Urteil im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach

Richter rechnet mit Kinderschänder ab

Urteil im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.
Urteil im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.
© dpa, Oliver Berg, obe axs

03. November 2020 - 9:26 Uhr

Familienvater verging sich regelmäßig an seiner kleinen Tochter

Mit einer Durchsuchung bei Familienvater Jörg L. kamen die Ermittlungen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ins Rollen. Nun rechnete der Richter in der Hauptverhandlung am Kölner Landgericht mit dem 43-Jährigen ab. Der Mann missbrauchte seine 2017 geborene Tochter immer wieder. Er nutzte dafür gezielt Zeiten, wenn seine Ehefrau nicht zuhause war.

Fassungslosigkeit vor Gericht

Jörg L. wurde nun zu 12 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. In der Urteilsbegründung fand der Richter deutliche Worte und führte aus, warum der Angeklagte so lange in Haft muss. "Viele Personen stehen hier fassungslos neben dem, was Sie getan haben. Ihre Frau, ihr Bruder, ihr langjähriger Freund haben Sie hier keines Blickes gewürdigt", sagte der Richter zum Angeklagten.

Jörg L. missbrauchte seine kleine Tochter fast täglich – häufig morgens auf der Wickelkommode im Elternschlafzimmer, bevor er sie in die Kita brachte. Immer wieder fertigte er von den Taten kinderpornografische Aufnahmen an. Der Richter sprach von einem Video, in dem das kleine Mädchen "Aua, Mama, nein" zu seinem Vater sagte, der es missbrauchte.

Richter: „In ihrem Leben gibt es ein Problembereich"

"In ihrem Leben gibt es ein Problembereich. Problembereich Sexualität", sagte der Richter zu Jörg L. Das Interesse des Angeklagten an kinderpornografischem Material habe sich verstärkt, nachdem seine Tochter geboren wurde. Dann lernte er den Bundeswehrsoldaten Bastian S. aus Kamp-Lintfort kennen. Gemeinsam planten sie ebenfalls Taten. An der Tochter von L. und der Nichte von S. In einer Mail schrieb L., er wolle "Kinder zum F***en finden".

Auch das Geständnis des Angeklagten zerpflückte der Richter im Prozess: "Von ihnen ist nur etwas gekommen, was ohnehin schon durch Fotos oder Videos belegt war". L. habe mit gewundenen Erklärungen dargelegt, warum alles nicht so gewesen wäre. "Als die Schreie der Tochter kamen, haben Sie gesagt: Das habe ich nicht mitbekommen. Oder Sie haben gesagt: Ich habe mich den anderen Chatpartnern angepasst", warf der Richter dem Angeklagten vor.

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„Ihrer Frau ist der Boden unter den Füßen weggezogen worden“

"Sie sind strafrechtlich voll verantwortlich", sagte der Richter. "Sie haben geschickt geplant." Zwar sei der Angeklagte nicht vorbestraft, habe gestanden und wurde wohl als Kind selbst missbraucht, trotzdem sprach der Richter Jörg L. schuldig und verurteilte ihn zu einer langen Haftstrafe und der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung. "Ihrer Frau ist der Boden unter den Füßen weggezogen worden", sagte der Richter.

Jörg L. gilt als eine Schlüsselfigur im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach. Bei Durchsuchungen bei ihm wurden nicht nur riesige Mengen kinderpornografischen Materials entdeckt, sondern auch viele Kontakte zu gleichgesinnten Männern, die im Netz Videos und Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs austauschten. Nach und nach kamen Ermittler so wie in einem Schneeballsystem immer mehr Verdächtigen auf die Spur. Der Fall hat längst bundesweite Ausmaße angenommen.