Im Keller haben wir regelrechtes Kommando-Zentrum aufgebaut. Hier laufen die Bilder von gleich diversen versteckten Kameras ein.
OT SITUATIV REGIE
„Dann schwenk die nochmal ein bisschen zur Türe. Richtung Tür. Stop! So.“
Um Sanitaer-Notdiensten auf die Finger zu schauen, hat sich unser Reporter noch zusätzlich Verstärkung besorgt.
Detlef Poullie hat zahlreiche Sanitär und Heizungs-Meister an der Handwerkskammer ausgebildet. Er weiß, wie seriöse Unternehmen arbeiten.
Und das ist Gisela. Die rüstige Rentnerin spielt unseren Lockvogel.
Wird sie abgezockt? Nutzen Notdienste Notsituationen aus?
Diese erzeugen wir selbst: Wir verstopfen unsere Toilette.
“Die alte Nummer, Klopapier rein, ja.”
Unser Experte legt auch noch kosmetisch Hand an. Mit Apfelsaft und Kaffeepulver wollen wir den Notdiensten eine perfekt inszenierte Toilette präsentieren-
B: „Was ist ihre Prognose? Was wird im schlimmsten Fall passieren? Wie viel wird er berechnen?“
D: „Im schlimmsten Falle wird hier eine große Nummer daraus gemacht. Da werden Stunden aufgeschrieben, Meter, Maschinenstunden, für eine Reparatur, die allenfalls um die 100 Euro kostet, plus Mehrwertsteuer.“
B: „Wie viel würden die aufschreiben? Was sind Ihre Vermutungen? Wenn es ganz schlecht läuft.“
D: „Bis 600-700 Euro, das wäre keine Seltenheit.“
Die Toilette ist präpariert. Zeit, für Lockvogel Gisela den ersten Notdienst anzurufen. Den haben wir ganz einfach gegooglet.
H: „Alles klar, Frau Stockmann, dann haben Sie noch etwas Geduld. Ich bin in ca. einer halben Stunde, 40 Minuten bei Ihnen, dann wird das Problem gelöst. Dann haben Sie wieder Ruhe.“
G: „Ja, ich hoffe. Ja, vielen Dank.“
H: „Bis denne. Tschüss.“
Der Notdienst ist auf dem Weg. Gisela macht sich bereit. Und auch wir gehen in unserem Regieraum in Stellung.
D: „Um Gottes Willen. Was schleppt der denn an?“
H: „Jetzt kommt die ganze Artillerie.“
Und damit geht es direkt ins Badezimmer...
HANDWERKER
H: „Ich brauche gleich nur ein bisschen Ruhe, wenn ich hier arbeite.“
Dabei ist die Verstopfung mit einem Handgriff beseitigt. Doch ganz schnell ist die Klorolle wieder drin. 12:09 Aber wie...
B: „Er hat die Verstopfung wieder reingemacht.“
D: „Ja, reine Show. Die Uhr läuft. Die Uhr läuft.“
D: „Ja, ja. Der Kunde denkt jetzt, der ist…“
B: „…der ist am Wurschteln.“
D: „Der ist am Wurschteln. Da werden noch zweimal Metallteile aufeinander geklatscht.“
B: „Das ist so wirklich der Klassiker. Die Maschine läuft. Da ist nichts dran angeschlossen.“
D: „Ich sehe gar nichts. Gar nichts.“
B: „Er guckt: Die Oma ist in der Küche.
„Fertig. Wo ist der Restmülleimer?“
Sein letzter Akt, die Müllensorgung.... und ausgerechnet jetzt entdeckt er eine unserer Kameras.
