Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson

Die Top-Corona-Impfstoffe im Vergleich

16. April 2021 - 10:57 Uhr

Im Video: Wie wirken die mRNA- und Vektor-Vakzine im Körper?

Nach Monaten des Wartens auf einen Impfstoff, der das Blatt im Kampf mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 wenden kann, zeichnete sich im November endlich der langersehnte Hoffnungsschimmer ab – und zwar gleich in mehrfacher Ausführung! Nachdem zunächst die Vakzine von Biontech und Moderna zugelassen wurden, hat die Europäische Kommission Ende Januar auch grünes Licht für den schwedisch-britischen Wirkstoff von AstraZeneca gegeben. Seit Mitte März ist noch ein vierter Impfstoff dazu gekommen – mit einer Besonderheit: denn der Wirkstoff von Johnson & Johnson braucht als einziger nur eine Dosis. Was die Impfstoffe können und wo die Unterschiede sind – eine Übersicht.

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Biontech/Pfizer

Impfstoff: BNT162b2

Art des Impfstoffs: mRNA-Impfstoff ("m" steht für messenger (Bote), "RNA" für Ribonucleic acid (deutsch: Ribonukleinsäure). Die mRNA ist die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers und gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.)

Wirksamkeit: 95 Prozent. Unklar ist noch, wie lange der Impfschutz anhält und ob der Geimpfte das Virus noch weitergeben kann. Studien aus Israel und Großbritannien legen jedoch nahe, dass vor allem der Wirkstoff von Biontech Ansteckungen deutlich vermindert. Wie eine Studie aus Israel zeigte, soll das Vakzin allerdings weniger gut gegen die sogenannte südafrikanische Variante wirken.

Wie oft wird geimpft? Zwei Impfdosen im Abstand von etwa drei Wochen.

Wer wird geimpft? Der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist für Menschen ab 16 Jahren vorgesehen. In den USA hat Biontech nun die Notfallzulassung ihres Vakzins für Kinder ab zwölf Jahren beantragt.

Nebenwirkungen: Bisher keine schweren Nebenwirkungen festgestellt. Impfreaktionen können sein: Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schüttelfrost, Gelenkschmerzen, Frösteln sowie Fieber und Schwellungen an der Injektionsstelle.

Kosten pro Dosis: etwa 12 Euro

Kühlung: Muss bei minus 70 Grad versendet und gelagert werden. Nach jüngsten Informationen der Unternehmen bleibt er jedoch zwei Wochen lang auch bei minus 25 bis minus 15 Grad Celsius stabil.

Wirkung bei Risikogruppen: Funktioniert über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut. Wirksamkeit bei Über-65-Jährigen bei 94 Prozent.

Kapazität: Deutschland soll mindestens 64,1 Millionen Dosen über die EU bekommen. Zusätzlich gibt es eine gesicherte Option auf weitere 30 Millionen Dosen.

Stand der Zulassung: In der EU zugelassen.

Fazit: Sehr hohe Wirksamkeit. Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Pfizer betonte jedoch, dass das Unternehmen große Erfahrungen darin habe, Impfstoffe gekühlt zu lagern und zu transportieren und bereits über eine entsprechende weltweite Infrastruktur verfüge. Offen bleiben Fragen zum Schutz vor schweren Verläufen und zur Fähigkeit, die Übertragung des Erregers zu stoppen.

Moderna

Impfstoff: mRNA-1273

Art des Impfstoffs: mRNA-Impfstoff

Wirksamkeit: Nachdem zunächst von einer Wirksamkeit von 94 Prozent gesprochen wurde, stufte das Unternehmen die Wirksamkeit zuletzt leicht herab. Neuen Studien zufolge schütze der Impfstoff zu 90 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung und zu 95 Prozent vor einem schweren Verlauf.

Wie oft wird geimpft? Zwei Impfdosen im Abstand von etwa vier Wochen.

Wer wird geimpft? Der Impfstoff von Moderna ist ab 18 Jahren gedacht, obwohl das Unternehmen kürzlich damit begonnen hat, seinen Impfstoff bei 12- bis 17-Jährigen zu testen.

Nebenwirkungen: Mild. Bisher keine schweren Nebenwirkungen festgestellt. Impfreaktionen können sein: Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Frösteln, Übelkeit/Erbrechen, Schwellungen/Empfindlichkeit im Achselbereich, Fieber sowie Schwellungen/Rötungen an der Injektionsstelle.

