Geplante Maßnahmen gegen Sommer-Reise-Chaos

Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler: "Wir werden durchkommen"

30.06.2022, Hamburg: Flugreisende sind im Terminal 1 am Airport Hamburg zu sehen. Mit dem Beginn der Sommerferien in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg erwartet der Flughafen der Hansestadt einen Ansturm von Passagieren Foto: Chri
In Hamburg starten die Ferien- Chaos am Flughafen ist vorprogrammiert.
chc htf, dpa, Christian Charisius

Es ist kein Geheimnis mehr: Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub starten möchte, der muss neben Sonnencreme und Reiselektüre momentan vor allem eines mitbringen – nämlich starke Nerven. Die Probleme sind bekannt: Zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten und im schlimmsten Fall ein verpasster Flieger. Damit soll am Hamburger Flughafen jetzt aber Schluss sein – oder zumindest soll es besser werden, verspricht Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Aber wie soll das gehen?

Hamburger Flughafen verlängert Öffnungszeiten

Flughafen Hamburg
Lange Schlangen werden am Hamburger Flughafen zum Alltag. Foto: Markus Scholz/dpa
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Dem Hamburger Flughafen steht in den nächsten Tagen Großes bevor: Am Freitag ist in Schleswig-Holstein der letzte Schultag vor den Ferien, in Hamburg wird es in einer Woche soweit sein. Mit bis zu 300.000 Passagieren pro Woche rechnet Flughafen Chef Michael Eggenschwiler in den nächsten zwei Wochen. Höchste Zeit also, den sowieso schon an der Belastungsgrenze agierenden Hamburg Airport für die erste große Reisewelle dieses Sommers zu rüsten. Wie das klappen soll, erklärte Eggenschwiler am Donnerstagmittag auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit Michael Schuol, Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Hannover und Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

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Einige der Maßnahmen setzten dabei direkt am Flughafen an: Neben zusätzlichen Gepäck- und Check-in-Automaten, öffnet der Airport seine Türen ab Freitag (1. Juli) 45 Minuten früher als sonst, nämlich schon um 3:15 Uhr. Und auch die Check-in-Schalter und die Sicherheitskontrollen stellen sich auf frühere Vögel ein: Sie öffnen um halb vier Uhr morgens und damit 30 Minuten früher.

Zusätzliches Personal für mehr Passagiere

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Maßnahmenpakets setzt direkt an einem Kernproblem an: Mehr Personal muss her. Dafür werde der Dienstleister Frasec 30 zusätzliche Luftsicherheitsassistenten stellen, kündigte Michael Schuol, Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Hannover an. Diese helfenden Hände befänden sich zwar teilweise noch in der Ausbildung, könnten aber nichtsdestotrotz punktuell in den Kontrollstellen eingesetzt werden. Bleiben sollen sie für den gesamten Sommer.

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Aber auch die Bundespolizei rüstet auf und plant, 15 bis 20 sogenannte „Krisenreaktionskräfte“ einzusetzen. Diese Beamten sollen unterstützen, falls sich beispielsweise an den Sicherheitskontrollen wieder lange Schlangen bilden sollten. Für bestimmte Aufgaben wie die Übernahme der Röntgenkontrolle, seien die Einsatzkräfte zwar nicht ausgebildet, trotzdem könnten sie helfen, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Das neu gebildete Team soll erst einmal täglich für eine Woche im Einsatz sein, erklärte Schuol.

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Hinzu sollen noch weitere Flughafenmitarbeiter kommen. Laut Flughafenchef Eggenschwiler hätten sich einige freiwillig gemeldet, in den herausfordernden Zeiten um die Sommerferien aushelfen zu wollen. Diese Mitarbeiter könnten dann in der „Schlangensteuerung“ unterstützen oder den Passagieren vor der Sicherheitskontrolle noch einmal ins Gedächtnis rufen, wie das mit dem Handgepäck noch einmal funktioniert.

Totales Chaos! Koffer-Lawine überrollt Hamburger Flughafen Und die Ferien haben noch nicht einmal begonnen
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Vizepräsident der Polizeidirektion Hannover, Michael Schuol (l.), Flughafenchef Michael Eggenschwiler (m.) und Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (r.) bei der Pressekonferenz am Donnerstag.
chc htf, dpa, Christian Charisius

Denn genau hier liegt eine weitere Wurzel des Wartezeiten-Übels: Die Passagieren scheinen das Fliegen und die dazugehörigen Regeln in den letzten beiden Corona-Jahren verlernt zu haben – und so bilden sich gerade an den Sicherheitskontrollen immer wieder lange Schlangen, wenn das Handgepäck nicht richtig gepackt wurde. Das kostet dann Zeit – und vor allem auch Nerven. Um diese zu schonen, raten der Flughafenchef und der Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Hannover: Bereits Zuhause kontrollieren, ob auch nur Sachen im Handgepäck gelandet sind, die da auch reingehören und prüfen, ob die gebuchte Airline einen Vorabend- oder Online-Check-in anbietet. Außerdem: Mindestens zwei bis zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen sein und nach dem Check-in sofort zu den Sicherheitskontrollen gehen.

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"Wir haben keine Luft mehr nach oben"

„Wir sind, so gut es geht, vorbereitet“, sagt Flughafenchef Eggenschwiler mit Blick auf den erwarteten Ansturm. Besonders zu den Spitzenreisezeiten morgens von sechs bis sieben Uhr, um die Mittagszeit und von 16 bis 18 Uhr müsse aber mit einem erhöhten Passagieraufkommen gerechnet werden. Und auch Vizepräsident Schuol räumt ein: Das Gelingen der kommenden Wochen hänge von verschiedenen Faktoren ab: „Wir haben keine Luft nach oben mehr, wir bringen alles zum Einsatz, was wir aufbieten können.“ Mögliche Krankheitsfälle und das Verhalten der Reisenden seien jedoch nicht planbar.

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Doch obwohl es also keine Erfolgsgarantie für das neue Konzept des Hamburger Flughafens gibt, zumindest Flughafenchef Eggenschwiler gibt sich vorsichtig optimistisch: „Wir werden durchkommen.“ (xas)