlung möglichst sofort, idealerweise innerhalb einer Stunde, begonnen werden.
Zusätzlich wird Flüssigkeit über Infusionen gegeben, um den Kreislauf zu stabilisieren. Bei sehr niedrigem Blutdruck können Medikamente nötig sein, die den Blutdruck anheben. Bei schweren Verläufen erfolgt demnach die Behandlung auf der Intensivstation, wo beispielsweise Atmung, Kreislauf oder andere Organfunktionen unterstützt werden können.
Kann man einer Sepsis vorbeugen?
Nicht jede Sepsis lässt sich verhindern. Weil am Anfang aber immer eine Infektion steht, setzt die Prävention vor allem dort an.
Die WHO nennt gute Hand- und Lebensmittelhygiene, sauberes Wasser und sanitäre Bedingungen sowie Impfungen als wichtige Möglichkeiten, Infektionen und damit auch Sepsis-Fälle zu verhindern. Auch in Krankenhäusern spielen konsequente Hygienemaßnahmen eine entscheidende Rolle.
gesund.bund.de empfiehlt außerdem, mögliche Infektionen frühzeitig ärztlich abklären und behandeln zu lassen. Verschriebene Antibiotika sollten korrekt nach ärztlicher Vorgabe eingenommen werden. Impfungen können vor bestimmten Infektionskrankheiten schützen, aus denen sich im schlimmsten Fall eine Sepsis entwickeln könnte.
Welt-Sepsis-Tag soll auf die unterschätzte Gefahr aufmerksam machen
Warum Aufklärung so wichtig ist, zeigen auch aktuelle Zahlen der Initiative #DeutschlandErkenntSepsis. Experten gehen demnach von mindestens 85.000 Sepsis-Todesfällen pro Jahr in Deutschland aus. Die Kampagne betont, dass viele schwere Verläufe und Todesfälle durch bessere Prävention, schnelleres Erkennen und eine rechtzeitige Behandlung verhindert werden könnten.
Genau darauf soll auch der Welt-Sepsis-Tag am 13. September aufmerksam machen. 2026 bietet die Sepsis-Stiftung an diesem Tag unter anderem eine öffentliche Online-Gesundheitssprechstunde an. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie sich Sepsis vorbeugen lässt, wie Betroffene Warnzeichen erkennen und wie sie im Ernstfall richtig handeln.
Die wichtigste Botschaft ist dabei einfach: Wird eine Infektion plötzlich deutlich schlimmer und treten Verwirrtheit, Atemprobleme, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder ein außergewöhnlich schweres Krankheitsgefühl auf, sollte eine Sepsis als mögliche Ursache mitgedacht werden – und schnell medizinische Hilfe folgen.
Verwendete Quellen: gesund.bund.de, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V./Leitlinie Sepsis, Robert Koch-Institut (RKI), Sepsis-Stiftung

































