Geschäftsführer-Gehälter werden unter Verschluss gehalten

Intransparenz und kaum Kontrolle beim DRK: „Für einen Ehrenamtlichen schwierig zu verstehen“

19. Oktober 2020 - 22:53 Uhr

DRK-Strukturen sind oft undurchsichtig

Mehr als 180.000 hauptamtlich Angestellte arbeiten beim Deutschen Roten Kreuz. Dazu kommen 440.000 Ehrenamtliche, die sich ohne Bezahlung engagieren. Doch die Strukturen beim DRK bleiben häufig undurchsichtig, wie die Recherchen von "Team Wallraff – Reporter undercover" zeigen. Gerade die Gehälter in den obersten Reihen des Unternehmens bleiben unter Verschluss. Aber sollte eine gemeinnützige Organisation, für die so viele Menschen ehrenamtlich und ohne Bezahlung arbeiten, nicht transparenter machen, was ihre Geschäftsführer verdienen?

Das ist die Idee hinter dem Roten Kreuz

Die eigentliche Idee hinter dem Roten Kreuz stammt vom Schweizer Geschäftsmann Henri Dunant, der 1859 Zeuge einer Schlacht im italienischen Solferino wurde. Dunant organisierte Hilfe für die rund 40.000 Verletzten, ohne dabei zu unterscheiden, auf welcher Seite die Soldaten gekämpft hatten. Damit war die ursprüngliche Rotkreuz-Idee geboren. Und diese Idee wuchs: Mehr und mehr Freiwillige kümmerten sich in den kommenden Jahrzehnten um Hilfsbedürftige, bald auch unter dem heute weltbekannten rot-weißen Zeichen des Roten Kreuzes.

Heute ist das Deutsche Rote Kreuz eine große Macht mit viel Zugang und guten Kontakten in die Politik. Es besteht aus zahlreichen unabhängigen Verbänden und Ortsvereinen, die für undurchsichtige Strukturen sorgen. Warum diese von oben kaum kontrolliert werden können und wie eng das DRK tatsächlich mit der Politik verflochten ist, zeigen wir im Video.

Bei Geschäftsführer-Gehältern macht das DRK dicht

Was das Geld betrifft, ist das Rote Kreuz transparent bis zu den Gehältern der Bereichsleiter. Diese verdienen beim DRK laut Jahresbericht im Durchschnitt 115.500 Euro im Jahr. Bei den Gehältern der Etagen darüber macht das DRK jedoch dicht: Wie viel ein Geschäftsführer dort verdient, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Auch die Bundesregierung weiß darüber nichts, wie aus der Antwort einer internen Anfrage hervorgeht: "Die Bundesregierung hat über die Gehälter der Manager keine Kenntnis."

Auch zur Anzahl der Geschäftsführer und eventuellen Doppelfunktionen zur Geschäftsführung der Gesellschafter macht das DRK keine Angaben. Betrug und Mauscheleien können durch diese Intransparenz oft viel zu spät entdeckt werden.

„Für einen Ehrenamtlichen schwierig zu verstehen“

Ex-DRK-Präsidiumsmitglied Markus Ostermeier im Gespräch mit Günter Wallraff.
Ex-DRK-Präsidiumsmitglied Markus Ostermeier im Gespräch mit Günter Wallraff.
© RTL

Laut der Bilanz von 2017 des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes verdienten drei Geschäftsführer zusammen 803.000 Euro im Jahr – jeder von ihnen also rein rechnerisch 267.667 Euro. Ob das tatsächlich so ist, gibt das Rote Kreuz nicht bekannt. Seit 2018 veröffentlicht es die Gehälter der Geschäftsführer gar nicht mehr. "Für einen Ehrenamtlichen ist es ein bisschen schwierig zu verstehen, warum ein Geschäftsführer beim Roten Kreuz in einer gemeinnützigen GmbH 150.000 oder 200.000 Euro verdient", meint auch Markus Ostermeier, ehemaliges DRK-Präsidiumsmitglied, im Gespräch mit Günter Wallraff.

Die Anwaltskanzlei des Roten Kreuzes schreibt hierzu, man weise den Vorwurf mangelnder Transparenz oder Bereicherung zurück: "Wir haben unserem Mandanten geraten, diese anhaltlosen Fragen nicht zu beantworten."

„Team Wallraff" bei TVNOW

Die ganze Sendung von "Team Wallraff – Reporter undercover" gibt es nachträglich in voller Länge auf TVNOW.de und in der TVNOW-App zum Abruf.