"Drive-Impf" in Pforzheim

Mann fährt 200 Kilometer für Corona-Impfung vorm Supermarkt - Seinem Opa zuliebe

05. Mai 2021 - 19:40 Uhr

In Pforzheim (Baden-Württemberg) wird auf einem Supermarkt-Parkplatz geimpft

Schnell noch zum Supermarkt flitzen, ne Kiste Bier kaufen und sich auf dem Parkplatz eine Corona-Impfung abholen. Kein Witz, in Pforzheim ist das möglich. Eine Hausärztin war so stinksauer darüber, dass sich in ihrer Praxis kaum jemand mit AstraZeneca impfen lassen wollte, dass sie kurzerhand eine Impfaktion startete. Vor einem Edeka-Markt trommelte Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth ihre Mitarbeiter zusammen und injizierte Hunderten den wichtigen Piks. Ein 25-Jähriger fuhr sogar 200 Kilometer, um sich eine Impfung abzuholen. Wieso er den langen Weg auf sich nahm, erzählt er im Video.

Nur zwei Menschen ließen sich in der Praxis impfen

Hausärztin Hausärztin Nicola Buhlinger-Göpfarth.
Hausärztin Hausärztin Nicola Buhlinger-Göpfarth.

Buhlinger-Göpfarth war sehr erstaunt und ziemlich sauer, dass das Impfangebot in ihrer Praxis auf unglaublich wenig Interesse stieß. Ganze zwei Patienten wollten sich von ihr impfen lassen. Sie haben sich nicht verlesen, es waren wirklich nur ZWEI! "Wir hatten letzte Woche 250 Dosen AstraZeneca in unsere Hausarztpraxis geliefert bekommen. Meine Helferinnen haben 50 Patienteninnen von unserer Priorisierungsgruppe angerufen." Mit bekanntem Ergebnis. "Und dann war ich einfach entsetzt."

Schnell wich ihr Entsetzen der Entschlossenheit, den Impfstoff nicht verfallen zu lassen. Kurzentschlossen organisiert die Medizinerin die Impfaktion vor dem Supermarkt, es soll schnell, ohne Termin und unbürokratisch funktionieren. "Bevor wir den Impfstoff wegschmeißen, werden wir ihn definitiv verimpfen, denn wir wollen ja alle raus aus der Pandemie", sagt sie.

700 Impfdosen für Pforzheim

Das Angebot richtet sich vor allem an Impfberechtigte der Priorisierungsgruppe 1-3. Sollte am Ende Impfstoff übrig bleiben, kann der auch an junge und gesunde Menschen vergeben werden. Viele Menschen finden das klasse, erzählen sie unseren Reportern.

Unkompliziertes Impfen vor dem Supermarkt gibt es in den USA und Russland schon seit einiger Zeit bereits und wird dort gut angenommen. In Israel kann man sich sogar in Kneipen und auf Partys impfen lassen. Auch in Deutschland würden sich viele Menschen sicherlich freuen, wenn es mehr unkomplizierte Angebote wie jenes in Pforzheim gäbe. Dort können heute 700 Spritzen verteilt werden, da sich der Aktion von Nicola Buhlinger-Göpfarth zwei Kolleginnen angeschlossen haben.

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