Kette mit Davidstern nicht zu sehen? Überwachungsvideo aus Hotel weckt Zweifel bei Ermittlern

Antisemitismusvorwürfe von Gil Ofarim: "Ich würde es genauso wieder machen"

19. Oktober 2021 - 9:14 Uhr

Ofarim: "Es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht"

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim gegen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels hat sich der Sänger erneut geäußert: "Ich würde es genauso wieder machen", sagte der Sänger jetzt in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung auf die Frage, wie er sich künftig verhalten würde, wenn er antisemitisch beleidigt würde. Bei dem Kommentar zu seinem Davidstern sei es um Antisemitismus im Allgemeinen gegangen.

Ofarim will, dass jeder den Mund aufmacht gegen Diskriminierung

Ofarim erklärte zudem bei Bild: "Ich werde nach wie vor weiter meinen Davidstern tragen. Ob unter dem T-Shirt, auf dem T-Shirt, das ist egal. Ich trage ihn immer und werde ihn weiter tragen", sagte er. Zu dem von ihm geschilderten Vorfall in dem Hotel sagte er: "Ich habe im Vergleich zu vielen anderen Jüdinnen und Juden den Mund aufgemacht und habe etwas gesagt und mich gewehrt." Er fügte hinzu: "Jeder sollte seinen Mund aufmachen."

Ofarim wehrte sich in dem "Bild"-Interview auch gegen Vorwürfe, dass er die den Vorfall nur erfunden habe, um Aufmerksamkeit zu bekommen. "Ich mache so was sicher nicht aus PR-Gründen. Ich mache über solche Themen keine Witze", sagt er. "Ich habe nicht gelogen", versicherte der Musiker.

Polizei wertet Video aus - Ermittlungen nicht abgeschlossen

Derzeit werden Videoaufnahmen von dem Vorfall ausgewertet. "Es sind mehrere Videos von den Überwachungskameras sichergestellt worden", sagte ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen, daher könne man zum Inhalt keine Angaben machen.

Am Wochenende waren nach Berichten von "Bild" der der "Leipziger Volkszeitung" Zweifel an der Darstellung Ofarims laut geworden. Den Blättern zufolge würden die Überwachungsvideos möglicherweise Fragen zum geschilderten Hergang aufwerfen. Demnach soll die Kette mit dem Davidstern auf den Videos nicht deutlich sichtbar gewesen sein.

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Für Ofarim geht es nicht um die Kette, sondern um Antisemitismus

Ofarim hatte hierzu den Berichten zufolge gesagt: "Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heißt, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt." Es gehe nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen gewesen sei oder nicht. "Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin." Er könne verstehen, dass es nach den Videobeweisen so aussehen würde, als hätte er den Stern nicht getragen. "Was nicht stimmt. Ich habe ihn immer angehabt."

"Was genau in dem Video zu sehen ist, ist Bestandteil der laufenden Ermittlungen", so eine Polizeisprecherin. Der Sänger hatte Anfang Oktober in einem Video geschildert, dass ihn ein Mitarbeiter von "The Westin Leipzig" aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor – auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter wegen Verleumdung. Er schildert die Vorkommnisse anders als der Künstler. (dpa/uvo/jgr)