Frau bei Attacke verletztLasst ihn frei! Mahnwache für Angreifer-Wolf aus Hamburg

Freiheit für den Wolf - Ca. 100 Menschen demonstrieren für den in Hamburg eingefangenen Wolf / 050426
Rund 100 Menschen haben für den eingefangenen Wolf demonstriert.
action press

„Lasst ihn zurück in seine Freiheit.”
Nach dem Vorfall in Hamburg mit einer verletzten Frau bleibt unklar, wie es mit dem eingefangenen Wolf weitergeht. Naturschützer fordern seine Freilassung – mit eindrücklichen Worten.

Wolf lebt aktuell in Wildtierauffangstation

Fast eine Woche nach dem Vorfall mit einem Wolf in Hamburg-Altona ist die Zukunft des eingefangenen Wildtiers weiter ungewiss. Nach Behördenangaben gibt es derzeit keine neuen Informationen. Der Wolf befindet sich seit Dienstag in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.

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Am Sonntagnachmittag (5. April) machten sich nach Veranstalterangaben rund 150 Tierfreunde bei einer Mahnwache am Hamburger Jungfernstieg für die Freilassung des Tieres stark. Beobachter schätzten die Zahl eher auf 100. Einige von ihnen brachten ihre Hunde mit, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Lasst ihn zurück in seine Freiheit”, „Ich bin keine Trophäe” oder „Der Wolf soll bleiben”. Der Wolf war an der Stelle am vergangenen Montag von der Polizei aus der Binnenalster gefischt worden.

Was ist beim Angriff wirklich passiert?

Das männliche Jungtier war bereits am vergangenen Wochenende im Westen der Stadt gesichtet worden. Am Montagabend war es dann in eine kleine Einkaufspassage im Zentrum Altonas gelaufen und hatte dort eine etwa 60 Jahre alte Frau verletzt. Anschließend rannte der Wolf mehrere Kilometer durch die Hamburger Innenstadt und sprang schließlich in die Binnenalster, wo ihn die Polizei einfangen konnte.

Unklar ist bislang, was tatsächlich in der Einkaufspassage vorgefallen ist. Die Umweltbehörde geht davon aus, dass der Wolf die Frau gebissen hat, als diese mutmaßlich auf das panische Tier zugegangen sei, um es durch die gläsernen Automatiktüren nach draußen zu lassen. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hatte dazu am Dienstag auf den Polizeibericht verwiesen. Was genau in dem Bericht steht, ist jedoch unbekannt, da die Polizei diesen nicht veröffentlicht.

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Video-Tipp: Wie geht es für den Hamburger Wolf weiter?

Naturschützer zweifeln am Wolfsbiss

Naturschützer bezweifeln, dass der Wolf die Frau angegriffen und gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Die Textilhändlerin mit eigenem Geschäft in der Passage sagte dem Hamburger Abendblatt: „Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen.” Außerdem argumentieren die Naturschützer: Es sei unwahrscheinlich, dass das Opfer bei einem Wolfsbiss hätte lediglich ambulant im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt werden können.

Wolfsexperten wollen das Tier freilassen

Aus Fegebanks Sicht gibt es nun drei Optionen: auswildern – mit der Gefahr, dass das Tier wieder in eine Stadt laufe – einschläfern oder ihn in einen Wildpark bringen. Wolfsexperten wie Norman Stier von der TU Dresden oder der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, halten die Integration des Wolfs in ein Rudel in einem Wildpark für unmöglich. „Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind”, sagte Stier.

Aus ihrer Sicht sollte der Wolf mit einem Senderhalsband versehen und einfach freigelassen werden. Auch Tanja Askani, die seit 30 Jahren die Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide betreut, sagte, es gebe keinen Grund, ihn in Gefangenschaft zu halten. Sie rief ebenfalls zur Demonstration auf – „für die Freilassung des Hamburger Jungwolfs und gegen die Jagd auf diese Tiere”.

Ihr Ehemann Achim Heisler hatte zuvor in den sozialen Medien einen Offenen Brief an Fegebank veröffentlicht, in dem er die Gefahr eines neuerlichen Angriffs des Wolfs für nicht gegeben hält. „Ich kann Ihnen versichern, dass ein junger Wolf nach einer derartigen Erfahrung künftig alles meiden wird, was ihn an diese Situation erinnert.” Es entspreche nicht dem natürlichen Verhalten eines Wolfs, gezielt die Nähe des Menschen zu suchen. (nlu/dpa)

Verwendete Quellen: DPA