Finnische Forscher kommen zu überraschendem Ergebnis

Diese Ernährungsform ist die beste fürs Klima - und die vegane ist es nicht!

Finnische Forscher haben untersucht, mit welcher Ernährungsweise wir Umwelt und Klima am besten schützen können.
Finnische Forscher haben untersucht, mit welcher Ernährungsweise wir Umwelt und Klima am besten schützen können.
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06. Mai 2022 - 16:05 Uhr

von Nora Rieder

Immer mehr Menschen ernähren sich vegan, weil sie durch den Verzicht auf tierische Produkte das Klima schonen und einen Beitrag zum Tierwohl leisten wollen. Finnische Forscher haben nun jedoch herausgefunden, dass wir nicht auf Fleisch verzichten müssen, um nachhaltig zu leben. Viel besser ist die ökologisch optimierte Kost, mit der wir den Ausstoß von Treibhausgasen um bis zu 80 Prozent reduzieren könnten.

So beeinflusst das, was wir essen, das Klima

Es gibt kaum ein Thema, über das so viel diskutiert wird wie übers Essen: Unsere Ernährung hat nicht nur maßgeblichen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Gewicht. Wie wir uns ernähren, beeinflusst auch den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 und den Wasserverbrauch. Vor allem der hohe Fleischkonsum steht immer wieder in der Kritik, da die Fleischproduktion erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat.

Denn Fakt ist: Vor allem durch die Rinderhaltung wird viel Methan freigesetzt, das unmittelbar zur Klimaerwärmung beiträgt. Zum anderen trägt der hohe Bedarf an Futtermitteln wie Soja dazu bei, dass für die benötigten Anbauflächen mehr und mehr Urwälder gerodet werden. Und je weniger Wälder als Klimapuffer vorhanden sind, umso schneller schreitet die Erderwärmung voran. Zudem werden für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch rund 15.000 Liter Wasser benötigt.

Immer mehr Menschen entscheiden sich daher bewusst gegen den Konsum von Fleisch. So hat die Zahl der Vegetarier und Veganer in den letzten Jahren stetig zugenommen. Viele verzichten vor allem deshalb auf tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig, um damit einen Beitrag zum Tier- und Klimaschutz zu leisten.

Doch müssen wir wirklich komplett auf tierische Lebensmittel verzichten, um der Erderwärmung vorzubeugen? Und welche Ernährungsform ist tatsächlich am nachhaltigsten? Das haben finnische Forscher der University of Helsinki im Rahmen einer Studie untersucht.

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Forscher untersuchen, wie sich ökologisch optimierte Ernährungsformen auf die Umwelt auswirken

Im Rahmen der Studie haben die Wissenschaftler der University of Helsinki untersucht, wie sich drei ökologisch optimierte Ernährungsformen auf die Umwelt auswirken. Und zwar im Vergleich zur derzeitigen durchschnittlichen Ernährung von Menschen in Europa.

Optimiert bedeutet in dem Fall, dass die Ernährung jeweils so zusammengestellt wurde, dass die Belastung der Umwelt (wie Wasserverbrauch oder CO2-Emmission) bestmöglich reduziert wird, gleichzeitig aber die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen gewährleistet ist. So durften beispielsweise Fleischesser in der Untersuchung weiterhin Fleisch essen, jedoch weniger als der Durchschnitt der europäischen Bevölkerung. Dann verglich das Team die Werte mit denen einer durchschnittlichen Ernährung von Menschen in Europa.Dabei orientierten sich die Forscher an den Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Untersucht wurden die Umweltfolgen einer optimierten Ernährung, die tierische Produkte enthält ("omnivore Ernährung"), einer optimierten veganen Ernährung sowie einer Ernährung, die auf neuartigen Lebensmitteln (Novel/Future Food oder NFF) basiert. Unter neuartigen Lebensmitteln (NFF) versteht man dabei Fleisch, Eier und Milch aus dem Labor, aber auch Lebensmittel auf Basis von Mikroalgen oder Insekten wie Heuschrecken und Mehlwürmern.

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Welche Ernährungsform ist die beste für unser Klima?

Das Ergebnis haben die Wissenschaftler nun im Fachmagazin "Nature Food" veröffentlicht: Durch eine ökologisch optimierte Ernährung anstelle der konventionellen tierbasierten Ernährung ließen sich der Ausstoß von Treibhausgasen, aber auch der Wasserverbrauch und die Flächennutzung jeweils um mehr als 80 Prozent senken. Und zwar sowohl durch eine optimierte vegane Ernährung, als auch durch eine optimierte omnivore Ernährung, bei der also der Verzehr von Fleisch in Maßen erlaubt ist.

Dabei mache allein die Senkung des Fleischkonsums oder gar der komplette Verzicht auf rund 60 Prozent der positiven Bilanz der ökologisch optimierten Ernährungsformen aus, so das Team um Rachel Mazac.

Eine Ernährung auf Basis sogenannter neuartiger Lebensmittel (NFF) senkte der Verbrauch jedoch noch einmal deutlich stärker – nämlich um bis zu 87 Prozent. Diese Kost schone nicht nur das Klima und die Umwelt, sondern sei auch ernährungsphysiologisch sinnvoll, schreiben die Forscher. "Im Vergleich zu derzeit erhältlichen pflanzenbasierten proteinreichen Optionen wie Hülsenfrüchten und Getreide können NFFs ein vollständigeres Spektrum an essenziellen Nährstoffen enthalten wie Eiweiß, Kalzium, Vitamin B12 und mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren."

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Weniger ist mehr - vor allem bei Fleisch und Wurst

Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Menschen in Europa künftig wirklich einen Großteil ihrer Nährstoffe aus Insektenmehl, Algen oder Fleisch aus dem Labor decken möchten und werden. Vor dem Hintergrund der kulturübergreifenden Bedeutung tierbasierter Lebensmittel sei es möglicherweise schwierig, die Ernährung auf breiter Basis umzustellen, gibt auch das finnische Forscherteam zu bedenken. Dennoch ermöglicht die Studie einen guten Ausblick darauf, was mit einer nachhaltigeren Ernährung machbar wäre.

Und die Studie macht auch deutlich, dass schon kleine Schritte einen großen Unterschied machen können: Wer beispielsweise auf ein oder zwei Portionen Fleisch pro Woche verzichtet oder aber mittags seinen Teller zur Hälfte mit Gemüse und nur je einem Viertel mit Fleisch und Beilagen füllt, kann schon einen großen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Wer sich an die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Menge von 300-600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche hält, tut darüber hinaus auch seiner Gesundheit etwas Gutes.

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