Trotz Demoverbots

"Querdenker" versammeln sich in Berlin - Angriffe auf Polizeibeamte

01. August 2021 - 20:06 Uhr

Rangeleien zwischen Protestierenden und Berliner Polizisten

Trotz eines Verbots von mehreren "Querdenker"-Demos in Berlin ist es im Umfeld des Olympischen Platzes in Charlottenburg zu Versammlungen und Demonstrations-Zügen mit hunderten Teilnehmern gekommen. Dabei soll es auch zu Rangeleien zwischen Protestierenden und der Polizei gekommen sein. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Angriffe auf Einsatzkräfte: Berliner Polizei droht mit Wasserwerfer

"Unsere Absperrungen werden ignoriert, teilweise überrannt und Einsatzkräfte angegriffen", twittert die Polizei. Beamte kündigen demnach mit Lautsprecherwagen den Einsatz eines Wasserwerfers für den Fall an, dass die Teilnehmer "sich nicht selbstständig fortbewegen".In der Länderallee seien Einsatzkräfte bedrängt und attackiert worden. Demonstrierende hätten versucht, die Polizeikette zu durchbrechen und Beamte herauszuziehen. "Es kommt zum Einsatz von Reizstoff, Schlagstock und körperlicher Gewalt", teilte die Polizei mit.

Die Menschen protestierten in verschiedenen Gruppen und forderten etwa "Schluss mit der Corona-Diktatur", hielten Transparente wie "Kein Test: keine Pandemie" oder sprachen sich gegen die Leugnung des Coronavirus aus. Andere nutzten Trillerpfeifen, Fahnen, Trommeln oder Sprechchöre wie "Friede, Freiheit, Demokratie" und "Wir sind das Volk". Manche waren mit Luftballons in Herzform unterwegs. Teils liefen Protestierende durch den Verkehr, teils waren sie auf Fußwegen unterwegs.

"Wir haben uns auf einen sehr kräftezehrenden Einsatz vorbereitet an diesem gesamten Wochenende", sagte der Polizeisprecher. Auf die Frage nach der Taktik der Polizei und warum es Menschen gelungen sei, sich zu versammeln, sagte er: Die Polizei sei angehalten, mit Augenmaß vorzugehen. "Wir können jetzt nicht jede Person willkürlich kontrollieren, etwa am Pariser Platz." Menschen hätten sich etwa auch aus touristischen Hotspots heraus bewegt und seien zu mehreren Hundert zusammengekommen. Die Polizei habe sie wieder zerstreut.

Gericht hatte Großdemo verboten

Die Berliner Polizei hatte für dieses Wochenende mehrere Demonstrationen verboten, weil sie Verstöße gegen die Hygieneauflagen befürchtete. Darunter ist auch eine Kundgebung der Initiative "Querdenken 711" aus Stuttgart, die für den Nachmittag ursprünglich 22 500 Teilnehmer angemeldet hatte. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigte das Verbot am späten Samstagabend. Über Twitter teilte die Berliner Polizei mit, dass die Teilnahme an einer verbotenen Versammlung eine Ordnungswidrigkeit sei, die mit bis zu 1000 Euro Bußgeld bestraft werden könne. Es würden Platzverweise erteilt und Anzeigen gefertigt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Schäuble attackiert "Querdenker"-Szene

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte die "Querdenker"-Szene zuvor scharf angegriffen. "Wenn weltweit praktisch alle Fachleute sagen, Corona ist gefährlich und Impfen hilft, wer hat dann eigentlich das Recht zu sagen: Ich bin aber klüger? Das ist für mich ein nahezu unerträgliches Maß an Überheblichkeit", sagte Schäuble der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der CDU-Politiker appellierte an die Szene: "Bitte schauen Sie sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse an, lassen Sie sich nicht von billigen Parolen hinter die Fichte führen!" Schäuble fügte hinzu: "Auch bei den Querdenkern sollte die Betonung auf 'Denken' liegen und nicht auf 'Quer'." (dpa/kra)