Im Herbst und Winter möglicherweise höhere Infektionszahlen als je zuvor

Virologe Streeck: Müssen mehr machen, um Lockdown zu verhindern

17. September 2021 - 10:38 Uhr

Entspannt auf die Zielgerade?

Die große Frage für diesen Herbst und den kommenden Winter: Wie geht es jetzt weiter mit der Corona-Pandemie? Befinden wir uns endgültig auf der Zielgeraden in Richtung komplette Normalität? Oder erwischt die Krankenhäuser eine 4. Welle der Ungeimpften mit voller Wucht? Der Bonner Chef-Virologe Prof. Hendrik Streeck schaut zusammen mit RTL in die unmittelbare Zukunft. Was wir seiner Ansicht nach besser machen könnten und vor allem wie wir mehr Zögerliche zur Impfung motivieren können, um einen Lockdown im Herbst/Winter 2021/2022 zu verhindern, das sehen Sie im Video.

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Erneuter Lockdown nicht auszuschließen

Keiner kann genau vorhersagen, wie der kommende Corona-Herbst und -Winter wird. Aber alle Experten sind sich einig: Wir werden auf allen Ebenen steigende Zahlen verzeichnen. Der Bonner Chef-Virologe Prof. Hendrik Streeck glaubt sogar: "Ich kann mir sogar vorstellen, dass wir höhere Infektionszahlen haben werden als in den Wellen davor." Die Folge wird sein, dass auch die Intensivstationen der Krankenhäuser wieder stark ausgelastet sein werden.

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Dementsprechend könne auch ein Lockdown nicht komplett ausgeschlossen werden. Im Moment, so der Virologe kritisch, werde zu wenig getan, um genau das zu verhindern. "Ich für meinen Teil, und ich glaube, da geht es jedem Menschen so, will nicht riskieren, im Herbst und Winter eine schwere Covid-19-Erkrankung oder irgendetwas anderem – und am Ende haben wir keine Plätze auf den Intensivstationen."

Impfung bedeutet vor allem Eigenschutz

Das beste Mittel das zu verhindern ist und bleibt die Impfung. Und da müsse mehr gemacht werden, die Menschen zu überzeugen. Der Virologe ist sich sicher: "Das klappt in meinen Augen besser, wenn man die Impfung mehr erklärt." Es werde immer viel von Herdenimmunität geredet, aber der Impfstoff sei vor allem ein Eigenschutz, betont Streeck. "Man kann nicht darauf bauen, dass man sich nicht infiziert, wenn um einen herum genügend Menschen geimpft sind." Die Studienlage zeige eindeutig: Auch Geimpfte können sich immer mal infizieren und das Virus dann auch an Ungeimpfte weitergeben.

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Machen denn Booster-Impfungen auch Sinn?

Die Daten zeigen, dass die Immunantworten sehr lange halten, erklärt Streeck. Es gebe sogar Studien, die suggerieren, dass es vielleicht ein Leben lang hält. Anders verhält es sich mit Menschen, die ein höheres Risiko haben, einen schweren Verlauf zu bekommen. "Da gibt es neue Daten aus England und auch aus Israel, die zeigen, dass man durch den Booster in dieser Risikogruppe den Schweregrad der Erkrankung noch mal minimieren kann." Also keine 3. Impfung für alle? "Es ist nicht für jeden Bürger zu empfehlen, sondern nur für eine kleine Gruppe", sagt der Virologe.

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Wie gefährlich ist die Mu-Variante?

Varianten und Mutationen des Coronavirus Sars-CoV-2 sind wohl die größte Sorge von Gesundheitsexperten und Politikern. Anfang Mai vermeldete die WHO zuletzt, dass eine neue Variante namens Mu das Potenzial habe, gegen die Impfung anzukommen und auch bereits Genesenen wieder Probleme zu bereiten. Welche Gefahr geht von dieser Mutation aus?

"Es ist eine 'Variant of Interest', noch keine, die Sorgen bereitet", so der Bonner Virologe Hendrik Streeck im Interview mit RTL. Es gebe erste Labor-Daten, die zeigen, dass die Immunantwort, die derzeit durch die Impfstoffe generiert werde, nicht mehr ganz so gut funktioniere, so Streeck.

"Aber auch in Deutschland hatten wir über die letzten Wochen und Monate schon 14 Mu-Fälle und sie hat sich nicht durchgesetzt", sagt uns der Virologie-Professor. "Das ist eben noch mal eine ganz andere Frage, ob sie sich gegen die Delta-Variante durchsetzen kann." (ija)

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