Verwahrlostes Mädchen (5) aus Eberswalde

Mias Mutter wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Wir haben als Eltern nichts falsch gemacht"

"Wir haben nichts falsch gemacht" Mutter spricht im Fall Mia (5)
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Mutter spricht im Fall Mia (5)
"Wir haben nichts falsch gemacht"

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Die kleine Mia (5) aus dem brandenburgischen Eberswalde soll von ihren Eltern jahrelang vernachlässigt worden sein. Laut Jugendamt habe das Mädchen zwei bis drei Jahre lang praktisch ohne Tageslicht gelebt, sich in dieser Zeit nahezu ausschließlich von Chips und Salzstangen ernährt und sei kein einziges Mal beim Arzt vorstellig gewesen. Das Amtsgericht Eberswalde entschied deshalb, den Eltern das Sorgerecht für das Kind zu entziehen und vorläufig dem Jugendamt zu übertragen. Mias Mutter Kathleen S. ist erschüttert. Vieles sei zwar richtig, aber schuldig fühle sie sich nicht, sagt sie im Video.

"Wir haben als Eltern nichts falsch gemacht"

Die kleine Mia sei sehr wohl beim Arzt gewesen, verteidigt sich Kathleen im Interview mit RTL-Reporter Heinz Kegl. Jedenfalls bis zu ihrem zweiten Lebensjahr, "danach nicht mehr". Sie sei halt nicht zu den ganzen "U-Untersuchungen" gegangen. Schlecht fühle sie sich deswegen nicht, Mia sei eben schwierig gewesen, erzählt sie im Video. Die Vorwürfe des Jugendamts, sie habe das Kind mindestens zwei Jahre lang nicht zum Arzt gebracht und es damit gefährdet, könne sie dennoch nicht nachvollziehen. "Wir haben als Eltern nichts falsch gemacht und wir haben auch nicht versagt. Das würde ich immer wieder sagen."

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass Mia jahrelang kein Tageslicht gesehen habe und bei der Inobhutnahme des Jugendamtes blass wirkte. "Das ist bei rothaarigen Kindern so", erklärt Kathleen. Auch ihre Schwester sei blass. Das habe nichts mit ihrem Gesundheitszustand zutun.

Das Amtsgericht Eberswalde bewertet den Fall anders. Die Richter sehen das körperliche, geistige und seelische Wohl des Kindes gefährdet. Deshalb ist den Eltern im Januar das Sorgerecht per Teilbeschluss vorläufig entzogen worden. "Das tut unheimlich weh", sagt Kathleen, auch, wenn einiges richtig sei, wie der Punkt mit den nicht gemachten Arztbesuchen.

"Wir haben sie zu nichts gezwungen"

Kathleen wehrt sich auch gegen die Vorwürfe, das Kind habe sich nur mit Salzstanden und Chips ernährt. Mia habe normal gegessen, sie sei aber wählerisch gewesen. Sie hätten ihr dann das gegeben, was sie mochte. "Wir haben sie zu nichts gezwungen", sagt sie, "ich kann ihr doch nichts reinstopfen." Auch den Vorwurf, der Kühlschrank sei leer gewesen, streitet sie ab. Man könne nicht immer alles haben, "als Harzt IV Empfängerin ist das schwierig", so Kathleen.

Ihren Angaben zufolge habe ein Arzt ihrer jüngsten Tochter eine autistische Veranlagung diagnostiziert. Ihr und ihrem Ehemann sei das aufgefallen, weil Mia nicht sprechen konnte. "Sie konnte nur Töne von sich geben", sagt Kathleen. Bekannte und Freunde hätten sie beruhigt und ihnen gesagt, dass das nicht weiter schlimm sei und sich mit der Zeit bessern würde. "Es ist aber schlimmer geworden", sagt sie. Aus diesem Grund sei Mia auch psychiatrisch betreut worden. Die Krankheit habe sie etwas "überfordert", aber nicht die Erziehung, fügt sie hinzu.

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Vorwürfe gegen die Mitarbeiterin des Jugendamts

Kathleen erhebt im Interview auch schwere Vorwürfe gegen die Mitarbeiterin des Jugendamts. Sie finde es "sehr kurios", dass sie nicht vorher reagiert habe. Den ersten Kontakt habe es schließlich im November 2019 gegeben, Mia wurde aber erst im Dezember vom Jugendamt abgeholt. Sie könne die ganzen Vorwürfe der Mitarbeiterin nicht verstehen.

Auch das brandenburgische Innenministerium sah im Januar mögliche Versäumnisse bei der Behörde. Das Jugendamt im zuständigen Landkreis Barnim hatte bereits bei einer Pressekonferenz das Vorgehen in dem Fall verteidigt. Die Familie sei der Behörde im Jahr 2017 erstmals aufgefallen, habe jedoch alle Hilfsangebote abgelehnt. "Ob das Jugendamt alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um mit den Kindern direkt in Kontakt zu kommen, ist offen", erklärte das Ministerium.

Ein Fachanwalt für Familienrecht nimmt die Mitarbeiter dagegen in Schutz: "Das Jugendamt ist nicht dafür zuständig, Straftaten zu verfolgen oder ein verlängerter Arm von Staatsanwaltschaft oder Polizei zu sein", sagt er.

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