Nach sieben Wochen im Malle-Knast

Freiheit für die Kegelbrüder: Das haben sie als Erstes gemacht

Kegelbrüder frei! Emotionales Wiedersehen mit den Familien Zeit im Malle-Knast endlich vorüber
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Zeit im Malle-Knast endlich vorüber
Kegelbrüder frei! Emotionales Wiedersehen mit den Familien

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von Ingo Wohlfeil, Eva Rullmann, Michael Wrobel und Klaus Felder

Kurz vor Mitternacht endete am Freitag vorerst ein Drama, das am 20. Mai seinen Anfang genommen hatte . An jenem Freitag reisten 13 Kegelfreunde aus dem Münsterland für ein Wochenende nach Mallorca – für einige von ihnen wurde es unfreiwillig auf 56 Tage verlängert. Bereits kurz nach Ankunft sollen die Männer mit Zigaretten das Dach eines Restaurants angezündet haben, das in Flammen aufging. Daraufhin wurden sie festgenommen. Die letzten acht Kegler durften in der Nacht zu Samstag nun den Weg zurück in die Freiheit antreten . Der erste Weg führt sie zu Pfarrer Holmfried Braun.

Mallorca-Pfarrer feiert im Eintracht-Frankfurt-Trikot

Seelsorger-Ehepaar: Alle haben sich unglaublich gefreut Sie betreuten die Kegelbrüder im Malle-Knast
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Sie betreuten die Kegelbrüder im Malle-Knast
Seelsorger-Ehepaar: Alle haben sich unglaublich gefreut

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Der Pfarrer strahlt. "Heute ist ein guter Tag", sagt er. "Ich feiere meinen 27. Hochzeitstag und gleichzeitig kommen die Jungs endlich frei. Was gibt es Schöneres?" Zur Feier des Tages habe er sich extra das Trikot seines Lieblingsclubs angezogen, das von Eintracht Frankfurt. Da ist Holmfried Braun (54) Mitglied seit 1974. Als Hochzeitsessen gibt es auch etwas ganz Besonderes: eine mitgebrachte Tüte voller Burger aus dem McDrive, die er mit seiner Frau, Pfarrerin Martjje Mechels, vor dem kargen Gefängnisvorhof in der prallen Sonne etwas ungläubig verspeist.

Braun und Mechels sind Pfarrer der evangelischen Gemeinde Mallorcas. Zu ihren Aufgaben gehört die Gefangenenbetreuung und diese Aufgabe haben sie in den letzten zwei Monaten sehr intensiv wahrgenommen. Vom ersten Tag an haben er und seine Frau sich erst um 13, schließlich um acht verbliebene junge Männer aus dem Münsterland gekümmert, denen schwere Brandstiftung auf Mallorca vorgeworfen wird . Jetzt sind die Pfarrer am Ende ihres Weges angekommen. Die Mission ist fast zu Ende.

Vater von Kegelbruder: "Die ersten zwei Wochen waren die härtesten"

Eine kleine Gruppe Menschen hat sich am frühen Freitagabend vor dem "Center Penitenciario", dem Knast in Palma eingefunden: unter anderem der deutsche Konsul Wolfgang Engstler (53), Anwältin Maria Barbancho (31) sowie drei Angehörige der Noch-Häftlinge , darunter der Vater und die Freundin von Tim D. aus Albachten. "Die ersten zwei Wochen waren die härtesten", sagt Vater D. "Da wurde schon sehr viel Quatsch verbreitet." Trotz seiner Freude – man sieht ihm den Stress der vergangenen zwei Monate an. Er greift sich immer wieder angestrengt ans Herz. Die Situation belastet ihn. Was ihn glücklich mache:" Die Anteilnahme aus ganz Deutschland war einfach überwältigend!"

"Wir warten nur noch auf die Gerichtssekretärin, die die Beschlüsse auf Haftentlassung ins Gefängnis bringen muss", sagt Konsul Engstler. Das passiert auf Mallorca noch auf dem nichtdigitalen Dienstweg. Und der kann dauern.

