Ermittler schlagen AlarmArnsberg - Elfjähriger (!) mit Ecstasy-Gummibärchen in der Schule erwischt

Die Hamburger Polizei hat einen Drogenlieferdienst zerschlagen, der Tausende Portionen Kokain, Marihuana und Ecstasy-Tabletten verkauft haben soll. (Symbolbild)
Die Ermittler glauben der Version des 11-Jährigen nicht. (Symbolbild)
Marcus Brandt/dpa

Es wirkt wie eine harmlose Süßigkeit – doch in Wahrheit steckt eine gefährliche Partydroge drin.
Ein 11-jähriger Junge ist an einer Schule in Sundern (Hochsauerlandkreis) mit einem gelartigen Stück erwischt worden, das wie ein Gummibärchen aussieht – Laboruntersuchungen zeigen: Darin steckt MDMA, besser bekannt als Ecstasy. Für die Ermittler ein Fall, der gleich aus mehreren Gründen aufrüttelt: das junge Alter des Kindes und die Art der Droge.

Sundern: Kind (11) mit Ecstasy-Gummibärchen an Schule erwischt – Staatsanwaltschaft und Prävention schlagen Alarm

Laut Staatsanwaltschaft Arnsberg hatte der Schüler nur ein einziges dieser „Gummiteilchen“ bei sich. „Er hatte ein gel-artiges Teil bei sich, das ähnlich wie Gummibärchen aussah“, sagt Sprecherin Annika Berg laut WDR. Im Labor stellen Fachleute fest: Es handelt sich um MDMA, die synthetische Substanz, die als Partydroge Ecstasy bekannt ist und sonst eher in der Club- und Festivalkultur auftaucht. Hinweise darauf, dass der Elfjährige damit handeln wollte, gibt es nach aktuellem Stand nicht.

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Woher das Drogen-Gummibärchen stammt, bleibt vorerst ein Rätsel. Gegenüber der Polizei behauptet der Junge, er habe das Teil „am Wegesrand gefunden“ und einfach mitgenommen. Die Ermittler halten diese Version für wenig glaubwürdig, haben aber derzeit keine weiteren konkreten Ermittlungsansätze. Der Fall selbst sei „nicht alltäglich“, betont die Staatsanwaltschaft – nicht nur wegen der Substanz, sondern auch, weil der Junge auf die Ansprache der Polizei kaum beeindruckt wirkt, eher trotzig und abblockend reagiert.

Keine Strafe, aber das Jugendamt ist eingeschaltet

Strafrechtliche Konsequenzen muss der Schüler trotzdem nicht fürchten. Mit seinen 11 Jahren ist er in Deutschland noch nicht strafmündig, die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt. Das Jugendamt der Stadt Sundern wurde informiert, ob und welche Maßnahmen dort ergriffen wurden, bleibt aus Gründen des Kinder- und Datenschutzes offen. Klar ist: Spätestens jetzt sind alle Erwachsenen im Umfeld des Kindes gefragt – Eltern, Schule, Jugendhilfe.

Wie gefährlich der Stoff ist, der in dem scheinbar harmlosen Gummibärchen steckte, machen Experten deutlich. MDMA kann Herzrasen, Überhitzung, Kreislaufzusammenbrüche und im Extremfall sogar den Tod auslösen. Dazu kommt: In bunt verpackten Süßigkeiten sehen Kinder und Jugendliche erst recht kein Risiko – sie greifen aus Neugier, ohne die Wirkung einschätzen zu können.

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Was Eltern jetzt wissen sollten:

  • Drogen in Süßigkeiten-Optik
    Substanzen wie MDMA oder andere Rauschmittel tauchen zunehmend in Form von Gummibärchen, Fruchtgummis oder „Gummies“ auf – sie sehen harmlos aus, können aber hochdosiert und lebensgefährlich sein.

  • Auffällige Süßigkeiten ernst nehmen
    Unverpackte, einzeln herumliegende „Gummiteilchen“ oder ungewöhnlich aussehende Süßigkeiten (starker Geruch, sehr grelle Farben, keine erkennbare Verpackung) sollten Eltern immer hinterfragen.

  • Gespräch mit den Kindern suchen
    Ohne Panik, aber klar: erklären, dass „Süßigkeiten“, Zigaretten oder Vapes von Fremden oder älteren Jugendlichen nie einfach ausprobiert werden dürfen, weil darin Drogen stecken können.

  • Warnsignale im Blick behalten
    Plötzliche Wesensänderungen, starke Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme oder unerklärliche körperliche Beschwerden können Hinweise auf Substanzkontakt sein und sollten mit Kinderarzt oder Beratungsstelle besprochen werden.

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Der Fall aus Sundern zeigt, wie erschreckend schmal die Grenze zwischen harmloser Spielerei und akuter Lebensgefahr geworden ist – besonders dann, wenn harte Drogen verpackt sind wie ganz gewöhnliche Süßigkeiten.

Verwendete Quellen: wdr.de, dw.com, ffh.de, dhs.de