Vierte Corona-Welle überrollt Hessen

Ministerpräsident Volker Bouffier: Impfpflicht ist machbar

23. November 2021 - 20:06 Uhr

Impf-Nachfrage hat deutlich nachgelassen

Nach Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat sich auch Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) offen für eine Corona-Impfpflicht gezeigt. "Ich glaube, dass wir eine Impfpflicht ins Auge fassen müssen", sagte Klose am Dienstag dem Sender hr-Info. Man habe in diesem Jahr darauf gesetzt, dass der Anteil der Menschen, die sich freiwillig impfen lassen, höher sei als die dann tatsächlich erreichten Zahlen. Mit dem auslaufenden Sommer habe die Nachfrage nach Erst- und Zweitimpfungen dann deutlich nachgelassen, so der Minister.

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"Ich halte es für richtig, dass wir uns darüber austauschen"

"Wir haben nach wie vor eine relativ große Gruppe von Menschen, die sich gar nicht impfen lassen können, Kinder nämlich, für die es ja bisher keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Umso mehr Erwachsene müssen sich impfen lassen", fügte Klose hinzu. Die Zahlen, die erforderlich wären, um aus der Pandemie herauszukommen, habe man bisher nicht erreichen können. "Deshalb halte ich es für richtig, dass wir uns darüber austauschen, ob wir nicht eine allgemeine Impfpflicht ins Auge fassen."

Ethikrat muss eingebunden werden

Zur Frage nach einem möglichen Datum dafür wollte sich Klose nicht äußern. "Ich glaube, dass eine solche Entscheidung auch vernünftig vorbereitet sein sollte, dass man das parlamentarisch bespricht, dass man das mit dem Ethikrat auch noch einmal bespricht, denn eine Impfpflicht ist natürlich ein Stück weit ein Eingriff", sagte der Minister. Die Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht gegen das Coronavirus bekommen nun auch Rückendeckung von Rechtswissenschaftlern.

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Bouffier: Impfpflicht wäre Weg aus Corona-"Dauerschleife"

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass auch Bouffier davon ausgeht, man werde eine Impfpflicht womöglich nicht umgehen können, um aus der "Dauerschleife" immer neuer Corona-Wellen herauszukommen. Das hatte ein Regierungssprecher gesagt. Laut Experten brauche es aber mehr, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Bouffier hatte die künftige Bundesregierung außerdem aufgefordert, den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz für eine Impfpflicht in bestimmten Einrichtungen bald umzusetzen.

Sozialpsychologe: Derzeitiger Druck auf Ungeimpfte bewirkt das Gegenteil

Ulrich Wagner, Professor für Sozialpsychologie an der Uni Marburg, unterstützt die Forderung einer Impfpflicht und sieht einen großen Fehler bei der Politik, dass sie zu Pandemiebeginn eine Impfpflicht ausschloss. Die Parteien seinen seiner Meinung nach jedoch nicht in der Lage, diesen Fehler zuzugeben – aus Angst vor der starken Gegenreaktion. Das sei psychologisch gesehen ein ähnlicher Mechanismus wie bei den Impfgegnern.

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Impfgegner seien durch den vergangenen "laschen Druck" in ihrer Abwehrhaltung nur gestärkt worden. "Ein substanzieller Teil der Bevölkerung hat sich in dem Selbstverständnis eingemauert, sich nicht impfen zu lassen", sagt der Marburger Professor. In ihrer "Blase" würde diese Meinung ständig bekräftigt und verstärkt. "Wenn politisch Druck ausgeübt wird, besteht die Gefahr, dass diese Blase noch enger zusammenrückt." Impfgegner kapseln sich weiter ab. Seine Meinung zu ändern und das gegen die Gruppe zu verteidigen, sei sehr schwer. Eine Impfpflicht brächte "ein neues Argument ins Spiel, sowohl für die eigene Überzeugung als auch gegenüber der Gruppe. Der äußere Zwang wäre eine Entschuldigung." (dpa/gmö/fge)

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