Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie im Interview

"Veraltete Kriegswunden sind ein gravierendes Problem!"

11. Mai 2022 - 14:20 Uhr

von Nele Balgo und Lena Andro

Vor etwa vier Wochen sind bereits Kriegsverletzte aus der Ukraine mit einem Spezialflieger der Bundeswehr in Deutschland angekommen. Damals sprach der Oberstarzt des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie Prof. Dr. Benedikt Friemert mit uns über die Patientinnen und Patienten.

Auch dieses Mal ist er wieder zu Gast im RTL Ukraine Talk und spricht mit Reporterin Nele Balgo darüber, wie es diesen Patientinnen und Patienten mittlerweile geht und darüber, was die größten Probleme bei der Behandlung von Kriegsverletzungen darstellt.

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Die Zeit ist eines der größten Probleme bei der Rettung von Kriegsverletzten

Üblicherweise dauert es etwa eine Stunde, bis ein Patient oder eine Patientin durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht wird. In einem Kriegsgebiet dauert das natürlich länger, so Prof. Dr. Friemert. "Das Problem dabei ist, dass diese Patienten, von denen wir reden, diese Zeit, selbst diese Stunde, nicht haben." Sie verbluten, denn das sei bei diesen Schuss- oder Explosionsverletzungen die Haupt-Todesursache. "Wir wissen, dass 50 Prozent der Patienten, die eine solche Verletzung haben, nach 45 Minuten verstorben sind."

In Deutschland kamen aber auch sehr schwer verletzte Menschen an, die durch die ukrainischen Ärztinnen und Ärzte noch gerettet werden konnten und dann hier weiter behandelt wurden. Das größte Problem hierbei ist, dass ältere Wunden einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

"Die Knocheninfektion ist eine sehr schwerwiegende Komplikation", erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Bei einer solchen Infektion muss häufig erst einmal Gewebe entfernt werden. Diese Lücken müssen dann geschlossen werden und heilen. "Veraltete Kriegswunden sind ein gravierendes Problem, um den Körper am Ende wieder so herzustellen, wie er vorher war."

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Monatelange Behandlung für Kriegsverletzte

"Bei einer Kriegsverletzung, die schwerwiegend ist, reden wir von Monaten bis hin zu einem Jahr", wenn es um die Behandlungszeit geht, so Prof. Dr. Friemert. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei dieser Art der Verletzung meist um offene Verletzungen, durch Bombensplitter und ähnliches handelt. Die meisten Menschen, die solche Kriegsverletzungen haben, haben daher zusätzlich auch noch eine Infektion, die behandelt werden muss.

"Man muss also erst den Infekt aus dem Knochen herausbekommen und therapieren.Dann gibt es Defekt, das heißt Knochen und Weichteile müssen wieder rekonstruiert werden, das läuft sehr häufig nicht völlig komplikationsarm ab."

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