Dass ausgerechnet die Frau, die ihren kleinen Sohn Fabian brutal ermordet haben soll, sich jetzt selbst als Opfer darstellt – für Fabians Mutter Dorina L. kaum zu ertragen.
Sie hatte auf Klarheit gehofft. Stattdessen: 95 Seiten Aussage – samt vieler Vorwürfe gegen andere.
„Für mich sind’s Lügen, was sie dort alles behauptet und sich wieder als kleines zerbrechliches Wesen darstellt und als Opfer darstellt, dass sie ausgenutzt worden ist von sämtlichen Männern. Und dass sie damit ja gar nichts zu tun haben kann. Und dass sie das alles nicht verstehen kann.“
21 Prozesstage lang hat Gina H. geschwiegen. Jetzt weist sie den Mord an Fabian zurück – und erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei Männer, die SIE zuvor belastet haben.
„Es ist genau das eingetreten, was wir erwartet haben. Die Hauptbelastungszeugen sind als unglaubhaft dargestellt worden. Sie hat faktisch den Spieß umgedreht.“
Die große Frage ist: Wer hat wen zu Fabians Leiche geführt? Und das in der Nacht, bevor die Polizei die Leiche des Achtjährigen gefunden hatte. Gina H. behauptet jetzt, ihr Bekannter Christian D. habe sie zu dem Tümpel geführt. Ein Ort, den sie angeblich vorher nicht gekannt habe.
„Er habe sie zielstrebig zum Tümpel geführt. Das steht in krassem Widerspruch zur Aussage von Christian D. vorm Gericht, der behauptet hat, dass Gina H. das Gebiet kannte.“
Nur wenig später soll Gina H. dann auch mit ihrem Nachbarn Olaf K. bei Fabians Leiche gewesen sein – ein Mann, mit dem sie nach eigener Aussage auch befreundet ist. Auch gegen ihn erhebt sie nun schwere Vorwürfe.
Im Mittelpunkt: ein Messer aus Olaf K.s Schuppen. Es soll nach dem Fund von Fabians Leiche zunächst gefehlt haben und später wieder aufgetaucht sein.
„Das Messer kommt ja prinzipiell auch als Tatmesser in Betracht. Von der Länge und der Breite und der Sticheignung.“
Gina H. behauptet jetzt: Olaf K. habe die Sache mit dem Messer „mit Sicherheit arrangiert“, um sie zu belasten.
Olaf K. ist über solche Aussagen fassungslos. Er möchte unerkannt bleiben, daher verfremden wir dieses Interview – stellt aber klar:
„Das stimmt hinten und vorne alles nicht. Es ist ja auch alles belegbar. Ich bin stinksauer, stinksauer und ich versuch’s auch übern Anwalt. Mal sehen, ob ich da auch gegen, gegen diese Aussagen irgendwie vorgehen kann. Mal schauen.“
Für Fabians Mama Dorina L. bleibt nach dem Tag vor allem Enttäuschung.
„Für mich ist das ein verschwendeter Prozesstag. Und mir hat ja. Ihre Einlassung hat mir auch das genau gezeigt, dass dieser Tag für mich einfach verschwendet ist.“
Gestern hat Gina H. keine Fragen nach ihrer vierstündigen Aussage zugelassen – jetzt hat sie sich umentschieden – und wird wohl am Freitag Fragen beantworten. Dann wird sich zeigen, wie glaubhaft diese neue Version der Ereignisse um den Mord an Fabian ist.
Bis zum Urteil gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.