Bewusster einkaufen

Auch für Veggie-Wurst müssen Tiere sterben: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Worauf Sie beim Kauf von Veggie Wurst achten sollten.
© Imago Entertainment, Arnulf Hettrich

12. September 2020 - 10:42 Uhr

Immer mehr Menschen kaufen vegetarische "Wurst": Doch ist das überhaupt eine gute Nachricht?

Es klingt erstmal nach einer guten Nachricht: Der Wurstwarenhersteller Rügenwalder Mühle aus dem niedersächsischen Bad Zwischenahn machte im Juli erstmals mehr Umsatz mit vegetarischen und veganen Fleischalternativen als mit klassischen Wurstwaren. Ein Grund zur Freude für Tierfreunde ist das jedoch nur bedingt. Denn obwohl die höhere Nachfrage ein Umdenken beim Verbraucher suggerieren mag, der scheinbar bereit ist, beim Einkauf mehr aufs Tierwohl zu achten, schießt der Kauf vieler Veggie-Produkte leider am Ziel vorbei. Für vegetarischen Wurstaufschnitt beispielsweise, sterben teilweise mehr Tiere als für das Original.

Wer das nicht unterstützen will, kann sich beim Kauf vegetarischer Produkte für mehr Tierwohl stark machen, indem er auf zwei Dinge achtet.

Rechnung: So viele Tiere sterben für die Veggie-Wurst

Eine Rechung des Stern-Magazins ergab, dass für 100 Kilogramm vegetarische Mortadella rund 70 Kilogramm Eiklar und demnach rund 2120 Eier benötigt werden. Eine Legehenne legt aber nur rund 300 Eier pro Jahr und wird schon nach 15 Monaten geschlachtet, weil ihre Eierproduktion nachlässt. Für 2120 Eier braucht es somit fast sechs Hennen - plus sechs getötete männliche Küken. Das wären 12 tote Hühner für 100 Kilo Veggie-Wurst.

Was also tun, um dem als Verbraucher entgegenzuwirken?

Darauf sollten Sie beim Kauf von Veggie-Wurst achten

#1 Wie hoch ist der Anteil tierischer Zutaten?

Zunächst sollten Sie mit einem Blick auf die Zutatenliste checken, wie hoch der Anteil tierischer Zutaten in der Veggie-Wurst ist. Achten Sie dabei auf Angaben wie Eiklar oder Hühnerei-Eiweiß. Eine gute Daumenregel: Je weiter vorne diese in der Liste stehen, desto höher der Anteil im Produkt. Im Veggie Aufschnitt mit Gurke von "Vegetarisch lecker!" (Aldi) sind laut Zutatenliste beispielsweise jeweils 4% Milcheiweiß und 4 % Hühnerei-Eiweiß enthalten. In der vegetarischen Fleischwurst von Gutfried ist ein 9-prozentiger Anteil von Hühnereiweißpulver angegeben. Zum Vergleich: Der Anteil des Eiklars in der vegetarischen Mortadella von Rügenwalder Mühle liegt bei 70 Prozent.

#2 Vegan statt vegetarisch: Nicht vom Logo verwirren lassen!

Firmen wie Taifun, Hobelz, Viana oder Wheaty zeigen, dass Wurstersatz-Aufschnitt auch ganz ohne Hühnereiklar oder Milcheiweiß auskommen. Auch die Rügenwalder Mühle vertreibt vegane Wursteratz-Produkte, vom veganen Fleischwurst-Ersatz bis hin zur veganen Tee- oder Leberwurst. Allerdings müssen Sie etwas genauer hinschauen, um den Unterschied zu erkennen: Achten Sie beim Kauf nicht nur auf das aufgedruckte Logo, sondern auch auf die genaue Bezeichnung des Produkts! Bei den Produkten der Rügenwalder Mühle kann der gelbe Kreis mit dem grünen V nämlich sowohl "vegetarisch" als auch "vegan" bedeuten. 

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