Fieber, Schmerzen, müde?

Warum Nebenwirkungen beim Impfen sogar gut sind

Es gibt immer mehr Meldungen über Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung. Dabei zeigen die nur, dass die Impfung funktioniert.
Es gibt immer mehr Meldungen über Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung. Dabei zeigen die nur, dass die Impfung funktioniert.
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19. Februar 2021 - 11:14 Uhr

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Fieber, Schmerzen, Müdigkeit und etliche Krankmeldungen. Die Meldungen über Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung häufen sich. Die Zweifel speziell am nun vor allem bei Jüngeren verimpften AstraZeneca-Impfstoff wachsen. Dabei sind Nebenwirkungen nach einer Impfung eigentlich ein gutes Zeichen.

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Nebenwirkungen zeigen, dass Körper auf Impfung anspringt

Nach jeder Impfung – und so auch bei der Corona-Impfung – kann es kurzfristig zu Nebenwirkungen kommen. Das ist aber an sich nichts Schlimmes, sondern erwartbar und ein Zeichen, dass der Körper auf die Impfung anspringt, wie der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt. "Die Symptome sind Ausdruck der Immunantwort, die zeigt, dass im Körper tatsächlich etwas nach der Impfung passiert."

Aus Studien sei bekannt, dass etwa die Hälfte der geimpften Personen nach solchen Impfungen milde Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen als Nebenwirkung angaben. Bis zu 70 Prozent fühlten sich nach einer Impfung müde.

Was passiert bei einer Impfung im Körper?

Und das ist auch kein Wunder, wie Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, im Interview mit RTL erklärt. "Eine Impfung ist eine Art simulierte Infektion. Der Körper nimmt – ohne dass er wirklich krank wird – eine Infektion wahr und reagiert darauf mit Antikörperbildung. Diese Antikörper, wenn es dann tatsächlich zu einer richtigen Infektion kommt, schützen einen vor schweren Krankheitsfolgen."

Wird unser Immunsystem also durch eine Impfung aktiviert, kann es mit leichten Krankheitssymptomen reagieren wie zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle, etwas Fieber, Schlappheit, Müdigkeit oder auch mal Muskelschmerzen. "Das ist ein Zeichen, dass das Immunsystem anspringt und auf das Virus reagiert. Das ist etwas ganz Normales."

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Impf-Nebenwirkungen bei Jüngeren stärker

Neben den lokalen könnten diese systemischen Auswirkungen durchaus auch dazu führen, dass man vorübergehend wegen der benannten Symptome nicht arbeiten könne, erklärt Infektionsimmunologe Bogdan. So beispielsweise in einer Klinik im niedersächsischen Emden, wo sich 30 Mitarbeiter nach der Corona-Impfung krankmeldeten. Hinzu komme, dass gerade bei jüngeren Menschen Impfreaktionen deutlicher ausfielen, da sie - im Gegensatz zu älteren Menschen - über das aktivere Immunsystem verfügten.

Welche Nebenwirkungen sind normal und wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

"Die ganz normalen Symptome, die auch die Hersteller beschreiben, sind Schlappheit, Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle, ein bisschen Fieber oder ein wenig Gliederschmerzen", erklärt Zinn. "Symptome, die wirklich besorgniserregend sind, sind starke allergische Reaktionen, also Atembeschwerden, ein Anschwellen im Mund-Nasenbereich oder aber auch der Einstichstelle, hohes Fieber und sonstige schwere Symptome, die vor der Impfung noch nicht da sind." Treten diese Nebenwirkungen auf, sollte man einen Arzt aufsuchen, rät Zinn.

Warum wird vor allem bei AstraZeneca von Nebenwirkungen gesprochen?

Dass nun der Eindruck entstehe, dass es vor allem bei dem Impfstoff von AstraZeneca zu Nebenwirkungen komme, hält RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht für einen Trugschluss, wie er im Interview erklärt. "Momentan sieht es so aus, als wären die Nebenwirkungen bei AstraZeneca stärker als bei den anderen. Da glaube ich noch nicht dran." Ihm zufolge steht der AstraZeneca-Impfstoff zur Zeit so in der Diskussion, dass ganz genau auf ihn geblickt wird – und dabei eben auch viel auf die negativen Aspekte. Wichtig sei aber: "Alle Impfstoffe können Nebenwirkungen haben", so Specht.

Virologe Christian Drosten hält grundsätzliche Bedenken gegen AstraZeneca ebenfalls für unbegründet – er würde sich ebenso wie Gesundheitsminister Jens Spahn nach wie vor damit impfen lassen.

Wie Walter Plassmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg auf Nachfrage von RTL erklärt, gibt es je nach Wirkstoff offenbar auch Unterschiede bei der ersten oder zweiten Impfdosis: "Es scheint so zu sein, dass bei AstraZeneca die Reaktion schon auf die erste Spritze stärker ist, während bei Biontech das erst bei der zweiten Spritze der Fall ist."

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