Kuriosum in BayernMann (64) zum Bürgermeister gewählt, obwohl er gar nicht kandidierte

Helmut Knaus, Bayernpartei, Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut, Bayerischer Wald,
Helmut Knaus hat keine Lust mehr.
picture alliance / SZ Photo / Sebastian Beck

Helmut Knaus ist reif für die Rente: Seit 2014 ist der heute 64-Jährige der Bürgermeister der bayerischen Gemeinde Philippsreut. Bei den Kommunalwahlen am Sonntag tritt er nicht mehr an. Doch die Bevölkerung hat andere Pläne. Jetzt macht er weiter.

57,1 Prozent stimmten für Helmut Knaus

Helmut Knaus ist mit 57,1 Prozent der Stimmen erneut zum Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut im Bayerischen Wald (Landkreis Freyung-Grafenau) gewählt worden, obwohl er gar nicht zur Wahl stand. Der 64-Jährige hatte im Vorfeld der Abstimmung seinen Rückzug erklärt. Am Sonntag schrieben dennoch 216 Wählerinnen und Wähler seinen Namen auf den Stimmzettel. In der Gemeinde gibt es 521 Wahlberechtigte, die Wahlbeteiligung lag bei 79,7 Prozent.

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Das bayerische Wahlrecht erlaubt es, jeden deutschen Staatsbürger und jede deutsche Staatsbürgerin, der oder die mindestens 18 Jahre alt ist, auf dem Stimmzettel handschriftlich einzutragen und somit als Ersten Bürgermeister oder Erste Bürgermeisterin zu wählen. Sofern nur ein Kandidat benannt ist, kann eine wählbare Person handschriftlich eingetragen werden.

Bürger ignorieren seinen Beschluss zum Aufhören

Knaus ist seit 2014 im Amt. Im Februar hatte er in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) gesagt, dass er nach zwölf Jahren als Bürgermeister endlich in den Ruhestand gehen wolle, um sein Haus fertig zu bauen und sich um seine Gastwirtschaft kümmern zu können. „Du kommst ja zu nichts“, sagte er über die hinderlichen Verpflichtungen als Bürgermeister. Den Beschluss zum Aufhören habe er schon vor zwei Jahren gefasst. Seitdem kämen jedoch immer wieder Bürgerinnen und Bürger auf ihn, um ihn zu bitten, noch einmal sechs Jahre als Bürgermeister dranzuhängen.

Mit der ungewollten Wiederwahl Knaus‘ war schon im Vorfeld gerechnet worden, denn: Es gab keinen anderen Kandidaten und keine andere Kandidatin für das Bürgermeisteramt. Der „Passauer Neue Presse“ sagte der 64-Jährige, dass er die Wahl annehmen werde. Auch er habe mit seiner Wiederwahl gerechnet, „aber nicht mit der absoluten Mehrheit“. Eine Stichwahl ist laut Wahlleitung nicht erforderlich.

Der Erste Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut, Helmut Knaus, hält am 04.11.2015 in Mitterfirmiansreut (Bayern) einen Trinkwasserschlauch in die Kamera. Nach zwei schneearmen Wintern und dem trockenen Sommer gibt es in einigen Gemeinden im Bayerischen Wald nicht mehr genug Trinkwasser. Der Wintersportort Mitterfirmiansreut in der Gemeinde Philippsreut (Landkreis Freyung-Grafenau) beispielsweise muss seit rund sechs Wochen mit Tankfahrzeugen beliefert werden. Foto: Angelika Warmuth/dpa (zu dpa 1886 vom 04.11.2015) ++
Auch bei der Trinkwasserversorgung der Gemeinde Philippsreut musste Helmut Knaus 2015, in seiner ersten Amtsperiode, Hand anlegen: Zwischenzeitlich gab es keins mehr.
picture alliance / dpa / Angelika Warmuth

Knaus wurde bereits bei den Kommunalwahlen 2020 wiedergewählt. Vor sechs Jahren war er ebenfalls der einzige Kandidat für das Amt des Bürgermeisters.

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Ein Bürgermeister, der selbst anpackt

Seine Beliebtheit in der Bevölkerung scheint nachvollziehbar: Wie die SZ berichtet, setzt sich Knaus als Bürgermeister im Winter selbst ans Steuer des Schneepflugs. Die Heizung im Feuerwehrhaus von Mitterfirmiansreut hat er selbst eingebaut. Auch beim Einbau der Breitbandkabel im Rathaus legte er Hand an. „Ich kenne jede Leitung, jeden Schieber“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker und Fernmeldeanlagentechniker. „Nur so funktioniert es in einer kleinen Gemeinde. Wir haben nie die Bausumme überschritten.“

Verwendete Quellen: chr/dpa