RTL Docs SprechstundeJede achte Frau erkrankt an Brustkrebs! Warum es beim Abtasten auf den Zeitpunkt ankommt
Rund 75.000 Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs.
Umso wichtiger ist es, Veränderungen an der eigenen Brust zu kennen und wahrzunehmen. Wann ist die Brust besonders gut zu untersuchen? Welches Brustgewebe hat ein höheres Risiko? Und wie gefährlich sind Hormone in den Wechseljahren wirklich? Brustkrebs-Spezialist Prof. Dr. Sherko Kümmel beantwortet bei Punkt 12 eure Zuschauerfragen.
Inhaltsverzeichnis
- Wie fühlt man Auffälligkeiten in der Brust?
- Zu welchem Arzt sollte man bei einem Verdacht gehen?
- Wie verläuft eine Krebsvorsorge-Untersuchung?
- Haben Frauen mit einem dichten Brustgewebe ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken?
- Sind Mammographien schädlich?
- Was ist effektiver: Mammographie oder Ultraschall?
- Erhöht eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko?
- Wie sind die Chancen, nach Brustkrebs krebsfrei zu bleiben?
Wie fühlt man Auffälligkeiten in der Brust?
Die eigene Brust abtasten sollte man schon als junge Frau, rät Brustkrebs-Spezialist Prof. Dr. Sherko Kümmel bei Punkt 12. Durch die verschiedenen Zyklusphasen werde das Brustdrüsengewebe je nach Phase dichter oder weniger dicht.
„Der beste Zeitpunkt für das Abtasten ist darum die Woche nach der Menstruation. Dann ist es am weichesten, dann kann man am besten tasten”, erklärt Kümmel. Man könne damit starten, sich regelmäßig vor den Spiegel zu stellen, die Arme zu heben und zu gucken: Gibt es irgendetwas, was asymmetrisch ist, also was sich einzieht, was anders ist? Dann taste man beispielsweise im Uhrzeigersinn immer wieder gleich ab.
„Und dann gibt es eigentlich nur eine goldene Regel: Wenn ich dann etwas taste, was mir eine Unsicherheit bringt, lieber einmal mehr zum Arzt gehen als zu wenig. Wenn die Ärztin oder der Arzt dann sagt, da ist nichts, ist es ja auch entlastend. Also viel besser, als zu sagen, es ist wahrscheinlich nichts und dann wird es übersehen.”
Bei Frauen in der Menopause, die keine Periode mehr haben, spiele der Zeitpunkt des Abtastens keine Rolle. Wichtig sei, die Brust regelmäßig weiterhin einmal im Monat abzutasten.
Lese-Tipp: Wie ihr eure Brust richtig abtastet
Zu welchem Arzt sollte man bei einem Verdacht gehen?
„In Deutschland haben wir die gute Situation, dass wir ganz viele niedergelassene Frauenärztinnen und Frauenärzte haben, die auch spezialisiert sind in der Ausbildung auf solche Situationen. Das heißt, ich würde als Erstes immer empfehlen, zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt zu gehen, die oder der dann in den häufigsten Fällen erfreulicherweise eine Entwarnung gibt”, rät Kümmel. Sollte doch etwas gefunden werden, leite dieser dann in ein spezialisiertes Zentrum weiter, um zu gucken, was dahinterstecke und wie man am besten behandele.
Wie verläuft eine Krebsvorsorge-Untersuchung?
Mammographie: „Wir sind in Deutschland in einer sehr luxuriösen Situation. Das heißt, wenn wir uns allein nur die Vorsorge anschauen, wird jetzt schon per Gesetz eröffnet, demnächst auch Frauen ab dem 45. Lebensjahr die Mammographie, das Vorsorgescreening, zu ermöglichen. Es wird also vom 50. Lebensjahr heruntergesetzt. Das heißt, jede Frau hat das Recht auf eine Vorsorge, die von der Krankenkasse übernommen wird, in spezialisierten Abläufen, Vorsorgezentren etc.”
Vorsorge beim Frauenarzt: „Beim Frauenarzt haben wir zudem die Vorsorgeuntersuchung, die nicht nur die Brust, sondern auch das Becken betrifft. Und dann gibt es noch den kleinen Bereich der Selbstfürsorge, wo ich immer sage, auch ein Ultraschall macht manchmal Sinn.” Dieser wird in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen und kann zwischen 30 und 100 Euro kosten. Lohne sich laut Kümmel aber allein schon, weil man die Sorge dann erstmal wieder aus dem Kopf habe.
Lese-Tipp: „Wir haben da was gefunden.” Fünf Worte, die Lisas Leben völlig verändern
Haben Frauen mit einem dichten Brustgewebe ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken?
