Vor dem Prozess treffen wir Sandra R. – ihre Schwester Melanie wurde bei dem Unfall getötet. Sandra ist es wichtig, dass das Todesopfer ein Gesicht bekommt, darum dürfen wir Videos und Fotos auch zeigen. Sandra vermisst ihre Schwester sehr.
„Na, das Zusammensein, das Lachen und. Und wir reden immer über alles. Und ich konnte immer anrufen. Sie ruft mich immer an, wenn sie Probleme hatte. Oder ich habe Probleme. Und das vermisse ich sehr.“
Alles, weil Pierre R. sich vor einem Jahr betrunken hinter das Steuer seines Autos gesetzt und einen schweren Unfall verursacht hat.
„Dabei soll der Angeklagte im August 2025 auf der B95 zwischen Bernstein und Annaberg-Buchholz unter Alkoholeinfluss stehend auf die Gegenfahrbahn geraten sein, dort mit dem entgegenkommenden PKW zusammengestoßen sein.“
Bei dem Unfall stirbt Selina W., die Fahrerin des entgegenkommenden Autos, sofort. Ihre Beifahrerin ist Sandras Schwester Melanie R., SIE wird schwer verletzt. Die Ärzte kämpfen um ihr Leben – aber vergeblich. Nur der siebenjährige Sohn von Melanie und die Nichte der Fahrerin überleben. Immerhin: Der Todesfahrer äußert sich im Prozess und gesteht:
„Der Angeklagte verlas unter Tränen sein Geständnis. Er betonte immer wieder, dass er sich bewusst sei, was er Schlimmes getan habe. Er könne sich selbst nicht mehr im Spiegel sehen und nicht mehr schlafen. Zudem habe er Verständnis dafür, wenn die Angehörigen ihm nicht verzeihen können.“
Sandra kümmert sich auch um Melanies Sohn Charlie, der bei dem Unfall überlebt hat.
„Charlie braucht seine Mama. Und ich werde es nie ersetzen können. Und wenn ich ihn jeden Tag angucke, dann sehe ich meine Schwester. Aber es ist trotzdem wunderschön, ihn aufwachsen, aufwachsen zu sehen. Und leider ohne seine Mama.“
Die Mutter von Melanie erhofft sich vom Prozess jetzt vor allem eins.
„Ich wünsche, dass er eine gerechte Strafe kriegt. Dass er ins Gefängnis kommt. Von ganzem Herzen wünsche ich mir das. Ich habe Wut, wenn ich nur angucke.“
Ihr Wunsch geht in Erfüllung. Pierre R. muss drei Jahre ins Gefängnis.
„Ich finde das Urteil etwas zu mild, aber zum Glück hat er keine Bewährungsstrafe gekriegt. Es bringt uns Melanie und Selina leider nicht zurück.“
Vielleicht ist es jetzt nach dem Urteil möglich, nach diesem schrecklichen Verlust irgendwie nach vorn zu blicken.