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Westen ist besorgt: Darum nimmt Russland jetzt ein Nachbarland der Ukraine ins Visier

Der Westen ist in Sorge

Warum Russland jetzt ein Nachbarland der Ukraine ins Visier nimmt

dpatopbilder - HANDOUT - 25.04.2022, Moldau, Maiac: Das vom Pressezentrum vom Innenministeriums der Pridnestrowischen Moldauischen Republik veröffentlichten Foto liegen zwei zerstörte Radioantennen auf dem Boden. Die Sprengung zweier Radiomasten in d
Zerstörte Sendemasten in Transnistrien.
VG aju nwi, dpa, Uncredited

Die Region Transnistrien an der südwestlichen Grenze der Ukraine gehört eigentlich zur Republik Moldau, ist aber schon seit dem Zerfall der Sowjetunion in den 1990er Jahren abtrünnig. Nur Russland hat den schmalen Landstreifen als unabhängig anerkannt, dazu sind in der Region russische Soldaten stationiert.

Nach Berichten über Anschläge in dem Separatisten-Gebiet, droht Russland jetzt indirekt mit einem militärischen Einsatz in der Region. Aber was genau sind die Beweggründe Russlands, jetzt auch noch ein Nachbarland der Ukraine ins Visier zu nehmen? Könnte sich der Krieg so auch schnell auf weitere Länder ausdehnen?

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Mehrere Explosionen in Transnistrien

Seit Montag gilt die höchste Terrorwarnstufe in Transnistrien. In dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet hatten lokale Behörden mehrere Zwischenfälle gemeldet. Explosionen sollen das Hauptquartier der Staatssicherheit erschüttert und zwei Sendemasten aus Sowjetzeiten beschädigt haben. Über die Antennen wurde von einem Dorf in der Region aus russisches Radio gesendet. Auch eine Militäreinheit sei angegriffen worden.

Moldaus Ministerpräsidentin Maia Sandu hatte darauf ein Treffen des Obersten Sicherheitsrats des Landes einberufen. Sie verurteilte die Anschläge als Versuch, den Frieden in der Region zu stören und erklärte, ihr Land sei bereit zu einer friedlichen Lösung der Konflikte.

Doch warum genau macht sich der Westen deshalb jetzt Sorgen?

So reagiert Moskau

Das abtrünnige Gebiet Transnistrien in Moldau.
Lage von Transnistrien an der Grenze der Ukraine.
RTL

Kurz nach den Vorkommnissen hatte der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, erklärt, Russland beobachte die Vorgänge sehr genau. Moskau sieht die Lage in Transnistrien als Provokation „mit dem Ziel, Russland noch tiefer in die Kriegshandlungen in der Region hineinzuziehen“, sagte der Chef des Duma-Ausschusses für die GUS, Leonid Kalaschnikow.

Das Außenministerium in Moskau warnte am Dienstag vor einem Szenario, in dem Russland intervenieren müsse, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA ohne nähere Details zu nennen.

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Lage von Moldau und Transnistrien
Karte der Konfliktregion
RTL

Genau das bereitet dem Westen große Sorgen: Russland könne, wie im Fall der Ukraine, mit Verweis auf angebliche Bedrohungen in unter ihrem Schutz stehender Landesteile einen militärischen Einsatz starten. Transnistriens Lage bietet Russland nämlich einige strategische Vorteile.

  • Nähe zu Odessa: Es liegt nur 40 Kilometer von der ukrainischen Stadt Odessa entfernt. Die Stadt am Schwarzen Meer ist eines der erklärten Ziele Russlands und ist seit Kriegsbeginn stark umkämpft. Kiew vermutet, Russlands Einmischung in den Konflikt in Transnistrien könnte Putins Truppen in die strategisch gute Position bringen, die Ukraine von einer weiteren Seite aus anzugreifen.
  • Nähe zum Westen: Transnistrien grenzt an die Republik Moldau, die viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat. Moldau wiederum grenzt direkt an EU-Mitglied Rumänien.

US-Verteidigungsminister Austin hat sich bei dem Militärtreffen am Dienstag in Ramstein auch zu den Geschehnissen in Moldau bzw. Transnistrien geäußert. Man sei noch mit der Analyse der beschäftigt, man werde sie aber „auf jeden Fall weiter beobachten.“

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Geht Russland nach dem Schema "Ukraine" vor?

Große Sorgen gibt es auch deshalb: Die Ereignisse in Transnistrien gleichen der Eskalation vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Das waren die Vorzeichen für den russischen Angriff in der Ukraine:

  • Zwischenfälle in selbsternannten, prorussischen Volksrepubliken Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine
  • Putins Grund für den Einmarsch: Angeblicher Völkermord an Russen müsse verhindert werden
  • Einmarsch am 24.2. laut Putin „militärischer Sondereinsatz“ für Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine – zum Schutze Russlands

(khe/rtrs)

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