Schon wieder!

USA: Polizisten tasern psychisch kranken Mann zu Tode

20. Mai 2021 - 15:38 Uhr

Polizeigewalt in US-Bundesstaat South Carolina

Diese Aufnahmen lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Ein hilfloser, offenbar verwirrter Mann steht in einer Zelle. Dann stürmen Beamte in den Raum und attackieren ihn mit Pfefferspray und Tasern. Der Insasse, Jamal Sutherland, stirbt wenig später an den Folgen dieses Angriffs. Seine Eltern erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei von North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Sie fordern Gerechtigkeit für ihr Kind.

Jamal Sutherland war freiwillig in Behandlung

Jamal Sutherland war freiwillig in einer Klinik in South Carolina.
Jamal Sutherland war freiwillig in einer Klinik in South Carolina, um seine psychischen Probleme behandeln zu lassen.
© Google Maps

Schon als Kind soll Jamal unter psychischen Problemen gelitten haben. Tragisch: der 31-Jährige soll sich freiwillig in Behandlung begeben haben. Jetzt ist er tot. Videoaufnahmen zeigen den brutalen Angriff von Polizeibeamten auf den verwirrten Mann. Wie konnte es dazu kommen?

Laut eines CNN-Berichts soll der Ursprung des Konflikts einige Monate zurückliegen. Am 4. Januar habe Jamal einen Mitarbeiter der Einrichtung attackiert, heißt es. Daraufhin soll der Patient verhaftet worden sein. Die Polizei nahm ihn in Gewahrsam – einen Tag später hätte seine Anhörung stattfinden sollen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Mit Pfefferspray und Taser gegen einen psychisch kranken Mann

Wie Videoaufnahmen zeigen, steht Jamal Sutherland verwirrt in seiner Zelle. Polizeibeamte fordern ihn dazu auf, seine Hände durch eine Öffnung nach vorne zu strecken. Sie wollen dem Gefangenen Handschellen anlegen, um ihn zu seiner Anhörung zu geleiten. Doch der psychisch kranke Mann reagiert nicht. Er scheint verängstigt zu sein, steht einfach nur da. Statt deeskalierend mit Jamal zu sprechen, besprühen ihn die Beamten mit Pfefferspray. Einer zückt einen Elektroschocker und tasert ihn.

Laut CNN traf erst zwölf Minuten später ein Sanitäter ein, der mit Wiederbelebungsmaßnahmen begann – vergeblich. Nach etwa 35 Minuten habe man die Reanimation abgebrochen und ein weißes Tuch über Sutherlands leblosen Körper gezogen.

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Bodycam des Polizisten zeichnete Szenen auf

Jamals Mutter, Amy Sutherland, wusste nicht, dass man ihren Sohn ins Gefängnis gebracht hatte.
Jamals Mutter, Amy Sutherland, wusste nicht, dass man ihren Sohn ins Gefängnis gebracht hatte. Auf einer Pressekonferenz forderte sie Gerechtigkeit für ihren Jamal.
© CNN

Jamals Eltern, Amy und James Sutherland, sahen das schreckliche Video, das den Tod ihres Sohnes zeigt, jetzt zum ersten Mal. Die Bodycam eines Polizisten hatte die Szene aufgezeichnet. "Dass mein Sohn psychisch krank war, gibt noch keinem das Rech dazu, Hand an ihn anzulegen", sagt die trauernde Mutter bei einer Pressekonferenz. Sie und ihr Mann seien nicht einmal darüber informiert worden, dass Jamal von der psychiatrischen Einrichtung in ein Gefängnis gebracht worden sei. Sie erfuhren irgendwann einfach nur von seinem Tod.

Sheriffin von Charleston County zieht Konsequenzen

Nach der Attacke der Polizisten auf den psychisch kranken Gefangenen, zieht Kristin Graziano, Sheriffin von Charleston County, Konsequenzen. "Heute habe ich beschlossen, den beiden in diesen Fall verwickelten Haftbeamten zu kündigen", schrieb sie bei Twitter. Sie müsse im Interesse der öffentlichen Sicherheit handeln. Die Beamten seien zuerst für 30 Tage suspendiert worden – jetzt werden sie wohl nie wieder Cops sein. Jamals Familie fordert außerdem, dass sie vor Gericht gestellt werden, damit sie eine gerechte Strafe bekommen.

"Black Lives Matter"-Bewegung

Demonstranten stehen vor Graffiti-Kunst, die den getöteten George Floyd zeigt.
Demonstranten stehen vor Graffiti-Kunst, die den getöteten George Floyd zeigt.
© AP, Brian Inganga, BC

In den USA kommt es immer wieder zu Polizeigewalt. Nach dem Tod von George Floyd am 25. Mai 2020 kam es weltweit zu Protesten. Ein Polizeibeamter hatte sich auf den Nacken des Afroamerikaners gekniet – so lange, bis der Mann erstickte. Ein von Passanten gefilmtes Video verbreitete sich schnell im Internet und fachte eine erneute Diskussion um die Polizeigewalt gegen Schwarze und People of Color in den USA an. Daraus entstand die "Black Lives Matter"-Bewegung, die seither immer wieder für die Rechte Schwarzer Menschen demonstriert.

Mittlerweile wurde Ex-Polizist Derek Chauvin in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen.

(dky)