Impfstoff erst ab zwölf Jahren zugelassen

9-Jährige kriegt aus Versehen Corona-Impfung – Kinderarzt schätzt Folgen ein

Dr. Jakob Maske glaubt nicht, dass die Corona-Impfung gesundheitliche Folgen für Emma (9) hat.
Dr. Jakob Maske glaubt nicht, dass die Corona-Impfung gesundheitliche Folgen für Emma (9) hat.
© RTL

10. Juni 2021 - 22:47 Uhr

Bobingen: Arzt spritzte Mädchen (9) ohne Erlaubnis Corona-Impfstoff

Auch wenn es sich um ein Versehen handelte – für die Eltern der neunjährigen Emma war es ein Albtraum: Ohne ihre Einwilligung hat ein Arzt ihre Tochter am Samstag gegen Corona geimpft. Das erzählte der Vater des Mädchens dem Radiosender Hitradio RT1. Weil der Impfstoff in Deutschland erst für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen ist, kam Emma nach dem Vorfall in Bobingen (Bayern) ins Krankenhaus. Kinderarzt Dr. Jakob Maske glaubt aber nicht, dass die Impfung gesundheitliche Folgen für das Kind hat.

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Kinderarzt sieht keine Gefahr für 9-Jährige

"Da wird wahrscheinlich gar nichts passieren", sagt der Mediziner im RTL-Interview. "Außer den üblichen Reaktionen auf eine Impfung – das Immunsystem reagiert natürlich, wenn man es herausfordert." Allgemeine Symptome seien Schmerzen im Arm, Fieber, geschwollene Lymphknoten und Abgeschlagenheit.

Biontech-Impfstoff für Unter-12-Jährige nicht freigegeben

Corona-Impfung
Der Biontech-Impfstoff ist bislang nur für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.
© dpa, Sven Hoppe, shp exa fdt jai fra fd

Den Corona-Impfstoff von Biontech, der dem Mädchen gespritzt wurde, hält Maske für sicher. Er werde für Kinder unter zwölf Jahren nur deshalb noch nicht empfohlen, "weil noch zu wenig Daten für diese Altersgruppe vorliegen". Die Freigabe der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) an zwölf basiere auf einer Untersuchung mit 1.100 geimpften Kindern, erklärt der Kinderarzt. "So viele geimpfte Kinder unter zwölf gibt es noch gar nicht. Insofern gibt es dafür noch keine Zulassung, weil die Datenlage noch fehlt."

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Arzt scherzte im Impfzentrum Bobingen mit dem Mädchen

Emma hatte ihren Vater am Samstag zu seiner Corona-Impfung in das Impfzentrum nahe Augsburg begleitet. Dort soll der Arzt Späße mit der Neunjährigen völlig falsch interpretiert und ihr plötzlich eine Spritze mit dem Biontech-Impfstoff verabreicht haben.

"Wir haben wirklich gedacht, das ist ein Joke, auch die Arzthelferin", sagt Emmas Vater zu Hitradio RT1. "Schiebt die rein und spritzt ihr den Impfstoff Biontech. Ich war wie gelähmt, wusste gar nicht, was ich sagen sollte", erinnert er sich.

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"Leute überarbeitet": Emmas Vater macht Impfarzt keinen Vorwurf

Dem Impfarzt macht Emmas Vater aber keinen Vorwurf. Die Situation im Impfzentrum schildert er so: "Da ging es wirklich im Akkord: rein, raus, rein raus, rein, raus. Das kommt eindeutig daher, weil die Leute überarbeitet sind." Der Arzt habe nach seinem Fehler "ganz schön gelitten" und sich sofort um das Mädchen gekümmert. "Er hat Emma gestreichelt und ist gleich vor ihr auf die Knie gegangen. Hat bitterlich geweint und sich tausendmal entschuldigt", erzählt der Vater der Neunjährigen dem Radiosender.

Dennoch wurde der Arzt wegen seines Fehlers entlassen und muss zudem mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Emma geht es glücklicherweise wieder gut. Sie sei wieder "topfit", berichtet ihr Vater. (bst)

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