Manchmal kostet es Bianka Pommerenke schon ein wenig Überwindung, den Rechner hochzufahren. Denn der Beginn ihrer Arbeit startet nicht selten mit einem Blick auf Video- oder Fotomaterial, das sich kaum jemand freiwillig anschauen würde.
„Meine Bürorecherchen sind, dass ich Hinweise zu einem Fall kriege. Also ich gucke auch für jeden Sachverhalt einmal Was habe ich da eigentlich gerade? Also ich sage mal, habe ich da einen sehr, sehr schweren Missbrauch, also wirklich eine Penetration von einem Kind.” Die Kriminalhauptkommissarin ermittelt im Bereich Kinderpornographie.
„Also wir haben ja erst mal einen Lehrgang dafür, das muss man sagen. Wie gehe ich überhaupt an so eine Anhörung heran, dass wir ein Schema im Kopf haben. Was brauche ich, wie wird das Ganze auch fürs Gericht tatsächlich, also um das Strafverfahren zu sichern, ordentlich gemacht. Und dann muss man sich da ganz doll von abgrenzen. Also ich darf jetzt nicht bei jeder Erzählung, die das Kind mir sagt, da innerlich mitfühlen oder gar mitweinen.“
Seit sechs Jahren arbeitet Bianka Pommerenke hier in Bielefeld. 50 Prozent ihrer Tätigkeit finden im Büro statt, die anderen 50 Prozent spielen sich draußen ab. Razzien, Festnahmen, Vernehmungen von Tätern.
„Also auch da versuche ich das sehr, sehr professionell zu sehen. Weil je wertschätzender ich mit der Person umgehe, desto einfacher ist natürlich auch der Umgang mit mir und der Person. Weil wir haben ja auch manchmal eine Zeit lang mit dem Täter zu tun, also sei es bei einer Durchsuchung, dass ich da jetzt auch während der Hausdurchsuchung mit demjenigen über eine längere Zeit auch Zeit verbringe und mit dem spreche."
Ungefährlich ist das nicht, deswegen ist die 41-Jährige auch immer im Team unterwegs. Die Menschen, die sie überführen muss, sind kaum zu kategorisieren.
„Es ist jede Altersstufe dabe. Es ist jede Berufsgruppe dabei. Ein Quwerschnitt der Gesellschaft.” – „Kommt es auch vor, dass Ihnen mal kleine Kinder die Tür öffnen und ihren Papa holen?" – „Genau. Wir treffen auch auf jeden Fall auf Kinder von Tätern und auch auf Ehefrauen. Und ja, das passiert tatsächlich auch relativ häufig.”
Der Blick in menschliche Abgründe – er gehört zum Berufsalltag. Deswegen ist der Austausch mit Kollegen wichtig.
„So tiefe Einblicke kriegt ja niemand aus meinem privaten Umfeld. Und dann ist das auch ganz gut, wenn man das mit dem Kollegen oder der Kollegin besprechen kann. Und wenn man dann aber auch das dann auch hier lassen kann und ich das nicht mit nach Hause nehme."
Was sie täglich motiviert, ist das Gefühl, zu helfen. Täter zu stellen und andere Kinder zu schützen, sagt sie.
„Das ist sehr herausfordernd. Und ja, man macht das natürlich auch, weil man vielleicht irgendwann die Hoffnung hat, dass man einen Teil dazu beitragen kann, dass auf der einen Seite Kinder geschützt werden, aber wir vielleicht auch auch irgendwann schaffen, diesen Kinderpornomarkt im Internet auszutrocknen. Ich weiß, das ist jetzt eine sehr utopische Vorstellung, die ich da habe, aber daran will ich unbedingt festhalten, weil mir das wichtig ist.“
Dennoch: Die Tage, an denen Bianka Pommerenke ihren PC manchmal mit einem mulmigen Gefühl startet, bleiben.