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Mutmaßlicher Kannibale von Berlin vor Gericht: Mathelehrer Stefan R. schweigt zu Vorwürfen

Mann umgebracht, um ihn zu essen?

Mutmaßlicher Kannibale von Berlin vor Gericht: Mathelehrer Stefan R. schweigt zu Vorwürfen

Stefan R. wird Sexualmord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen
Prozessauftaktin Berlin: Stefan R. wird ein Sexualmord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen.
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Mutmaßlicher Kannibale von Berlin trifft zum ersten Mal auf Familie des Opfers

Ein Vermisster, Knochen-Funde an einem Waldstück, Sägen und Blutspuren in einer Kühltruhe: Ein Puzzle mit grausamen Details wie aus einem Horrorfilm. Nun steht in Berlin ein mutmaßlicher Kannibale vor Gericht. RTL-Reporterin Samina Faizi war beim Auftakt des Mordprozesses dabei und hat miterlebt, wie der Angeklagte zum ersten Mal auf die Familie des Opfer traf.

Bis heute fehlen Teile der Leiche von Stefan T.

Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Kannibalen aus Berlin Pankow vor dem Berliner Landgericht: Angeklagt ist der Mathelehrer Stefan R. Er soll einen 43 Jahre alten Mann in Berlin ermordet haben - in der Absicht, Teile der Leiche zu essen und geschlechtliche Befriedigung zu erlangen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Sexualmord mit kannibalistischem Hintergrund aus.

Bis heute fehlen Teile der Leiche von Stefan T. „Man konnte feststellen, dass die Leiche zersägt wurde und bestimmte Körperteile, die bis heute fehlen, entnommen wurden“, erklärte der Staatsanwalt weiter nach dem ersten Prozesstag.

Der Angeklagte hielt die Hände locker vor dem Bauch gefaltet, als er den Eltern des Opfers erstmals im Gerichtssaal gegenüberstand. Laut Anklage soll Stefan R. sein Opfer Stefan T. in einem Datingportal kennengelernt haben, am Abend des 5. September 2020 hätten sich beide zu einem Sexdate verabredet – seitdem wurde Stefan T. vermisst.

Die Familie des Opfers wirkt zerstört

Am ersten Prozesstag wurde lediglich die Anklage verlesen – zu den Vorwürfen schwieg der Angeklagte. Auf RTL-Reporterin Samina Faizi wirkte Stefan R. erschreckend normal: „Sein lustig-buntes Karohemd, sein harmloses Aussehen, seine Normalität lassen ihn unscheinbar wirken. Er antwortet mit lauter, klarer ‘Lehrerstimme’ auf die Richterfragen bezüglich seiner Personalien.“ Außerdem habe er sowohl den Zuschauer, als auch den Angehörigen des Toten direkt in die Augen geschaut.

Dagegen wirken die Eltern und der Bruder des Opfers Stefan T. zerstört, betroffen und traurig. Für sie ist die Situation sehr schwer, wie Nebenklage-Rechtsanwalt Sven Peitzner bestätigt: „Der Sohn ist letztes Jahr getötet worden, der Familie geht es sehr schlecht!“ Für sie sei nun vor alle eins wichtig: „Sie wollen wissen, was ihrem Sohn passiert ist.“ Denn vieles, was in der Tatnacht geschehen ist, ist bisher noch unklar.

Wurde Stefan T. Opfer eines Kannibalen?
Mit diesem Foto war nach Stefan T. gesucht worden.
Polizei Berlin

Stefan T. wurde im September als vermisst gemeldet

Der Monteur Stefan T. soll seine Wohngemeinschaft am 5. September kurz vor Mitternacht verlassen haben. Danach kehrte er nicht mehr zurück. Seine Mutter erstattete Vermisstenanzeige. Wochenlang bangten und hofften seine Eltern, Geschwister, Freunde. Nachdem Spaziergänger am 8. November an einem Waldstück in Berlin-Buch Knochenteile gefunden hatten, wurde aus dem Vermisstenfall ein Mordverfahren. Drei Knochen-Funde an zwei verschiedenen Orten wurden gemacht. Der Angeklagte soll die Leichenteile mit einem Carsharing-Auto dorthin gebracht haben.

Die Polizei setzte Personen- und Leichenspürhunde ein. Es wurden Chatprotokolle ausgewertet sowie der Taxifahrer ermittelt, der das Opfer nach Pankow gebracht hatte . Nach der Durchsuchung der Wohnung von Stefan R. wurde er als mutmaßlicher Kannibale festgenommen. „Es sind Geräte zum Zerteilen von Leichen sowie Kühlanlagen gefunden worden“, so der Ankläger. Außerdem „viel Blut des Opfers“.

Was einen Menschen dazu treibt, einen anderen Menschen umzubringen und zu essen, erklärt Kriminal-Psychologin Lydia Benecke im Video.

Psychologin zum Kannibalen-Fall Sexualmord in Berlin
01:29 min
Sexualmord in Berlin
Psychologin zum Kannibalen-Fall

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Angeklagter Stefan R. sitzt seit November in U-Haft

Seit dem 18. November sitzt der in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Mann in Haft. Er galt als freundlicher und sozialer Kollege, hieß es am Rande der Verhandlung über den Lehrer für Mathematik und Chemie.

Der Prozess ist bislang bis Ende Oktober terminiert. Die Anwältinnen des Angeklagten Stefan R. haben einen Antrag gestellt: Die Hauptverhandlung soll verschoben werden, weil sie nicht vollumfängliche Einsicht in die Akten hätten. Angeblich fehlt ein wichtiger Ordner mit Auskunft über GPS-Daten. Der Richter setzt daraufhin den nächsten Termin aus – der Prozess geht am Dienstag den 17. August weiter. (dpa/vba)