Feuerwehrsprecher über tödlichen Horror-Crash bei Dottenheim„Dass es so schrecklich wird, haben wir im ersten Moment nicht erwartet“

von Michaela Johannsen und Denise Gatzweiler

Sie fahren los, um Menschen zu retten – und können am Ende nichts mehr für sie tun.
Als die Feuerwehr zu dem schweren Unfall auf der B470 bei Dottenheim gerufen wird, ist zunächst von mehreren Verletzten und einer leblosen Person die Rede. Doch vor Ort zeigt sich das ganze Ausmaß: Drei Frauen sind tot. Feuerwehrsprecher Rainer Weiskirchen erzählt im RTL-Interview, wie die freiwilligen Helfer mit einem solchen Einsatz umgehen.

Drei Frauen sterben bei Frontalcrash in Bayern

Als am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr die Melder gehen, ahnen die Feuerwehrleute bereits, dass dieser Einsatz kein leichter werden wird. Sechs Feuerwehren aus der Umgebung werden zu einem Verkehrsunfall auf der B470 alarmiert. Schon in der ersten Meldung ist von mehreren Verletzten und einer leblosen Person die Rede.

„Dann wissen die Einsatzkräfte eigentlich schon, dass das einiges von ihnen abverlangen wird“, sagt Rainer Weiskirchen, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, im RTL-Interview. Doch auf das, was die Helfer am Unfallort erwartet, können sie sich kaum vorbereiten. „Dass es dann so schrecklich wird, haben wir im ersten Moment nicht erwartet“, sagt Weiskirchen. Vor Ort stellt sich heraus: In einem der Autos sind drei Frauen gestorben.

Einsatzkräfte arbeiten an einer Unfallstelle nach einem schweren Verkehrsunfall auf der B470 zwischen Dottenheim und Dietersheim. Mehrere Menschen sind bei einem Unfall auf einer Bundesstraße in Mittelfranken ums Leben gekommen.
Einsatzkräfte arbeiten an einer Unfallstelle nach einem schweren Verkehrsunfall auf der B470 zwischen Dottenheim und Dietersheim. Mehrere Menschen sind bei einem Unfall auf einer Bundesstraße in Mittelfranken ums Leben gekommen.
Daniel Löb/dpa

Nach Angaben der Polizei soll ein 36 Jahre alter Mercedes-Fahrer auf der B470 zwischen Dietersheim und Dottenheim in den Gegenverkehr geraten und frontal mit dem Opel der drei Frauen zusammengestoßen sein. Zwei Insassinnen sind 69 Jahre, die dritte 73 Jahre alt. Sie werden eingeklemmt und sterben noch an der Unfallstelle.

Der Mercedes-Fahrer wird schwer verletzt aus seinem Wagen befreit und in ein Krankenhaus gebracht. Ein vorläufiger Alkoholtest ergibt laut Polizei einen Wert von mehr als einem Promille. Rund 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Notfallseelsorge sind vor Ort. Für die Feuerwehrleute beginnt damit ein Einsatz, der auch erfahrene Retter an ihre Grenzen bringen kann.

Notfallseelsorger stehen für die Helfer bereit

Im gesamten Landkreis gibt es laut Weiskirchen keine Berufsfeuerwehr. Die Männer und Frauen, die an diesem Abend ausrücken, gehören ausschließlich freiwilligen Feuerwehren an. Gerade deshalb sei es besonders wichtig, aufeinander zu achten. „Nicht jeder ist an jedem Tag gleich belastungsbereit und belastungsfähig“, erklärt Weiskirchen. Schon an der Einsatzstelle werde deshalb offen darüber gesprochen, wie es den einzelnen Feuerwehrleuten gehe und ob sie sich einen bestimmten Einsatz zutrauten.

Rainer Weiskirchen, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim,
Rainer Weiskirchen, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.
RTL

Wer merke, dass die Bilder oder die Situation zu viel würden, müsse laut Weiskirchen nicht weitermachen. „Wenn einer eine schlechte Tagesform hat, dann ist das für uns absolut okay“, sagt der Feuerwehrsprecher. Auch während des Einsatzes behalten sich die Kameradinnen und Kameraden gegenseitig im Blick. Wenn jemand spüre, dass die Situation etwas mit ihm mache, könne er sich zurückziehen und durch einen anderen Feuerwehrmann oder eine andere Feuerwehrfrau ersetzt werden.

Zusätzlich hatte das Bayerische Rote Kreuz nach Angaben des Feuerwehrsprechers schnell psychosoziale Notfallseelsorger an die Unfallstelle geschickt. Sie hätten den Einsatzkräften bei Bedarf unmittelbar für Gespräche zur Verfügung gestanden – und seien auch nach dem Einsatz weiterhin ansprechbar.

Verwendete Quellen: RTL