Fratzscher: Wir müssen auf Jahre hinaus mit höheren Energie- und Lebensmittelpreisen rechnen!

Was kommt auf die Verbraucher zu, wenn der Krieg länger dauert?

"Menschen dauerhaft absichern mit höheren Löhnen" Fratzscher im RTL-Interview
03:30 min
Fratzscher im RTL-Interview
"Menschen dauerhaft absichern mit höheren Löhnen"

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Es sieht nicht danach aus, dass der Krieg in der Ukraine in ein paar Wochen vorbei sein wird. Das heißt aber gleichzeitig: Auch die Sanktionen und die Auswirkungen werden für uns alle weiter spürbar bleiben!

Unter den Preissteigerungen bei Energie, Lebensmitteln und an der Zapfsäule ächzen die Menschen zunehmend. Zwar sollen der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket kurzfristig Entlastung schaffen – doch mit welchen Auswirkungen auf die Preise, den Arbeitsmarkt und die Energieversorgung müssen wir nun weiter rechnen, wenn der Krieg nun noch Monate anhält?

Wirtschafts- und Energieexperten prognostizieren jedenfalls kein rosiges Bild...

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Fratzscher: Wir müssen auf Jahre hinaus mit höheren Energie- und Lebensmittelpreisen rechnen!

Fratzscher: Wir müssen auf Jahre hinaus mit höheren Energie- und Lebensmitteln rechnen!
Mehr Geld für Tomaten, Gurken, Brot und Co. Langfristig ist mit höheren Preisen zu rechnen!
shp fdt vco sei, dpa, Sven Hoppe

9-Euro-Ticket und Tankrabatt und bald auch einmalig 300 Euro Energiepauschale, die voraussichtlich im September kommen soll – Maßnahmen, mit denen der Bund die Menschen in Deutschland schnell entlasten will. Aber schnell ist hier das Stichwort – die Maßnahmen gelten nur für kurze Zeit. Langfristig müssen wir definitiv mit höheren Preisen für Energie und Lebensmitteln rechnen – das macht Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im RTL-Interview deutlich.

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„Man muss den Menschen auch ehrlich sagen: wir reden hier nicht von einem temporären Phänomen. Die Preise werden nicht in zwei, drei Monaten wieder fallen und alles ist wie vorher. Wir müssen auf Jahre hinaus mit höheren Energiepreisen und auch mit höheren Lebensmittelpreisen rechnen. Meine Befürchtung ist: die Preise werden weiter steigen und deshalb braucht es hier andere Lösungen!“

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Top-Ökonom: Andere Lösungen wie mehr Leistungen und höhere Gehälter müssen her!

Andere Lösungen, die wirklich dauerhaft helfen, sieht Fratzscher in der Erhöhung der Einkommen.

  • Das gelte auch für eine Erhöhung der Leistungen für Menschen, die auf Sozialleistungen und Rente angewiesen seien. „Das ist der einzige Weg, um Menschen dauerhaft abzusichern und nicht nur temporär“, so Fratzscher.
  • Aus diesem Grund sei auch der Mindestlohn von 12 Euro, der ja im Koalitionsvertrag beschlossen wurde, möglichst bald komme, „denn der hilft zehn Millionen Beschäftigten und ihren Familien sofort und zwar dauerhaft“, erklärt der Top-Ökonom.
  • Außerdem müsse die Politik auch die Sozialleistungen erhöhen. „Viele Rentnerinnen und Rentner mögen vielleicht fünf Prozent mehr Rente bekommen jetzt durch die Steigerung, aber wenn die Inflation für diejenigen mit wenig Einkommen bei zehn Prozent oder mehr liegt, dann realisieren wir, die Menschen haben weniger Geld in der Tasche und müssen den Gürtel enger schnallen – und viele können das nicht.“

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Trotz Ukraine-Krieg: Gute Lage für Beschäftigte auf dem deutschen Arbeitsmarkt!

„Der Arbeitsmarkt in Deutschland läuft weiterhin sehr gut. Wir sehen rekord-niedrige Arbeitslosenzahlen. Viele Unternehmen suchen händeringend nach Beschäftigten. Es gibt 1,6 Millionen offene Stellen in Deutschland“, erklärt der Top-Ökonom im RTL-Interview. Das sei gut für die Beschäftigten, denn genau diese Situation übe natürlich Druck auf die Löhne und auch auf die Unternehmen aus, die eben sagen: ich muss meine Beschäftigten besser bezahlen, wenn ich sie halten will oder Neue anwerben will. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt insgesamt sieht für die Arbeitnehmer also positiv aus.

Mit Blick auf die nächsten Monate ist aber auch klar: Verbraucher sollten gerade beim Thema Energie auf ihren Verbrauch achten.

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Claudia Kemfert im RTL-Interview: Wir müssen jetzt Energie sparen!

Die Menschen in Deutschland müssen sich in Zukunft nicht nur auf steigende Preise einstellen, eins ist auch klar: Es muss gespart werden – und zwar bei der Energie. Deutschland habe jetzt drei Dinge zu tun, erklärt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im RTL-Interview:

  1. Aus vielen anderen Ländern Energien beziehen und sich nicht mehr abhängig machen von nur einem Lieferanten.
  2. Deutschland muss sich auf den Winter vorbereiten, die Gasspeicher füllen und mögliche Versorgungsengpässe vorbereiten.
  3. Energie einsparen und das finanziell unterstützen sowie Erneuerbare Energien ausbauen.
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Müssen wir uns auf Energieengpässe einstellen?

Auf die Frage, ob wir wirklich mit Energieengpässen rechnen müssen, macht die Energieökonomin Kemfert deutlich: „Beim Öl ist es so, dass eigentlich genügend Öl auf den internationalen Märkten vorhanden ist und wir auch auf anderen Ländern Öl kaufen können. Aber: Der Tankrabatt führt jetzt dazu, dass Tanken billiger wird und ein Ansturm im Sommer auf Diesel und Benzin erwartet wird“. Da könne es dann tatsächlich zu Engpässen kommen. Eigentlich müsse der Verbrauch jetzt gedrosselt werden. Beim Thema Gas müsse man jetzt schauen, wie abrupt Russland gegebenenfalls den Gashahn abdreht und woher Deutschland dann andere Gasquellen bekomme.

„Da kann es dann zum Notfallplan Gas in Deutschland kommen, wo dann geschaut werden muss, dass wir alle die Heizung vielleicht runter drehen müssen um ein Grad oder, dass die Industrie den Verbrauch noch mehr senken muss als sie es ohnehin schon tut“, erklärt die Top-Ökonomin. Deutschland arbeite aktiv daran, dass diese Fälle nicht eintreten. Klar sei aber, es müsse jetzt bei der Energie gespart werden. (lwe)

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