Fetale Alkoholspektrumstörung: Opfer spricht

Was Alkohol in der Schwangerschaft anrichten kann

24. September 2020 - 21:54 Uhr

„Meine Mutter tut mir leid“

Shannon Lepke (19) wirkt auf den ersten Blick wie eine ganz normale, junge Frau. Aber Shannons Leben ist ein Kampf. Ein Kampf gegen die Folgen von Alkoholmissbrauch. Weil ihre Mutter in der Schwangerschaft immer wieder Alkohol trinkt, wird bei Shannon später eine sogenannte Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) festgestellt. Wie es der 19-Jährigen damit geht, sehen Sie im Video.

„Sie hat einen Fehler gemacht, den ich ihr nicht verzeihen kann"

Shannon
Shannon Lepke

Und immer wieder kommt in der 19-Jährigen die Wut über ihre Mutter hoch: "Sie hat einen Fehler gemacht, den ich ihr nicht verzeihen kann. Ich kann es einfach nicht." Kontakt hat Shannon zu ihrer leiblichen Mutter nicht. Sie ist bei Pflegemutter Katrin aufgewachsen, die sie adoptiert hat. 

„Unser Alltag ist anstrengend und stressig, aber lustig“

Shannons Adoptivmutter Katrin ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins FASD, der sich für Menschen einsetzt, die durch Alkohol in der Schwangerschaft geschädigt worden sind. Wenn sie über ihren Alltag spricht, wirkt die 51-Jährige ausgeglichen. Katrin hat zwei Pflege- und ein Adoptivkind und alle drei leiden an einer vorgeburtlichen Alkoholschädigung.

Ihren Alltag beschreibt Katrin als anstrengend und stressig, aber auch als lustig. "Wir wissen nie, was kommt. Bei uns steht jeder Tag unter dem Motto 'Neues Spiel, neues Glück'". Was sie meint wird schnell deutlich, als sie auf die Förderung eingeht, die ihre Kinder täglich brauchen.

Wenn Zähneputzen zur Herausforderung wird

Lepke
Katrin Lepke, Shannons Adoptivmutter

Wenn Katrin uns von ihrem Alltag erzählt, wirkt sie für einen kleinen Moment resigniert. Aber im nächsten Augenblick fangen ihre Augen wieder an zu glänzen und sie beschreibt uns stolz, wie sehr sie sich für ihre Kinder einsetzt.

Es geht bei vermeintlich selbstverständlichen Dingen wie dem Zähneputzen los. "Es gibt Tage, da kriegen sie es nicht koordiniert, Zahncreme, Zahnbürste und Wasser in der richtigen Reihenfolge zu benutzen." Denn bei alkoholgeschädigten Kindern kann die Gehirnentwicklung beeinträchtigt werden. Katrin hat deshalb eine klare Botschaft an alle Mütter. "Für viele gehört das Gläschen Wein zum Essen dazu. Da sind Aufklärung und Prävention ganz wichtig."

So denkt Shannon über ihre Mutter

Katrin und ihr Verein haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, so viele Mütter wie möglich zu erreichen, damit ungeborenen Kindern ein Schicksal wie das von Shannon erspart bleibt. Shannon macht das Beste aus ihren Leben und findet in unserem Interview diese rührenden Worte über ihre Mutter: "Wenn man süchtig ist, kommt man nicht leicht davon los. Man sollte Verständnis für sie haben. Meine Mutter hat mir eine Chance gegeben."

Die Chance, bei einer Frau wie Katrin aufzuwachsen, die immer hinter Shannon steht und auf ihre Bedürfnisse eingeht.