„Er hat nichts für uns getan“„Nie da“-Bürgermeister: Warum ganz Zehdenick jetzt aufatmet

von Ibrahim Kayed, Nicole Defo, Annabelle Strecker und Johanna Werning

Jetzt ist es im wahrsten Sinne des Wortes amtlich.
Der sogenannte „Nie da“-Bürgermeister aus Zehdenick in Brandenburg ist abgewählt. Mit erstaunlichen 97,2 % haben die Bürger Alexander Kretzschmar (parteilos) aus dem Rathaus geschmissen. Und das nur rund neun Monate nach seiner Wahl!

Seit zehn Monaten krankgeschrieben – trotzdem bekommt er 8.663 Euro Gehalt

Nachdem schon zwei Bürgermeister des 13.000-Einwohner-Städtchens vorzeitig aus dem Amt ausgeschieden sind, sollte mit Alexander Kretzschmer endlich Ruhe im Rathaus einkehren. Doch Fehlanzeige: Nur eine Woche nach dem offiziellen Amtseintritt kam die erste Krankschreibung seitens Kretzschmer – und seitdem hat man ihn nicht mehr im Rathaus gesehen.

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Doch obwohl Kretzschmar offenbar seit zehn Monaten krankgeschrieben ist, bekommt er ganz normal sein Gehalt: 8.663 Euro im Monat. Für die Bürger ein Unding: „Das ist ja eigentlich eine Verarsche“, heißt es unter anderem.

Woran Kretzschmar erkrankt ist und wie lange er noch krankgeschrieben ist, ist unklar. Bereits im Dezember konnte RTL mit dem ehemaligen Polizisten sprechen. Auch wenn er sich sehr gerne erklären würde, sei es ihm zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, denn er lasse sich rechtlich beraten, erklärte er damals.

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Zehdenick bekommt einen neuen Bürgermeister – doch das ist teuer

Doch die Menschen in Zehdenick wollten nicht länger warten. Nach einem gescheiterten Abwahlverfahren hat die Stadt in Brandenburg einen Bürgerentscheid organisiert. Mit erstaunlichen 97,2 % haben die Bürger Alexander Kretzschmar (parteilos) aus dem Rathaus geschmissen.

„Es wäre natürlich für die Stadt einfacher gewesen, die Frist nicht verstreichen zu lassen, vom Amt zurückzutreten bzw. den Amtsverzicht zu erklären. Und dann würde man sich auch den Bürgerentscheid sparen“, erklärt Wahlleiter André Ullmann im RTL-Interview.

Der Bürgerentscheid kostet die Stadt immerhin zwischen 10.000 und 12.000 Euro, so Ullmann. Doch damit soll jetzt endlich Ruhe eintreten. Angedacht ist ein erster Wahltermin für den 10. Mai, heißt es von der Stadt. Die Amtseinführung könnte dann im Juni stattfinden. „Wer sich für eine Kandidatur um das Bürgermeisteramt entschließt, muss bis Donnerstag, den 5. März alle notwendigen Formulare beim Wahlleiter für die Stadt Zehdenick, André Ullmann, abgegeben haben”, heißt es weiter.

Was der „Nie-da”-Bürgermeister zu seiner Abwahl und der bevorstehenden Neuwahl sagt, ist unklar. RTL konnte den ehemaligen Polizisten nicht erreichen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche