Mehrere Fälle nach AstraZeneca-Impfung

Was passiert bei einer Thrombose?

29. April 2021 - 13:22 Uhr

Mehrere Fälle von Sinusvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfung

Dänemark, Norwegen, Deutschland, Frankreich und Italien – ein Land nach dem anderen hat Mitte März die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca gestoppt. Der Grund: Nach der Impfung wurden mehrere Fälle einer speziellen Form von Thrombose (Blutgerinnsel) im Hirn gemeldet. Um welche Form der Thrombose es sich handelt, was im Körper passiert und warum Thrombosen so gefährlich werden können, erklärt Dr. Specht im Video.

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Was ist eine Thrombose?

Als Thrombose bezeichnet man ein Blutgerinnsel, das sich innerhalb eines Gefäßes gebildet hat und droht, dieses zu verschließen oder bereits verschlossen hat. Am häufigsten entstehen Thrombosen in den tiefen Beinvenen. Arterielle Thrombosen sind deutlich seltener und können zum Beispiel zu einem Herzinfarkt führen. Das Gefährliche: In der Anfangsphase ist eine Thrombose für den Patienten kaum spürbar.

Bleibt ein Blutgerinnsel unerkannt und kann der Körper dieses nicht wieder selbst auflösen, kann es sich von der Gefäßwand lösen und zum Beispiel über den Blutkreislauf zur Lunge wandern. Die mögliche Folge bei Venenthrombosen: eine Lungenembolie.

Wie kann es zu einer Thrombose kommen?

Es gibt mehrere Ursachen, die zu einer Thrombose führen können. So kann eine veränderte Blutzusammensetzung durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder der Antibabypille zu einem unbemerkten Gerinnsel führen. Auch Rauchen in Kombination mit der Antibabypille erhöht das Risiko für eine Thrombose stark – wie unsere Redakteurin am eigenen Leib erfahren hat.

Eine weitere Ursache ist eine verzögerte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes. So treten Thrombosen häufig bei Menschen auf, die in Folge einer Operation lange Zeit liegen müssen. Auch durch langes Sitzen mit angewinkelten Beinen, wie im Flugzeug oder am Schreibtisch, erleiden Menschen eine Thrombose.

Eine dritte Ursache können Schäden an der Gefäßwand selbst sein. So kann beispielsweise nach einer Entzündung, einem Unfall oder einer Operation die Vene innerlich so verletzt sein, dass sich darin eine Thrombose entwickelt. Auch Rauchen ohne die Kombination mit der Anti-Baby-Pille stellt ein Risiko dar.

Lese-Tipp: Thrombose durch Pille und AstraZeneca - wie realistisch ist der Vergleich?

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Auffällige Häufung von Sinusvenenthrombosen nach Impfung

Nach AstraZeneca-Impfungen kam es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu einer auffällige Häufung sogenannter Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen. Nachdem zunächst unklar war, ob die Thrombosen mit den Impfungen im Zusammenhang stehen, fanden Forscher der Universität Greifswald heraus, dass ein Abwehrmechanismus des Körpers die Ursache für die Hirnthrombosen nach der AstraZeneca-Impfung sein könnte.

Sinusvenenthrombosen sind zwar selten, werden aber regelmäßig diagnostiziert. Sie treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, wie Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), erklärt. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen - etwa bei Einnahme der Antibabypille - gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Zum Zusammenhang mit der ebenfalls genannten Thrombozytopenie erklärte Berlit: "Wenn ein Blutplättchenmangel auftritt, führt das eher zu Blutungen. Allerdings kann eine deutlich erhöhte Thromboseneigung zu einem erhöhten Blutplättchenverbrauch führen."

Was ist eine Sinusvenenthrombose?

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Sie ist für rund ein Prozent der Schlaganfälle verantwortlich. Frauen sind laut dem Medizinportal "DocCheck" dreimal häufiger betroffen. Eine Sinusvenenthrombose kann in jedem Lebensalter auftreten. Zentrales Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankte etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen.

Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

Bereits mit AstraZeneca geimpft? Das sollten Sie beachten

Nachdem die Impfungen mit AstraZeneca zunächst gestoppt wurden, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), das Vakzin vorerst nur an Menschen über 60 Jahre zu verimpfen. Wer jünger ist und sich trotzdem mit AstraZeneca impfen lassen möchte, kann dies nach ärztlicher Beratung weiterhin tun.

Mit dem AstraZeneca-Präparat Geimpfte haben laut PEI-Institutspräsident Klaus Cichutek nichts mehr zu befürchten, wenn ihre Impfung 16 Tage zurückliegt. Davor sollten sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn sie über die ersten vier Tage nach der Impfung hinaus starke anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hauteinblutungen hätten, riet Cichutek.

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