„Jetzt kann man plakativ antworten: Ja. Wir haben früher immer gesagt: Bei dichtem Drüsengewebe kann die Mammographie das nicht so genau sehen. Das stimmt nicht. Heute wissen wir, und das ist wissenschaftlich begründet, dass das Risiko für Brustkrebs in dichtem Gewebe etwas höher ist, wahrscheinlich auch durch verschiedene Stoffe, die dann interagieren miteinander in diesen Zellstrukturen. Ein Grund mehr, um noch mal zu überlegen, dass man vielleicht ein, zweimal im Jahr die Ultraschalluntersuchung macht, weil gerade bei sehr dichtem Drüsengewebe ist der Brustultraschall sehr, sehr gut, um das frühzeitig zu erkennen.”
Sind Mammographien schädlich?
„Da kann man klar Nein sagen. Das heißt, selbst Tausend Mammographien führen nicht zu einer Brustkrebstoten in der Situation. Natürlich ist es eine Strahlenbelastung. Die ist aber so untergeordnet gering, dass wir wirklich in Tausenderbereichen reden.”

Was ist effektiver: Mammographie oder Ultraschall?
„Wir haben leider in der Brustdiagnostik nicht, dass wir sagen, das ist jetzt die beste Methode. Alle Untersuchungen haben ihre Vor- und Nachteile”, sagt Kümmel. „Ich finde immer, Mammographie ist eine Basisuntersuchung, das ist weltweit bewiesen. Wenn man dann noch viel tun möchte und man hat zum Beispiel dichtes Drüsengewebe, dann ist sicherlich der zusätzliche Ultraschall sinnvoll.” Beides zusammen sei ein sehr sicheres Vorsorgekonzept.
Erhöht eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko?
„Da müssen wir ein bisschen zurückgehen in die Geschichte. Als ich meine Amtszeit begonnen habe, sozusagen als junger Assistenzarzt in der Gynäkologie, war es so: Wenn man da Frauen keine Hormone verschrieben hat, das galt als unterlassene Hilfeleistung”, erinnert sich der Brustkrebs-Experte.
„Dann gab es irgendwann in den 2000er-Jahren eine Publikation, die besagte, dass die Hormoneratztherapie Brustkrebs verursache und allen Frauen wurde es verweigert. Das heißt, einmal nach links und einmal nach rechts. Und beides war nicht richtig. Das heißt, ich finde, heute muss man sehr detailliert aufklären. Bei bioidentischen Hormonen sind wir in einem ganz schmalen Bereich der Erhöhung. Das heißt, man muss mit Frauen ernsthaft sprechen, man muss sich das Brustdrüsengewebe anschauen, die Dichte. Man muss sich die familiäre Risikosituation anschauen und dann ist es absolut zu tragen, auch mit einem geringen zusätzlichen Risiko, eine Hormonersatztherapie zu machen.”
Habe man zum Beispiel eine Patientin, die durch welchen Umstand auch immer keine Gebärmutter mehr habe, und zum Beispiel als Hormonersatztherapie nur Östrogene nehme, gebe es überhaupt keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos, erklärt Kümmel weiter. „Also diese Verdammnis, dass man keine Hormone nehmen darf, ist überhaupt nicht richtig. Ich habe ganz viele Frauen in der Sprechstunde. Wenn man dann darüber redet und sagt, durch die Hormonersatztherapie haben wir über fünf Jahre eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos von anderthalb bis zwei Prozent und die sagen aber: Was ist mit mir, meiner Lebensqualität? Mit Schlafstörungen, Hitzewallungen, allem, was da zusammenkommt. Das nehme ich für diesen Prozentsatz an Risiko gerne in Kauf, um einfach mein Leben lebenswert weiterzuführen.”
Wie sind die Chancen, nach Brustkrebs krebsfrei zu bleiben?
„Wieder ein kleiner Blick in die Geschichte: Wenn wir die 60er-, 70er-Jahre nehmen, haben da 50 bis 60 Prozent der Frauen die Erkrankung überlebt. Wenn wir uns heute angucken, wo wir hinkommen – und das ist heute, das heißt, wir werden in zehn Jahren noch riesige Schritte weitermachen, weil die Medizin sich exponentiell weiterentwickelt – sind wir bei rund 85 Prozent, die diese Erkrankung überleben. Und wir kommen in ganz vielen selbst Hochrisiko-Krebsfällen mit Chemotherapien, mit Immuntherapien mittlerweile auf 90 Prozent und mehr. Das war, wie gesagt, vor Jahrzehnten nicht vorstellbar.”
Verwendete Quelle: RTL, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Robert Koch-Institut (RKI)






























































