Mittel heißt "Sputnik V"

Erster Corona-Impfstoff in Russland zugelassen - Putin: Meine Tochter schon geimpft

12. August 2020 - 9:49 Uhr

Weltweit erster Impfstoff zugelassen

Russland hat nach den Worten von Präsident Wladimir Putin den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Das Mittel, das das Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt hat, habe die Freigabe des Gesundheitsministerium erhalten, sagte Putin. Zur Erinnerung an das russische Vordringen in den Weltraum 1957 wurde der Impfstoff auf den Namen "Sputnik V" getauft. Wie Putin selbst die frühe Zulassung des Mittels begründet, sehen Sie im Video.

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Mediziner Dr. Specht im Video: "Ich würde mir das jetzt nicht spritzen lassen"

In unserem Interview erklärt Dr. Specht, warum er sich das in Russland zugelassene Mittel noch nicht spritzen lassen würde. Außerdem beschreibt Specht, was die weltweit erste Impfstoff-Zulassung für Deutschland bedeutet.

Putins Tochter wurde bereits geimpft

Eine seiner beiden Töchter sei bereits geimpft worden, erklärte Putin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Er hoffe, dass die Massenproduktion bald gestartet werden könne. Der Impfstoff wurde nach weniger als zwei Monaten Erprobung am Menschen zugelassen.

Das Mittel wurde allerdings bisher nur an wenigen Menschen getestet, es in einem so frühen Stadium zuzulassen, widerspricht internationalen Kriterien. Auch der russische Verband der Organisation klinischer Studien (ACTO) hatte laut einem Bericht der "Moscow Times" weitere Tests gefordert, bevor der Impfstoff zugelassen werde. 

Im Video: So schätzt Epidemiologe Prof. Ulrichs die russische Impfstoff-Entwicklung ein

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte bereits im Vorfeld klar: "Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird." Es gebe klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen. Im Video erklärt Epidemiologe Prof. Ulrichs, warum er den russischen Vorstoß zurückhaltend bewertet.

Eine reguläre Zulassung ohne die umfangreichen Daten aus einer Phase-III-Prüfung mit mindestens mehreren Tausend Probanden erscheine riskant, erklärte auch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. In der Etappe könnten unter anderem mögliche seltene Nebenwirkungen entdeckt werden. Die Zahl der Probanden betrage in der Regel mehrere Tausend bis Zehntausende. In Deutschland gibt es eine Zulassung erst nach Abschluss der letzten Phase.

Putin macht Druck bei der Entwicklung einer Corona-Impfung

Russlands Gesundheitsminister Michael Muraschko erklärte, das Gamaleja-Institut und die Firma Winnopharm sollten das Medikament produzieren. Zuerst sollen Lehrer und Ärzte geimpft werden. Nach Behördenangaben beginnt die Impfung noch im August oder im September. Der Stoff solle auch ins Ausland exportiert werden. Unabhängig von der Zulassung läuft in Russland eine dritte Testphase.

Weltweit wird in mehr als 170 Projekten nach Corona-Impfstoffen gesucht und mehrere Forscherteams haben vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Allerdings rechnen Experten generell mit einem marktfähigen Impfstoff zumeist erst im kommenden Jahr.

Das Gamaleja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die ersten Tests erfolgreich. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten erprobt, die sich freiwillig gemeldet hätten. Russland hat bislang aber keine wissenschaftlichen Daten zu dem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht. Kremlchef Putin hatte schon früh Druck bei der Entwicklung gemacht. Nach Angaben von Muraschko wird derzeit ein zweiter Impfstoff gegen Sars-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollen folgen.

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Quelle: dpa, Reuters, RTL.de