H: „Frau Stockmann, schauen Sie mal. Werden Sie abgehört?“
D: „Der hat die Kamera entdeckt, im Mülleimer.“
H: „Was ist das?“
H: „Bin ich hier bei versteckter Kamera?!“
G: „Was ist das denn? Was ist das?!“
„Komm, wir müssen auflösen.“
B: „Wir haben Sie auf frischer Tat ertappt. In unserem Haus wird gefilmt.“
H: „Dann gehen wir raus vor die Tür.“
B: „Ja, da wird auch gefilmt. [...] Wie viel müssen wir denn jetzt zahlen?“
H: „Ich bin ehrlich: Sie zahlen den Notdienst und die Anfahrt.“
KONFRONTATION UND ESKALATION
H: „99 Euro. 89,90 Euro und die Anfahrt.“
B:Mach insgesamt, sie haben ja nur einmal reigegriffen,, das ist ja wurscht .."
B: „Wir haben gesehen, Sie haben Ihre Maschinerie ziemlich lange laufen lassen.“
H: „Nein, nein, nein. Ich rufe jetzt die Polizei dazu.“
B: „Sie kriegen sofort eine Betrugsanzeige.“
H: „Nee, bekomme ich nicht. Für was denn? Ey, nicht anfassen!“
B: „Ey, pass mal auf, ich kann auch anders.“
H: „Der soll mich nicht anfassen!“
B: „Du hast mich angefasst, Junge.“
H: „Wenn Sie mich noch einmal anfassen, werde ich auch Sie anfassen.“
B: So, jetzt kommen wir nochmal zu der Maschinerie. Sie sind da reingegangen.“
Die Situation droht zu eskalieren. Doch dann passiert etwas, womit wir nicht gerechnet haben: Der Handwerker spricht plötzlich erstaunlich offen über sein Geschäft - und nennt ganz andere Summen.
H: „Ich bin Subunternehmer. Die Frau hat nicht mich direkt angerufen.“
D: „Sie müssen für das Internet, für die Vermittlung natürlich abdrücken.“
H: „Korrekt.“
D: „Dann sagen Sie doch mal, wie viel Sie für das Internet bezahlen, also für die Aufträge.“
H: „Also für die Aufträge bezahle ich prozentual 50 Prozent an die Firma.“
B: „50 Prozent?“
02:38–02:48 | OT HANDWERKER
H: „Wir wären jetzt [...] vielleicht [...] bei 220, 250.“
OFF
04:32
Etwa die Hälfte der Einnahmen geht also an den Vermittler. Und der Handwerker gibt noch ein Geheimnis preis
OT HANDWERKER
H: „Klar, denkt man sich so: Soll man eine halbe Stunde länger hierbleiben oder nicht? Oder soll man jetzt gehen? Das hat vielleicht ab und zu im Kopf mal gefunkelt.“
OFF
04:48
Und auch über den Ruf seiner Branche spricht er überraschend deutlich.
H: „Dieser Beruf ist auf einer Blacklist. Dieser Beruf ist nicht seriös, weil viele andere Firmen den zerstört haben.“
OT HANDWERKER
H: „Es ist einfaches Geld [...] Wenn man aus Scheiße Gold macht: Why not?!“
05:14
Am Ende geht der Mann ohne Geld nach Hause. Wir sind erstaunt, welche Methoden in der Branche herrschen.
Vor allem, weil unser zweiter Testhandwerker den Vogel abschießt.
„Hallo.“
G: „Hallo.“
H: „Wegen der Rohrreinigung.“
G: „Kommen Sie bitte rein. Gott sei Dank, dass Sie kommen.“
H: „Ja, heute ist Sonntag.“
05:38
Und das heißt bei ihm anscheinend Zahltag: Schon bevor er einen Handschlag gemacht hat, bereitet er unseren Lockvogel auf etwas größeres vor.
„29,90 Euro An- und Abfahrt. Dann muss ich die Maschine benutzen: 249,90 Euro für die Maschine.“
G: „Was?“
H: „Dann haben wir pro Viertelstunde 34,90 Euro, also die Arbeitszeit.“
Off
06:02
Und es wird noch mehr....
| OT HANDWERKER
H: „Frau Stockmann.“
G: „Ja.“
H: „Nur, damit Sie ungefähr wissen, wo Sie sich da befinden, bei was für einer Kostenlage: Also, jetzt gerade sind Sie bei 589 Euro, ja. Ich kann Ihnen aber sagen, laut meiner Erfahrung, das wird mehr. Das ist ein Hauptabwassersystem, das ist komplett verstopft. Nur, dass Sie damit schon mal wissen, also mit den Metern muss ich auf jeden Fall reinfräsen. Nur, dass Sie damit schon mal wissen.“
06:28
OFF NEU /
Dabei ist die Verstopfung schnell beseitigt. Doch der Monteur fährt jetzt erst richtig großes Gerät auf.
