Seine vierjährige Tochter wurde öffentlich beschimpft„Warum wollte diese Frau uns angreifen?“ – verzweifelter Vater teilt emotionales Video nach rassistischer Attacke

Die Tochter eines Chemnitzer Café-Besitzers wurde auf offener Straße rassistisch angegriffen.
Die Tochter eines Chemnitzer Café-Besitzers wurde auf offener Straße rassistisch angegriffen.
Instagram/emmas_cafe_chemnitz

„Die Kindheit meiner Tochter bekomme ich kein zweites Mal.“
Nach einem rassistischen Übergriff auf seine Tochter (4) und seine Schwiegermutter (63) teilt ein Vater aus Chemnitz ein verzweifeltes Video auf Instagram. Er wisse nicht, wie er seiner Tochter die Situation erklären soll, denn Deutschland sei doch ihr Zuhause. Inzwischen ermittelt die Polizei – und sucht dringend einen Mann, der eingeschritten sein soll.

„Ausländer raus!“ – Polizei ermittelt nach Vorfall in Chemnitz

Der Vorfall soll sich am Donnerstag (3. September) gegen 16 Uhr mitten in der Chemnitzer Innenstadt ereignet haben. Nach Angaben der Polizeidirektion Chemnitz war eine 63-jährige Syrerin mit einem kleinen Kind in der Inneren Klosterstraße zwischen Börnichsgasse und Theaterstraße unterwegs. Dort soll eine unbekannte Frau ausländerfeindliche Parolen gerufen und in Richtung der 63-Jährigen getreten haben.

Bekannt wird der Fall zunächst durch ein Video in den sozialen Medien. Der Besitzer von „Emma’s Café“ schildert darin, dass es sich bei der 63-Jährigen um seine Schwiegermutter und bei dem Kind um seine nicht einmal fünf Jahre alte Tochter Emma gehandelt habe. Die Unbekannte habe „Ausländer raus!“ geschrien und versucht, seine Schwiegermutter zu treten.

Die Polizei hat nach Veröffentlichung des Videos Ermittlungen wegen des ausländerfeindlichen Übergriffs aufgenommen.

Kleine Emma fragt ihren Vater: „Was haben wir gemacht?“

Was den Vater besonders beschäftigt, ist die Reaktion seiner Tochter. „Baba, warum wollte diese Frau uns angreifen? Was haben wir gemacht?“, habe Emma ihn nach diesem Vorfall gefragt.

Eine Antwort darauf fällt ihm schwer. „Ich weiß es nicht. Was soll ich antworten? Ich habe keine Antwort“, sagt er in seinem Instagram-Video. Seiner Tochter habe er deutlich gemacht: „Nein, Emma, du hast nichts gemacht.“

Für den Familienvater ist das Erlebte auch deshalb so schwer zu verarbeiten, weil Deutschland die Heimat seiner Tochter ist. „Emma ist hier geboren. Sie wächst hier auf“, erzählt er. Ihre Freunde und ihre Familie seien hier.

Auch er selbst habe sich über viele Jahre ein Leben in Deutschland aufgebaut und sich schließlich mit „Emma’s Café“ selbstständig gemacht und einen Traum erfüllt.

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Passant soll eingeschritten sein – jetzt sucht ihn die Polizei

Nach Angaben des Café-Besitzers blieb seine Familie in der Situation nicht allein. Ein Mann habe den Vorfall mitbekommen und sei eingeschritten. „Hey, stopp! Aufhören! Mach das nicht!“, soll der Passant der Frau zugerufen haben. „Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar“, sagt Emmas Vater.

Auch die Polizei sucht nun nach diesem bislang unbekannten Mann. Er soll verbal eingeschritten sein und könnte damit ein wichtiger Zeuge sein. Die Beamten bitten außerdem weitere Menschen, die den Vorfall beobachtet haben, sich zu melden.

Die gesuchte Frau wird von der Polizei als etwa 40 Jahre alt und blond beschrieben. Hinweise zur Tat oder zur Identität der Frau nimmt die Kriminalpolizei Chemnitz unter der Telefonnummer 0371 387-3448 entgegen. Wie Polizei auf RTL-Nachfrage erklärt, seien bereits erste Hinweise eingegangen, Täterin und Zeuge habe man allerdings noch nicht ausfindig machen können.

Café-Besitzer denkt erstmals darüber nach, Chemnitz zu verlassen

Der mutmaßliche Übergriff hat bei Emmas Vater etwas verändert. Den Stress als Selbstständiger könne er aushalten, sagt er. Arbeiten, Rechnungen und Steuern bezahlen, Verantwortung tragen und immer wieder neue Probleme lösen – all das gehöre für ihn dazu.

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Doch nach diesem Erlebnis beschäftigt ihn erstmals ernsthaft ein anderer Gedanke. „Zum ersten Mal ist der Gedanke, diesen Ort irgendwann zu verlassen, näher als je zuvor“, sagt er. Dabei wolle er auf die ausländerfeindliche Anfeindung nicht selbst mit Wut reagieren. „Als Vater möchte ich keinen Hass mit Hass beantworten“, betont er.

Er könne woanders noch einmal bei null anfangen, sagt der Café-Besitzer. Er könne sich auch einen neuen Traum aufbauen. Doch bei einer Sache geht das nicht: „Die Kindheit meiner Tochter bekomme ich kein zweites Mal.“

Unter seinem Video bekommt der Vater schnell viel Zuspruch. Follower, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben, teilen ähnliche Erfahrungen, machen Emmas Vater aber auch Mut, sich von diesm Vorfall nicht unterkriegen zu lassen. So heißt es in den Kommentaren etwa: „Emma und du habt gestern in Chemnitz leider auch eine blöde Situation mit einer komischen Frau erlebt. Aber lasst euch davon bitte nicht eure Sicht auf die Menschen hier nehmen. Es gibt so viele gute Menschen“ oder „Ihr seid so gute und fleißige Menschen. Lasst Euch bitte niemals unterkriegen!“ Auch dem Mann, der Emma und ihrer Oma sofort zur Hilfe geeilt ist, wird zahlreich gedankt.

Verwendete Quelle: Instagram/emmas_cafe_chemnitz, Medienservice Sachsen/Polizeidirektion Chemnitz