Nach Reisewarnung für fast ganz Spanien inklusive Mallorca

Risikogebiet: TUI sagt alle Pauschalreisen nach Spanien ab - was bedeutet das für Urlauber?

17. August 2020 - 10:33 Uhr

TUI bittet Urlauber vor Ort, innerhalb von 7 Tagen zurückzureisen

Nach der offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das spanische Festland und die balearischen Inseln, reagiert jetzt auch der Touristikkonzern TUI. Es werden alle geplanten Pauschalreisen nach Spanien bis zum 24. August abgesagt. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen, wie zum Beispiel zu den kanarischen Inseln angeboten werden, verspricht TUI. Denn Teneriffa und Co. sind von der Reisewarnung nicht betroffen und können somit ohne Probleme angeflogen werden. Reisende, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, bittet der Reisekonzern innerhalb der nächsten sieben Tage zurückzureisen. "Aufgrund des veränderten Reise- und Sicherheitshinweises des Auswärtigen Amtes ist eine Weiterführung Ihres Urlaubes in Ihrer aktuellen Urlaubsregion nicht möglich", erklärt TUI auf seiner Internetseite. Ist die Rückreise nicht innerhalb dieser Frist geplant, bietet der Reiseveranstalter an, Urlauber früher als geplant nach Hause zu fliegen. Auch andere Reiseveranstalter haben inzwischen Pauschalreisen nach Spanien abgesagt.

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Deutsche Tourismuswirtschaft bedauert Reisewarnung

Die deutsche Tourismuswirtschaft bedauert die vom Auswärtigen Amt ausgesprochene Reisewarnung. Betont aber auch, dass die Entscheidung zu akzeptieren sei, da der Gesundheitsschutz die höchste Priorität für die Tourismusbranche habe.

Die Corona-Lage auf den Balearen und in Spanien hatte sich in den letzten Tagen massiv verschlechtert. Bisher galt die offizielle Reisewarnung nur für die Regionen Aragón, Baskenland, Katalonien, Madrid und Navarra. Nun wurde sie auf das spanische Festland und die Balearen ausgeweitet. Die Kanaren sind davon nicht betroffen.

Wie reagieren DER Touristik, FTI und alltours auf die Reisewarnung?

Neben TUI hat auch DER Touristik inzwischen alle Spanien-Reisen abgesehen von den Kanaren bis zum 21. August abgesagt.

Alltours Reisen cancelt ebenfalls alle Reisen nach Spanien mit Abreisen bis einschließlich 15. September 2020. Reisen auf die Kanaren, für die die Reisewarnung nicht gilt, sind allerdings weiterhin möglich. Bei Reisen nach Mallorca haben alltours-Kunden die Wahl, ob sie die Reise antreten. Möchten sie das nicht, können sie ihren Urlaub mit Abreisen bis einschließlich 15. September kostenfrei stornieren. Neubuchungen für Mallorca sind ebenfalls weiterhin möglich. Die unternehmenseigenen allsun-Hotels bleiben weiterhin geöffnet.

FTI will allen Spanien-Urlaubern freistellen, ob sie die Reise trotz Warnung antreten möchten, wie der Reiseveranstalter auf RTL-Nachfrage mitteilte. Vorerst will FTI demnach nicht alle Pauschalreisen nach Spanien absagen.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) werden alle Reiseveranstalter in den kommenden Tagen geplante Reisen nach Spanien absagen. Das gehört zum Standardverfahren nach einer Reisewarnung, die zwar kein Reiseverbot bedeutet, aber Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht. Die Absagen würden "erstmal von Woche zu Woche" erfolgen, um abzuwarten, ob die Reisewarnung nicht bald wieder aufgehoben wird, kündigte DRV-Sprecher Torsten Schäfer an.

Was bedeutet die Reisewarnung für Urlauber?

Eine Reisewarnung "ist kein Reiseverbot, aber die klare Ansage: Wer aus dem Spanienurlaub kommt, muss in Quarantäne, solange er kein negatives Testergebnis hat", so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur "Bild am Sonntag". "Und wer trotz der Warnung nach Spanien fährt, sollte sich und andere auch im Urlaub schützen. Partyurlaub ist in dieser Pandemie unverantwortlich."

Theoretisch kann der gebuchte Urlaub also trotz Reisewarnung wie geplant stattfinden. "An dem Leistungsgefüge hat sich erstmal nichts geändert", erklärt Reiserechtler Paul Degott im RTL-Interview. "Es kann natürlich sein, dass die spanischen Behörden jetzt zusätzliche Einschränkungen beschließen, die dann doch auch zu Leistungseinschränkungen führen. Also tendenziell wird man vor Ort als Pauschalreisender seinen Urlaub machen können mit allen Vorsichtsmaßnahmen, die geboten sind." Schwierig würde es aber, wenn man frühzeitig zurückfliegen will. Da sollte man seinen Reiseveranstalter kontaktieren.

Wer aufgrund der Reisewarnung lieber nicht in Urlaub fahren möchte und eine Pauschalreise gebucht hat, kann seinen Urlaub nun problemlos kostenlos stornieren. Denn der Urlaub unter einer Reisewarnung ist mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Wer eine Individual-Reise gebucht hat, für den wird es dagegen deutlich schwieriger das Geld erstattet zu bekommen. Wichtig für Urlauber ist jetzt, den Kontakt zum Reiseveranstalter zu suchen, vor allem wenn Reisen zeitnah anstehen.

Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen sich außerdem auf Corona testen lassen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich schon im Urlaubsland in den 48 Stunden vor der Abreise testen. Dann müssen sie den Test aber selbst bezahlen. Oder sie lassen sich bis zu drei Tage nach der Rückkehr in Deutschland testen. Das ist dann kostenlos. In häuslicher Quarantäne muss man so lange bleiben, bis das Testergebnis da ist.

Wie sich Betroffene jetzt am besten verhalten sollten, erklärt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö in unserem Video. 

Reisewarnung, Reisehinweis & Risikogebiet: Was ist der Unterschied?

"Wir sind total entsetzt, wir wissen nicht, wohin die Reise jetzt geht"

Derzeit weilen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Mit geschätzt mehr als 90 Prozent dürften die meisten von ihnen auf Mallorca Urlaub machen, sagte DRV-Sprecher Schäfer. Wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollen, bleibt abzuwarten. Besonders für Touristen, die gerade erst im Urlaub angekommen sind, sind die Entscheidungen der Bundesregierung ein Riesen-Schock. Einen Einblick in die Lage vor Ort gibt unser Video.