OT DETLEF
„Die Verstopfung ist längst beseitigt. Und jetzt wird das teure Gerät wieder zum Einsatz gebracht.“
00:51–01:00 | OT BURKHARD /
B: „Ich schätze mal, 30 Zentimeter kann er berechnen.“
OFF
06:44
Unser Reporter und unser Experte glauben nicht, was sie sehen
D: „30? Das sind 15! 15 Zentimeter. Das ist Betrug“
OT HANDWERKER / GISELA – Original
H: „Die Maschine ist schon bei 11 Metern, ja. [...] TC 04:16 Sie sind schon bei 900 Euro.“
OT DETLEF / GISELA – Original TC 04:20–04:24
D: „Das ist Betrug.“
G: „900 Euro.“
OFF NEU / FREISTEHEND – Original TC 04:26–04:44
07:04
OFF
Und während die Maschine weiterläuft, gönnt sich der Handwerker sogar eine Toilettenpause.
"Guck mal, er pieselt."
07:16
OFF
Doch die eigentliche Überraschung kommt erst jetzt.
OT HANDWERKER / GISELA
H: „Dann sind wir bei 27 Meter. Also 13,5 rein und 13,5 raus. [...] Zu bezahlen müssen Sie 2.375 Euro.“
G: „Mein Gott, ist das teuer.“
07:45
OFF
Jetzt reicht's!
OT BURKHARD / HANDWERKER
B: „Soso, 2.375 Euro. [...] Wir haben alles gefilmt. Sie hatten Ihre Spindel da gerade mal maximal 20 Zentimeter drin.“
H: „Ich brauche frische Luft.“
08:11
OFF NEU
Dem Kollegen scheint der Einsatz auf den Magen geschlagen zu haben – oder plant er seinen nächsten Coup?
FREISTEHEND FENSTERSPRUNG / OT GISELA
G: „Der ist doch das Fenster. Der ist durch das Fenster.“
FREISTEHEND VERFOLGUNG
Bilder der Verfolgung. Originalatmo möglichst stehen lassen.
OT BURKHARD / DETLEF
B: „Herr Pouille, haben Sie sowas schon mal erlebt? Flucht?“
D: „Nein, ich habe gedacht, hier wird ein Kriminalfilm gedreht.“
POLIZEI UND FAZIT
FREISTEHEND POLIZEI
08:45
OFf Wir rufen die Polizei
OT SITUATIV BURKHARD & POLIZEI
B: „Hallo. Guten Tag.“
P: „Hallo. Sind alle Beteiligten jetzt hier vor Ort?“
B: „Nein, der Täter ist nicht hier. Hier das ist das Fahrzeug, hier, von ihm.“
08:57
Die Polizei sucht mit mehreren Streifenwagen nach dem Mann. In einer Seitenstraße kann sie ihn schließlich festnehmen.Gegen den Handwerker läuft eine Anzeige wegen des Verdachts auf Wucher und Betrug.
Dieser Test zeigt: Schwarze Schafe gibt es leider einige.
Unsere Tipps: Erkundigen Sie im Bekanntenkreis nach Erfahrungen mit lokalen Unternehmen - dann haben in einer Notlage sofort Ansprechpartner. Wenn Sie online suchen müssen, schauen Sie in Ruhe auf Bewertungen, die Seiten selbst und auch ins Impressum. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall für Betriebe mit einer lokalen Festnetznummer und Adresse vor Ort. Dann sollten sich solche Probleme günstiger lösen lassen.