Aufreger der Woche

Nach absurder Alkoholverbot-Forderung: WHO rudert zurück

WHO will mehr Aufmerksamkeit für das No-Go-Thema Alkohol in der Schwangerschaft.
WHO will mehr Aufmerksamkeit für das No-Go-Thema Alkohol in der Schwangerschaft.
© www.gleb.in.ua, Anatoliy Gleb

04. Juli 2021 - 17:56 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation rechtfertigt sich

Es war DER Aufreger der Woche: Mit der Studie, dass Frauen im gebärfähigen Alter keinen Alkohol mehr trinken sollten, hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutlich keinen großen Gefallen getan – auch wenn sie an sich gute Absichten hatte, wie es jetzt heißt. Jetzt rudert die Organisation nämlich mächtig zurück und bezieht Stellung: Man habe lediglich vor Alkohol in der Schwangerschaft warnen wollen.

Kommunikationsbeauftragte räumt Fehler ein

Das bestätigt Tina Kiær, Kommunikationsbeauftragte des WHO-Regionalbüros für Europa, auf RTL-Anfrage. Zunächst sei es das größte Ziel der WHO – in Bezug auf das Thema Alkohol – die Gesundheit von Männern, Frauen und Jugendlichen gleichermaßen zu schützen. Selbstverständlich war mit der Aussage aus der Studie nicht gemeint, dass alle Frauen ab sofort keinen Alkohol mehr trinken dürfen: "Der aktuelle Entwurf des globalen Aktionsplans empfiehlt nicht die Abstinenz aller Frauen, die in einem Alter sind, in dem sie schwanger werden könnten. Er versucht jedoch, das Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen zu schärfen, die der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft haben kann, auch wenn die Schwangerschaft noch nicht bekannt ist."

Lese-Tipp: Alkoholverbot für Frauen im gebärfähigen Alter - DAS sagt der Experte

War die Aussage doch anders gemeint?

Auch eine weitere WHO-Sprecherin reagierte in Genf auf die Thematik und bestätigt Kiærs Aussage. Letztendlich sei es der UN-Behörde nur um den Aktionsplan gegangen, mit dem sie gegen den schädlichen und massiven Alkoholkonsum vorgehen wollten. Die Risiken seien enorm, vor allem bei Schwangeren. Darauf sollte aufmerksam gemacht werden.

Der Deutschen Presse Agentur gegenüber räumte sie zusätzlich ein, dass der Satz bezüglich der "Frauen im gebärfähigen Alter" anders gemeint war, als er geschrieben wurde. Es gehe gar nicht darum, dass Frauen über Jahre hinweg kein Glas Alkohol mehr anrühren dürften, sondern eher um das Verhalten von Frauen, die in absehbarer Zukunft schwanger werden zu wollen. Diese könnten mit dem Alkoholverzicht nämlich schon frühzeitig etwas für ihre Gesundheit tun.

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WHO-Forderung noch gar nicht ausgereift

Keinen Grund zur Panik also, zumal es sich zunächst um einen Entwurf der WHO handelt. Sowohl Tina Kiær als auch die Sprecherin in Genf betonten, dass der aktuelle Aktionplan noch mehrmals überarbeitet und begutachtet werden wird. Dann erst ginge das Papier in Richtung der WHO-Mitgliedsstaaten, in deren Verantwortung dann die Veröffentlichung der Endfassung liege.

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Nur das gilt auch weiterhin: Keinen Alkohol in der Schwangerschaft!

Ein Glas Rotwein auf einem Tisch, schwangere Frau im Hintergrund.
In der Schwangerschaft ist Alkohol ein absolutes No Go.
© picture alliance / imageBROKER, Lars Hallstrom

Jährlich sterben etwa 3 Millionen Menschen an den Folgen von erhöhtem Alkoholkonsum. Daher ist es verständlich, dass der Weltgesundheitsorganisation am Herzen liegt, den gesundheitsschädlichen Konsum senken zu wollen.

Dass Alkohol in der Schwangerschaft als absolutes No-Go gilt, wissen die meisten Frauen in der Regel. Schon eine kleine Menge Alkohol kann schließlich während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Babys führen. Insofern hat die Studie der WHO vielleicht doch etwas Gutes: Dank ihr wird wieder mehr darüber gesprochen, wie schädlich Alkohol nicht nur für Menschen, sondern auch besonders für Schwangere, sein kann.

Test mit versteckter Kamera – so reagieren Frauen, wenn unser Reporter als Kellner die WHO-Empfehlung durchsetzt.

Video-Tipp: Das sagt eine Frauenrechtlerin zur WHO-Forderung

Frauen im Alter zwischen etwa 15 und 49 Jahren sollten in Zukunft auf Alkohol verzichten. Mit dieser Aussage ist die Organisation diese Woche auf mächtig Gegenwind gestoßen. Frauen sollen etwa ein Drittel ihres Lebens damit verbringen, keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken, weil stets eine unentdeckte Schwangerschaft vorliegen könnte? Wohl eher nicht!

Auch der Frauenrechtlerin Inge Bell von "Terre des Femmes" ist die ursprüngliche Aussage der WHO sauer aufgestoßen. Ihre Kritik finden Sie im Video. (vdü)