Ukraine-Krieg: Ehemaliger Brigadegeneral Erich Vad über Lieferungen aus dem Westen!

„Hochmoderne Waffen stehen nicht auf der Tagesordnung“

„Hochmoderne Waffen stehen nicht auf der Tagesordnung“ Erich Vad im RTL-Interview
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Erich Vad im RTL-Interview
„Hochmoderne Waffen stehen nicht auf der Tagesordnung“

von Vivian Bahlmann & Evelyn Rosar

Zu Beginn des Krieges waren sich Militärexperten eines schnellen Sieges Russlands über die Ukraine sicher. Seit mehreren Wochen überraschen die ukrainischen Streitkräfte mit anhaltendem Widerstand und der Rückeroberung einzelner Gebiete. Laut dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj sind seit Anfang des Monats ein Gebiet von 1.000 Quadratkilometer wieder zurückerobert worden, unter anderem am Donnerstag die Stadt Balaklija im Gebiet Charkiw.

Der Brigadegeneral a.D. Erich Vad erläutert im Interview mit RTL-Reporterin Vivian Bahlmann, inwiefern die Ukraine Chancen hat, sich ihr Land zurückzuerobern und welche Rolle dabei Waffenlieferungen aus dem Westen spielen.

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So holen sich die Ukrainer Gebiete zurück

Erich Vad
Brigadegeneral a.D. Erich Vad im RTL-Interview
RTL

„Den Ukrainern ist es gelungen, einige Ortschaften einzunehmen, auch im Raum Charkow, also im Norden“, sagt Vad. Dies gelinge den Ukrainern durch das „Zusammenziehen von Kräften“.
So erlangten sie eine lokale Überlegenheit und erzielten Durchbrüche - auch mit Hilfe westlicher Waffen. Jedoch bewertet er diese lediglich als „örtliche Gegenstöße“. Die Russen seien nach den Vorstößen in Luhansk und Donezk immer noch dabei, den Donbass einzunehmen. Russland gehe bei der Kriegsführung also immer noch mit einer „Feuerwalze der Artillerie“ vor.

Zum Thema Waffen sagte Vad im Interview: „Die hochmodernen Waffensysteme stehen derzeit nicht auf der Tagesordnung.“ Das habe, laut dem Militärexperten, insofern eine gewisse Berechtigung, da zum einen die Gefahr bestehe, dass die Russen diese Systeme in die Hand bekommen könnten. Zum anderen seien die Systeme ausbildungstechnisch sehr komplex. Waffen allein würden nicht reichen, wenn es keine Ersatzteilversorgung oder eine technische Betreuung gebe.

Leopard 2 allein nützt Ukrainern nur bedingt

Laut Erich Vad würde beispielsweise der Panzer Leopard 2 den Ukrainern nur bedingt nützen: „Man muss auch sehen, dass diese Panzer nur im sogenannten ‘Gefecht der verbundenen Waffen’ zur Geltung kommen – das heißt: im Zusammenwirken mit anderen Elementen, die die Ukrainer so nicht haben“.

Sein Fazit: „Wenn man den Leopard 2 als Hochwertsystem so isoliert dahin schickt, das wird auch wenig fruchten einfach, dass wird den Ukrainern wenig bringen auf Deutsch gesagt.“ Die Aussage des türkischen Präsidenten Erdogans, es stehe Schrott auf dem Gefechtsfeld, ordnet er daher so ein: „Ja, das ist sehr schnell Schrott, wenn sie keine technische Betreuung haben, kein technisches Personal vor Ort haben, wenn die Logistik nicht läuft, die Ersatzteile nicht da sind, dann steht das tatsächlich wie Schrott auf dem Gefechtsfeld.“

Vad zieht daher die Schlussfolgerung: „Ich finde es richtig, dass man, was schwere Waffen anbelangt, eine Grenze bislang hält.“

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