Bei kurzem Biontech-Impfabstand

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Booster-Impfung für Ü60 nötig

Immer mehr Länder weltweit planen Auffrischungs-Impfungen.
Immer mehr Länder weltweit planen Auffrischungs-Impfungen.
© iStockphoto, iStock, Wachiwit

16. September 2021 - 10:39 Uhr

Welche Altersgruppen sind ausreichend geschützt?

Die Frage danach, welche Altersgruppen durch zwei Impfungen ausreichend gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 geschützt sind, ist immer noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt - noch zu wenig Daten, zu unterschiedlich die Impfstoffe. Doch in einem bestimmten Fall verdichten sich für SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach die Anzeichen, dass eine dritte Impfung nötig ist. Auf Twitter teilte der Bundestagsabgeordnete jetzt einen Tweet seines US-amerikanischen Kollegen Eric Topol, der dort die Lage in Israel bewertet.

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Wirkung schwächt sich bei kurzem Impfabstand ab

Der US-amerikanische Kardiologe und Autor Eric Topol hat die Corona-Lage in Israel fest im Blick. Kein Wunder, das Land ist aufgrund der früh begonnenen Impfkampagne wie eine lehrreiche Zeitmaschine, was die Wirksamkeit der Impfung angeht. Bereits vor zwei Wochen machte der renommierte Autor darauf aufmerksam, dass die Wirkung der Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech in Israel offensichtlich zu schwächeln begann - auch, so die Annahme des Mediziners, weil dort der kürzestmögliche Impfabstand gewählt wurde.

Signifikante Verringerung der Wirksamkeit

Für den Mediziner ist nun aufgrund der Daten aus Israel klar: Menschen über 60 Jahren sollten bei einem kurzen Impfabstand eine Booster-Impfung bekommen. "Für den Impfstoff von Pfizer/Biontech ist es eindeutig", schreibt Topol bei Twitter, "wenn er mit einem Abstand von drei Wochen gegeben wurde." Bei Menschen über 60 Jahren komme es zu einer signifikanten Verringerung der Wirksamkeit, wenn man Krankenhausaufenthalte und symptomatische Infektionen fünf Monaten nach der Grundimmunisierung betrachte. "Israels Daten zeigen, dass die Wirksamkeit durch eine dritte Spritze für dieses Alter wiederhergestellt wird", so Topol. Wie sich die Lage bei dem anderen mRNA-Impfstoff gestalte, sei noch offen, so der Experte.

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Dritte Impfung: Erhebliche Meinungsverschiedenheiten in den USA

Topol nimmt dabei Bezug auf einen Artikel aus der New York Times vom 13. September. Beamte der Gesundheitsbehörde FDA argumentieren laut dem Bericht, "dass keine der bisherigen Daten zu Coronavirus-Impfstoffen glaubwürdige Beweise für die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen für die Allgemeinbevölkerung liefern". In den USA gibt es derzeit erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Wissenschaftlern der FDA und Gesundheitsbeamten der Biden-Administration, die bereits mit der Planung einer breit angelegten Auffrischungskampagne für diesen Herbst begonnen haben.

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Auch für Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Risikopatienten

SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach teilt die Meinung des US-amerikanischen Autors. "Wenn der Abstand BionTech zwischen erster und zweiter Impfung nur 3 Wochen war, sollten Über-60-Jährige fünf Monate nach der zweiten Impfung eine dritte Impfung erhalten. Jüngere nur, wenn sie Risikofaktoren haben oder in Medizin arbeiten." Auch auf diesen letzten Punkt drängt Topol: Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollten auch dringend für eine dritte Impfung in Betracht gezogen werden. (ija)

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