Von der gegenüberliegenden Pferderennbahn Hipodrom de Pardo schallt Rockmusik bis an die Gefängnismauern. Die Sonne geht unter. Es passiert stundenlang nichts. Die Familienmitglieder fotografieren sich aus Langeweile vor den Autos der Guardia Civil, wartende Reporter werden zu Kettenrauchern, die Betreuer berichten vom vorbildlichen Verhalten der Deutschen während ihres Knastaufenthaltes: "Der Gefängnisdirektor sagte im Scherz, dass die ruhig gerne länger bleiben können!" An der Essensausgabe haben sie gearbeitet, die Fenster geputzt, alles ohne Murren erledigt. Auch soll es einen starken Gruppenzusammenhalt gegeben haben, wo die Starken die Schwächeren gestützt haben. Auf den letzten Metern habe einer der acht sich noch Corona eingefangen, aber mit sehr mildem Verlauf.

Mallorca: Angespannte Stille bei Freilassung der Hobbykegler

Zwei Kegelbrüder beim Verlassen der Haftanstalt
Zwei der Kegelbrüder beim Verlassen der Haftanstalt.
Klaus Felder, RTL

Um 22:57 Uhr taucht ein Mann mit Nasen-Mund-Schutz auf dem Gefängnisgelände auf. Es ist Tim D. In seiner Hand hält er eine rote Strandtasche. Darin seine Habseligkeiten. Er unterschreibt seine Unterlassungspapiere. Zwei Minuten später ist er frei. Seine Eltern und seine Freundin laufen ihm entgegen. Tim fällt seiner Freundin in die Arme, begrüßt herzlich seine Eltern. Fotos werden gemacht und ein Live-Video für die Freunde, die zu Hause gebannt der Freilassung entgegengefiebert haben. Vater D. bittet um Verständnis, dass sie gerade nichts zu den anwesenden Reportern sagen wollen. "Es ist einfach ein zu emotionaler Moment. Da bitten wir um Verständnis", sagt er höflich, aber bestimmt.

Dann bitten die zwei Beamten der Guardia Civil alle Anwesenden, das Gefängnisgelände zu verlassen. Es sei schon spät, aus Sicherheitsgründen solle man bitte vor der Einfahrt warten. Und so stehen da die Eltern, der Konsul, die Pfarrer und Tim an einer lauten Autobahnauffahrt, um auf die sieben Verbliebenen zu warten. Die Situation ist keineswegs von lauter Freude geprägt, sie wirkt angespannt, als die nächsten beiden Jungs eine Viertelstunde später den Gefängnistrakt verlassen. Blass sind sie. Ihre Haut glänzt von der Hitze, die ganz Mallorca gerade gefangen hält. Alle umarmen sich in Stille. Dann steigen die beiden in eines der drei bereitgestellten Autos ein. Sofort werden Handys gereicht. Nach Hause telefonieren.

Kegelbrüder werden aus Mallorca-Knast entlassen! Alle 8 Männer kommen frei
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Alle 8 Männer kommen frei
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Kegelbrüder verbringen erste Nacht im Pfarrhaus an der Playa de Palma

Nach und nach kommen weitere Freigelassene aus dem Gefängnis. Es ist 23:51, als der letzte der acht freudig empfangen wird. Still und herzlich. "Die sind etwas durch den Wind. Die haben erst zum Abendessen erfahren, dass sie rauskommen", sagt Pfarrer Braun. Und dann fünf Stunden gewartet. Und während sie im Gefängnis gut behandelt wurden, war die Situation bei der Haftentlassung eher rau, rabiat und robust, berichtet ein Anwesender. "Deshalb sind die Jungs nicht so euphorisch, wie man es erwartet hätte."

Pfarrer Braun verabschiedet sich: "Wir sehen uns alle zum Gottesdienst. Sonntag, um 11:30 Uhr in Cala Ratjada." Er lacht und steigt ins Auto. Dann fahren alle zusammen davon. Wie RTL erfuhr, ging es direkt ins Pfarrhaus an der Playa de Palma, wo die acht auch die Nacht verbringen werden. Doch erst einmal wurde dort mit einem Bier angestoßen und die Freiheit gefeiert. Nach RTL-Informationen soll dabei nicht geraucht worden sein.