Davidstern-Zoff beim Einchecken

Gil Ofarim äußert sich zum Vorfall im Hotel: "Ich werde nur noch als Lügner dargestellt"

21. Oktober 2021 - 10:25 Uhr

Gil Ofarim im Video: Wieso gehen Sie davon aus, dass jeder weiß, dass Sie eine Davidsternkette tragen?

Es sind harte Tage für Gil Ofarim. Dem Sänger wird unterstellt, im Antisemitismus-Skandal im Leipziger Hotel "Westin" gelogen zu haben. Den Vorwürfen stellt er sich jetzt exklusiv im RTL-Interview. Ist ihm letztendlich seine Bekanntheit zum Verhängnis geworden? Diese Frage beantwortet er im Video.

Ofarim: Das Video ist nicht vollständig

"Ich trage diesen Davidstern immer. Ich habe ihn in keinster Weise vorher ausgezogen", sagt Ofarim. "Wenn man das Überwachungsvideo zeigt, würde ich darum bitten, dass man mir und den Menschen, die jetzt zurecht daran zweifeln, zeigt, wann ich den Davidstern aus irgendeinem Rucksack, einer Hosentasche oder Jackentasche rausgeholt haben soll und mir angezogen habe, um das Video zu machen."

Gil Ofarim sagt, er trage den Davidstern immer, was auch auf Bildern vorheriger Auftritte deutlich zu sehen sei. "Jetzt wird aus mir leider ein Lügner gemacht." Nach eigener Aussage wollte der Musiker mit seinem Video Menschen ermutigen, aktiv gegen jegliche Diskriminierung vorzugehen. Stattdessen wird jetzt darüber diskutiert, ob Ofarim die Wahrheit sagt. "Das ist schlimm und schrecklich. Ich werde in sozialen Medien nur noch als Lügner dargestellt. Aber ich würde noch einmal genau so meinen Mund aufmachen", stellt der Musiker klar. "Ich kann nur inständig hoffen, dass die Menschen nicht Angst haben oder eingeschüchtert sind, wenn sie diskriminiert werden und dass Menschen Zivilcourage zeigen und helfen." Er sei in der Situation aufgewühlt gewesen und das Thema sei heikel, doch er trage seinen Stern immer.

Wie ein Körpersprache-Experte das Video beurteilt, lesen Sie hier.

Fall Gil Ofarim: Das sagt ein Zeuge

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Geht Gil Ofarim davon aus, dass jeder weiß, dass er eine Davidsternkette trägt?

Ofarim bleibt bei seiner Beschreibung des Vorfalls. Zunächst habe jemand von hinten gerufen: "Nimm deinen Stern ab", dann habe der Mitarbeiter an der Rezeption dies wiederholt. Es habe Computerprobleme im Hotel gegeben und er sei offenbar von jemandem in der Schlange hinter ihm erkannt worden, als er sich umgedreht habe, um zu sehen, wie viele Menschen mittlerweile warten würden.

Geht Gil Ofarim davon aus, dass jeder weiß, dass er eine Davidsternkette trägt? "Das tue ich nicht", versichert er. Aber jeder, der sich für ihn interessiere oder ihn im Fernsehn gesehen habe, wüsste das. Auch wenn man ihn googelt, würde man wahrscheinlich zuerst auf seinen Social Media-Profilen landen, wo er seine Kette offen trage.

Ist Gil Ofarim ausgerastet, weil er im Hotel warten musste?

Vorwürfe, er sei ausgerastet, weil er beim Check-In lange habe anstehen müssen, bestreitet Ofarim. "Ich halte mich nicht für etwas Besseres oder wollte schneller drankommen. Es haben sich auf Menschen in der Schlange aufgeregt. Aber ich habe vielleicht den Fehler gemacht, den Mund aufzumachen."

Er habe von allen Seiten positive wie negative Nachrichten bekommen. "Es gibt aber auch viele Jüdinnen und Juden, die jetzt von dem verunsichert sind, was seit 48 Stunden passiert", so Ofarim. "Es tut mir leid, dass jetzt Menschen deshalb beschimpft oder beleidigt werden."

Hotel will der Angelegenheit gründlich nachgehen

Ofarim: Hotel-Mitarbeiter hatte keine andere Wahl, als mich anzuzeigen

Dass der Mitarbeiter des Hotels ihn wegen Verleumdung angezeigt habe, liege vermutlich daran, dass dieser für seine Worte nicht "geradestehen" könne und nun keine andere Wahl habe. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in seiner Position sagt: Ich stehe dazu, dass ich das gesagt habe und bin bereit dazu, das zu wiederholen." Es habe schon öfter Berichte über derartige Vorfälle in dem betreffenden Hotel gegeben. Doch er müsse er sich jetzt rechtfertigen für etwas, das ihm widerfahren sei. "Jetzt spreche ich darüber und andere Menschen bekommen wegen der Konsequenzen, die mir blühen, Angst", sagt Ofarim. "Wir sind als Gesellschaft besser als das. Unsere Gesellschaft ist bunt und nicht nur einfarbig." (mst)