Kosten pro Dosis: rund 18 US-Dollar bzw. 15 Euro

Kühlung: Ist bei normalen Kühlschranktemperaturen 30 Tage lang stabil. Kann bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden.

Kapazität: Die EU soll 160 Millionen Dosen von Moderna erhalten, Deutschland bekommt 50,5 Millionen Dosen.

Stand der Zulassung: In der EU zugelassen.

Fazit: Sehr hohe Wirksamkeit. Moderna kann zudem mit Logistikvorteilen bei seinem Impfstoff punkten, da dieser keine so kühle Lagerung wie das Biontech-Vakzin benötigt.

AstraZeneca

Impfstoff: AZD1222 bzw. ChAdOx1

Art des Impfstoffs: Vektorimpfstoff (Der Wirkstoff beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Er enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Auch hier bilden die Zellen mit Hilfe der Bauanleitung das Protein und der Körper entwickelt eine Immunantwort dagegen.)

Wirksamkeit: Das Mittel wies in ersten Studien 14 Tage nach der zweiten Dosis eine Wirksamkeit von etwa 70 Prozent auf. Laut neuen Daten schützt das Vakzin zu 76 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung. Bei über 65-Jährigen betrage dieser Wert 85 Prozent. Die Wirksamkeit über alle Altersgruppen hinweg in Bezug auf schwere Krankheitsverläufe soll sogar bei 100 Prozent liegen.

Wie oft wird geimpft? Zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Wegen der höheren Wirksamkeit bei einer verzögerten zweiten Gabe rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), damit bis zu zwölf Wochen zu warten.

Wer wird geimpft? Grundsätzlich ist der Impfstoff für Menschen ab 18 Jahren vorgesehen. Nach mehreren Thrombose-Fällen haben Bund und Länder beschlossen, AstraZeneca nur noch Menschen über 60 Jahren zu verabreichen. Wer unter 60 ist und bereits eine Erstimpfung mit dem Vakzin erhalten hat, soll bei der zweiten Dosis Biontech oder Moderna bekommen. Trotz der seltenen Fälle von Hirnvenenthrombosen gibt die EMA bisher uneingeschränkt grünes Licht für den Wirkstoff. Die Vorteile des Schutzes vor Covid-19 seien höher zu bewerten als die möglichen Risiken. Geplant ist nun einer Risiko-Analyse zum AstraZeneca-Impfstoff seitens der EMA.

Nebenwirkungen: Dem RKI zufolge waren bislang Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost die nach den Impfungen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Im Allgemeinen waren sie aber schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab. Wie die EMA unter Verweis auf mehrere Fälle (41 von 5 Millionen) in Großbritannien mitteilte, könne der AstraZeneca-Impfstoff schwere allergische Reaktionen auslösen. Anaphylaxie sowie Überempfindlichkeitsreaktionen sollten darum laut EMA in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Vakzins aufgenommen werden. Zudem traten mehrere Fälle von seltenen Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit AstraZeneca auf.

Kosten pro Dosis: 1,78 Euro

Kühlung: Kann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und über Monate aufbewahrt werden.

Wirkung bei Risikogruppen: Weil es zu Beginn wenige Daten über die Wirksamkeit bei Älteren gab, empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) den AstraZeneca-Impfstoff zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren. Mittlerweile zeigten Daten aus Schottland und England unter anderem, dass schon die erste Impfdosis mit dem AstraZeneca-Wirkstoff das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes um 94 Prozent reduzieren kann. Die STIKO hat die Altersbeschränkung ihrer Impfempfehlung mittlerweile angepasst.

Kapazität: Deutschland soll 56,3 Millionen Dosen über die EU bekommen.

Stand der Zulassung: In der EU zugelassen.

Fazit: Schutzwirkung insgesamt ein wenig geringer als bei den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. AZD1222 hat jedoch einen großen Vorteil: Er ist robust gegen Temperaturen und einfach in der Handhabung – so kann er auch in Ländern mit weniger Ressourcen für aufwendige Kühlketten eingesetzt werden. Zudem ist der Impfstoff deutlich günstiger als die mRNA-Impfstoffe.

Johnson & Johnson

Impfstoff: Ad26.COV2.S

Art des Impfstoffs: Vektorimpfstoff (Vektorimpfstoffe brauchen als Grundlage ein Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Bei Johnson & Johnson ist es ein unschädlich gemachtes menschliches Schnupfenvirus. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Körperzellen des Geimpften bilden mit Hilfe der Bauanleitung das Protein, der Körper entwickelt eine Immunantwort.)

