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AstraZeneca-Impfungen gestoppt

Was passiert bei einer Thrombose?

01. April 2021 - 11:35 Uhr

Mehrere Fälle von Sinusvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfung

Dänemark, Norwegen, Deutschland, Frankreich und Italien – ein Land nach dem anderen stoppt die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Der Grund: Nach der Impfung wurden mehrere Fälle einer speziellen Form von Thrombosen (Blutgerinnseln) im Hirn gemeldet. Um welche Form der Thrombose es sich handelt, was im Körper passiert und warum Thrombosen so gefährlich werden können, erklärt Dr. Specht im Video.

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Statistisch nur sehr wenige Menschen betroffen

Millionen Menschen wurden in Deutschland bereits mit AstraZeneca geimpft. Bei einigen wenigen von ihnen wurde anschließend ein schweres Blutgerinnsel festgestellt, einige verstarben, wie Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), erklärte. Auch wenn die Zahl der Betroffenen im Verhältnis auf den ersten Blick nicht allzu hoch klingt, erhoffte sich die Bundesregierung mit der Vorsichtsmaßnahme des Impfstopps, Vertrauen bei den Bürgern zu schaffen, indem einer möglichen gefährlichen Nebenwirkung direkt nachgegangen wird.

"Das ist eine sehr unglückliche Situation, aber wenn so ein Verdacht im Raum steht, dann muss dem nachgegangen werden, und so lange muss die Impfung angehalten werden", bewertet Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie der Universität Marburg, den Impfstopp Mitte März.

+++ In den Sozialen Medien wird ein Vergleich des Thrombose-Risikos durch die Antibabypille und als eventuelle Nebenwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs tausendfach geteilt. Wir haben Dr. Christoph Specht gefragt, ob dieser Vergleich überhaupt realistisch ist +++

Was ist eine Thrombose?

Als Thrombose bezeichnet man ein fest sitzendes Blutgerinnsel, das sich innerhalb eines Gefäßes gebildet hat und droht, dieses zu verschließen oder bereits verschlossen hat. Am häufigsten entstehen Thrombosen in den tiefen Beinvenen. Arterielle Thrombosen sind deutlich seltener und können zum Beispiel zu einem Herzinfarkt führen. Das Gefährliche: In der Anfangsphase ist eine Thrombose für den Patienten kaum spürbar.

Bleibt ein Blutgerinnsel unerkannt und kann der Körper dieses nicht wieder selbst auflösen, kann es sich von der Gefäßwand lösen und zum Beispiel über den Blutkreislauf zur Lunge wandern. Die mögliche Folge: eine Lungenembolie.

Wie kann es zu einer Thrombose kommen?

Es gibt mehrere Ursachen, die zu einer Thrombose führen können. So kann eine veränderte Blutzusammensetzung durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder der Antibabypille zu einem unbemerkten Gerinnsel führen. Auch Rauchen in Kombination mit der Antibabypille erhöht das Risiko für eine Thrombose stark – wie unsere Redakteurin am eigenen Leib erfahren hat.

Eine weitere Ursache ist eine verzögerte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes. So treten Thrombosen häufig bei Menschen auf, die in Folge einer Operation lange Zeit liegen müssen. Auch durch langes Sitzen mit angewinkelten Beinen, wie im Flugzeug oder am Schreibtisch, erleiden Menschen eine Thrombose.

Eine dritte Ursache können Schäden innerhalb der Gefäßwand selbst sein. So kann beispielsweise nach einer Entzündung, einem Unfall oder einer Operation die Vene innerlich so verletzt sein, dass sich daran eine Thrombose entwickelt. Auch Rauchen stellt ein Risiko dar.

Auffällige Häufung von Sinusvenenthrombosen nach Impfung

Nach AstraZeneca-Impfungen kam es nach PEI-Angaben nun zu einer auffällige Häufung sogenannter Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen.

Sinusvenenthrombosen sind zwar selten, werden aber regelmäßig diagnostiziert. Sie treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, wie Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), erklärt. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen - etwa bei Einnahme der Antibabypille - gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Zum Zusammenhang mit der ebenfalls genannten Thrombozytopenie erklärte Berlit: "Wenn ein Blutplättchenmangel auftritt, führt das eher zu Blutungen. Allerdings kann eine deutlich erhöhte Thromboseneigung zu einem erhöhten Blutplättchenverbrauch führen."

Was ist eine Sinusvenenthrombose?

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Sie ist für rund ein Prozent der Schlaganfälle verantwortlich. Frauen sind laut dem Medizinportal "DocCheck" dreimal häufiger betroffen. Eine Sinusvenenthrombose kann in jedem Lebensalter auftreten. Zentrales Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankte etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen.

Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

Bereits mit AstraZeneca geimpft? Das sollten Sie beachten

Mit dem AstraZeneca-Präparat Geimpfte haben laut PEI-Institutspräsident Klaus Cichutek nichts mehr zu befürchten, wenn ihre Impfung 16 Tage zurückliegt. Davor sollten sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn sie über die ersten vier Tage nach der Impfung hinaus starke anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hauteinblutungen hätten, riet Cichutek.

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