Prozessauftakt am Schwurgericht in Halle

Das Martyrium des kleinen Tim (†2) aus Querfurt: Kind mit Crystal Meth betäubt und totgeprügelt

17. Dezember 2020 - 9:27 Uhr

Erfahrener Gerichtsreporter: "Ich war erschüttert vom Inhalt der Anklage“

Die letzten Wochen in Tims kurzem Leben waren geprägt von Gewalt und Angst, seine letzten Stunden auf dieser Welt müssen ein Martyrium gewesen sein. Die Details, die während des Prozesses ans Licht kommen, sind so unfassbar brutal, dass wir sie aus Gründen des Opferschutzes nicht näher benennen werden. Während der Anklageverlesung habe die Mutter des kleinen Jungen geweint, berichtet RTL-Reporter Frank Vacik, der vor Gericht dabei war. Bei den besonders grausamen Details habe sie sich die Ohren zugehalten. Im Video konfrontiert der Reporter die Mutter mit den Vorwürfen gegen sie.

Der kleine durfte nur zwei Jahre alt werden, Der Partner seiner Mutter missbrauchte das Kind über einen längeren Zeitraum, schlug es, tötete es am 10. Juli 2020.
Der kleine durfte nur zwei Jahre alt werden, Der Partner seiner Mutter missbrauchte das Kind über einen längeren Zeitraum, schlug es, tötete es am 10. Juli 2020. 3
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Mutter des kleinen Tim aus Querfurt hielt sich bei schlimmen Details die Ohren zu

Der kleine durfte nur zwei Jahre alt werden, Der Partner seiner Mutter missbrauchte das Kind über einen längeren Zeitraum, schlug es, tötete es am 10. Juli 2020.
Uta F. weinte bei der Anklageverlesung. Bisher schweigt sie zu den Vorwürfen.
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Sein Stiefvater (30) misshandelte und quälte den Jungen auf brutalste Art und Weise. Am Montag begann vor dem Schwurgericht in Halle der Prozess gegen Dennis K. und Uta F. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer "sadistischen Grundhaltung" des Angeklagten. Immer wieder sei es laut Anklageschrift zwischen dem 23.06.2020 und dem 11.07.2020 zu heftigen Gewaltorgien und sexuellen Übergriffen gekommen.

In der Mordnacht am 10.07.2020 soll Dennis K. den Zweijährigen in seinem Bettchen geweckt und schwerst sexuell missbraucht haben, "noch brutaler als zuvor", so ein Sprecher des Gerichts. K. habe den kleinen Jungen mit Crystal Meth betäubt und ihn anschließend totgeprügelt und -getreten, um eine Aufdeckung seiner Taten zu verhindern und einer Strafe zu entgehen, heißt es in der Anklageschrift. Gerichtsmediziner stellten bei der Obduktion später 3.700 Nanogramm Methamphetamin je Liter Blut fest – laut Gutachter liegt der Wert fünfmal so hoch wie bei einem erwachsenen Abhängigen.

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„Ich habe noch nie so eine furchtbare Anklageverlesung gehört"

Nach der Tat habe Dennis K. das tote Kind zurück in sein Gitterbettchen gelegt und das Zimmer verlassen. Die Polizei fand den 30-Jährigen nach dem Mord schlafend und leicht alkoholisiert im Wohnzimmer vor. Auch der Junge habe dort in eine Decke gewickelt gelegen. Offenbar hatte Uta F. (36) ihren Sohn aus seinem Schlafzimmer dorthin getragen.

"Ich habe noch nie so eine furchtbare Anklageverlesung gehört. Ich war erschüttert vom Inhalt der Anklage", so Frank Vacik, der seit über zehn Jahren als Gerichtsreporter tätig ist. "Solche perversen Fantasien kann man sich gar nicht vorstellen. Was der kleine Jungen durchgemacht haben muss, ist unbegreiflich."

Mutter erzählt der Polizei, Tim habe sich die Verletzungen selbst zugefügt

Der kleine durfte nur zwei Jahre alt werden, Der Partner seiner Mutter missbrauchte das Kind über einen längeren Zeitraum, schlug es, tötete es am 10. Juli 2020.
Dennis K. (Foto privat) missbrauchte Tim über einen längeren Zeitraum, schlug ihn, tötete den Zweijährigen laut Staatsanwaltschaft am 10. Juli 2020.
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Bis heute schweigen Dennis K. und Uta F. zu den Vorwürfen. Die Taten seien geschehen, wenn die Mutter schlief. Der Angeklagte K. habe das Kind wiederholt nachts im Kinderzimmer aufgesucht und soll es dort grausam "in einer Weise gequält haben, von der er sich sexuelle Befriedigung versprochen habe", so die Vorwürfe. Einige Taten soll er mit dem Handy gefilmt haben, um sich später daran zu ergötzen und zu befriedigen.

Schädelbruch, zerquetschte Organe, Rippenbrüche: Der Mutter wird vorgeworfen, die Verletzungen gesehen, jedoch keine Hilfe geholt zu haben, weil sie ihre Partnerschaft nicht gefährden wollte. Bei der Polizei habe sie die Verletzungen einmal wie folgt begründet: Tim sei ab und an trotzig und habe bei Wutattacken den Kopf gegen Wand und Boden gehauen. Er habe sich die Verletzungen selbst beigebracht.

Die Frau und ihr Partner, mit dem sie zum Tatzeitpunkt erst wenige Monate liiert war, haben beide Drogenprobleme, die alleinerziehende Mutter sei vom Jugendamt betreut worden. Dem Angeklagten K. wird teils schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes in vier Fällen, Körperverletzung und gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen, sowie Mord in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes zur Last gelegt. Die Anklage gegen die Mutter lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung. Der Prozess ist bis Februar terminiert. K. droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange, Uta F. eine lange Haftstrafe.

Anika T.: Kinder waren auf sich allein gestellt

Anika T. (29), eine Bekannte von Uta F., glaubt, dass der Tod für den zweijährigen Jungen letztlich eine Erlösung war. Sie erzählt von katastrophalen Zuständen in der Familie und macht dem Jugendamt schwere Vorwürfe. "Die Kinder hätten rausgeholt werden müssen. Das hätte alles verhindert werden können", so die 29-Jährige. Auch andere Nachbarn berichten von häuslicher Gewalt im Haus von Uta F., Dennis K. und den Kindern. Mehrfach habe Tims ältere Schwester um Hilfe geschrien, das Jugendamt habe aber nichts unternommen.

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