Wirksamkeit: Der Impfstoff von Johnson & Johnson bietet laut US-Arzneimittelbehörde (FDA) einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Verläufen - gemessen 28 Tage nach Verabreichung. Vor schweren bis lebensbedrohlichen Erkrankungen ist der Geimpfte laut FDA nach dem gleichen Zeitraum mit 85 Prozent geschützt.

Wie oft wird geimpft? Es ist nur eine Impfdosis notwendig. Wieso der Wirkstoff trotzdem schützt, erklären wir hier.

Wer wird geimpft? Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt den Impfstoff für Personen ab 18 Jahren.

Nebenwirkungen: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Fieber sowie Schüttelfrost sind bislang die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Weil auch bei dem Vakzin von Johnson & Johnson vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln nach einer Impfung aufgetreten sind, teilte die EMA mit, Zusammenhänge nun genau zu prüfen.

Kosten pro Dosis: etwa 8,50 US-Dollar bzw. 7 Euro

Kühlung: Kann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und über Monate aufbewahrt werden.

Wirkung bei Risikogruppen: Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen mit Krankenhausaufenthalt liegt bei 85 Prozent – auch bei älteren Menschen.

Kapazität: Deutschland soll 36,7 Millionen Dosen über die EU bekommen.

Stand der Zulassung: In der EU zugelassen.

Fazit: Auch bei Johnson & Johnson ist die Schutzwirkung insgesamt ein wenig geringer als bei den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Durch die Einmalgabe, die problemlose Lagerung und den geringeren Preis hat er jedoch entscheidende Vorteile.

Wieso können Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung auftreten?

Nach jeder Impfung – und so auch bei der Corona-Impfung – kann es kurzfristig zu Nebenwirkungen kommen. Das ist aber an sich nichts Schlimmes, sondern erwartbar und ein Zeichen, dass der Körper auf die Impfung anspringt, wie der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt. "Die Symptome sind Ausdruck der Immunantwort, die zeigt, dass im Körper tatsächlich etwas nach der Impfung passiert."

Aus Studien sei bekannt, dass etwa die Hälfte der geimpften Personen nach solchen Impfungen milde Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen als Nebenwirkung angaben. Bis zu 70 Prozent fühlten sich nach einer Impfung müde.

Neben den lokalen könnten diese systemischen Auswirkungen durchaus auch dazu führen, dass man vorübergehend wegen der benannten Symptome nicht arbeiten könnte, erklärte der Wissenschaftler. So beispielsweise in einer Klinik im niedersächsischen Emden, wo sich 30 Mitarbeiter nach der Corona-Impfung krankmeldeten. Hinzu komme, dass gerade bei jüngeren Menschen Impfreaktionen deutlicher ausfielen, da sie - im Gegensatz zu älteren Menschen - über das aktivere Immunsystem verfügten.

Wer wird wann in Deutschland geimpft?

Das Bundesgesundheitsministerium geht nach jetzigem Kenntnisstand und wenn noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, davon aus, dass bis zum Ende des Sommers jedem in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden kann.

Wer wann geimpft wird, richtet sich unter anderem nach dem Alter, Vorerkrankungen, Berufsgruppen – und verfügbaren Impfstoffen. Nach und nach werden die jeweiligen Priorisierungsgruppen geimpft. In welcher Gruppe Sie sich befinden und wann Sie dementsprechend an der Reihe sind, lesen Sie hier.

Warum ist der Impfstoff zu Anfang knapp?

Der Impfstoff ist überall auf der Welt zu Anfang knapp. Grund dafür sind die hohe Nachfrage und die begrenzten Produktionskapazitäten, nicht die Gesamtbestellmenge. Darum war und ist es nötig, zu Beginn zu priorisieren und zunächst vor allem die vulnerablen Gruppen wie zum Beispiel Bewohner von Pflegeheimen vorrangig zu impfen. Die Impfungen dort haben am 27.12.2020 begonnen.

Quelle: bundesgesundheitsministerum.de/dpa

TVNOW-Doku: "Das Impfdilemma und seine Folgen"

Die Bevölkerung sehnt sich nach dem Impfstoff, der die Corona-Pandemie endlich beenden soll. Doch nur wenige Wochen nach der ersten Zulassung ist klar: So schnell geht es nicht voran. Chaos bei der Verteilung, stockende Lieferungen - was das für Deutschland bedeutet, sehen Sie in der neuen Dokumentation "Das Impfdilemma und seine Folgen" - ab sofort auf TVNOW!

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