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WCs im Zug außer Betrieb: Junge Frau macht sich aus Verzweiflung in die Hose

Akuter Toilettenmangel in Regionalbahnen?

Zug-WC außer Betrieb: Junge Frau macht sich in ihrer Verzweiflung in die Hose

Eine Frau hatte die Bahn auf Schmerzensgeld in Höhe von 400 Euro verklagt, weil in einer Regionalbahn von Koblenz nach Trier die einzige Toilette im Zug defekt war. Nun beginnt das Berufungsverfahren. Foto: Haralt Tittel/Archiv/Symbolbild
Nicht immer zugänglich: Die Zugtoiletten in der Regionalbahn.
DPA

Man sitzt in der Bahn, die Blase drückt und das Ziel ist noch weit entfernt. Nichts Ungewöhnliches, aber für viele Fahrgäste kann das zu einem richtigen Problem werden: In Regionalbahnen sollen immer wieder Toiletten defekt sein oder vor Fahrtantritt nicht geleert werden – auch im Mittelhessen-Express war die einzige Toilette an einem Tag Ende Juni nicht funktionsfähig. Sehr zum Unglück einer jungen Dame: In der Not soll sie sich in einer Ecke in die Hose erleichtert haben.

Junge Frau macht sich aus Verzweiflung in die Hose

Es soll aus absoluter Verzweiflung passiert sein: Wie die „Hessenschau“ berichtete, war die Frau aus Dillenburg bereits eine knappe Stunde mit Bus und Bahn unterwegs, als ihre Blase drückte. Doch die Toilette im Mittelhessen-Express zwischen Gießen und Frankfurt war gesperrt, auch einen Bahn-Mitarbeiter soll die junge Frau vergeblich gesucht haben. Kurz vor Gießen habe sie sich nach eigener Aussage, so berichtet der Hessische Rundfunk, in einer Ecke erleichtert.

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Deutsche Bahn: "Wir können uns nur entschuldigen"

Die Nachricht über die verheerende Notlage der Dame erreicht über den HR die Deutsche Bahn. Diese reagiert sofort mit einer Entschuldigung: „Es tut uns wirklich sehr leid, dass die Dame bei uns im Zug diese unangenehme Erfahrung machen musste. Wir können uns dafür nur in aller Form bei ihr entschuldigen,“ äußerte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf RTL-Nachfrage. Es habe in dem Zugabschnitt, in dem sich die junge Frau aufgehalten habe, kein funktionierendes WC gegeben, bestätigt sie.

Im weiteren Abschnitt (der Zug teilt sich auf der Strecke beziehungsweise. es kommt eine geschlossene Einheit hinzu) sei die Versorgung vorhanden gewesen. „Planmäßig hätte die Reinigung beziehungsweise Ver-/ Entsorgung am 21. Juni vor Beginn der ersten Zugfahrt erfolgen sollen. Ob es hier einen technischen Defekt gab oder das Ver- und Entsorgen nicht wie geplant stattgefunden hat, klären wir derzeit mit unserem Reinigungsdienstleister“, so die Deutsche Bahn.

Zur personellen Lage sagt die Sprecherin der Bahn: „Nach unserer Recherche war der Zug ab Dillenburg bis Gießen mit einem Zugbegleiter besetzt. In Gießen wurde der Zug mit einem aus Treysa kommenden zweiten Zugteil verstärkt. Auch hier war bis Frankfurt Personal an Bord.“

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Keine Garantie für funktionierende Toiletten

„Eine Garantie über betriebsbereite Toiletten kann es leider nicht geben“, bedauert der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der Betreiber des Mittelhessen-Express, auf RTL-Anfrage. Schäden an den Fahrzeugen würden im Rahmen des Qualitätsmanagements erfasst werden, dabei sei das Verkehrsunternehmen jedoch selbst bei bester Wartung zum Beispiel nicht vor Vandalismus gefeit, wodurch Toiletten außer Betrieb gesetzt werden müssten.

Ist die Deutsche Bahn überfordert?

Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht repräsentativ.

Fahrgastverband ProBahn: Bahn muss Personal ausbauen!

Die Probleme des Vandalismus und der technischen Störungen unter anderem bei Toiletten sei laut Klaus Zecher vom Fahrgastverband ProBahn verstärkt durch erhöhtes Fahrgastaufkommen – zuletzt durch das 9-Euro-Ticket: „Wenn es mehr Fahrgäste gibt, muss auch mehr kontrolliert werden“, ist Zechers logische Konsequenz. Das sei aber „im System der Deutschen Bahn anscheinend nicht voll umgesetzt“.

Der ProBahn-Sprecher sieht einen langfristigen Ausbau des Personals bei der Bahn als unumgänglich. Ausgebildete Kundenbetreuer im Nahverkehr – im Volksmund Zugbegleiter – wären auch für technische Einsätze, zum Beispiel der schnellen Reparatur eines WCs, da. Doch es gäbe von diesen Ausbildungsstellen einfach zu wenig.

Lese-Tipp: Was und wo Sie dürfen, wenn Sie dringend müssen

Menschliche Bedürfnisse müssen wieder höheren Stellenwert bekommen!

Ein solcher Kundenbetreuer hätte laut Klaus Zecher auch der jungen Dame im Mittelhessen-Express helfen können: An einem der Bahnhöfe hätte sie mit der Hilfe eines Bahn-Mitarbeiters in die zweite Zugeinheit wechseln können und das dort vorhandene WC nutzen können. Dass Fahrgäste eigenverantwortlich handeln und sich selbst eine Toilette suchen müssten, hatte das Trierer Landgericht Trier 2015 in einem Einzelfall entschieden. Eine Frau hatte auf Schmerzensgeld geklagt, weil auch sie sich aufgrund einer defekten Toilette in der Bahn eingenässt hatte.

Aussteigen als letzte Lösung? Bringt oft nichts, so ProBahn-Sprecher Zecher: An vielen kleineren Bahnhöfen unterwegs hätte sie vergeblich nach einer Toilette gesucht. WCs sind hier nicht vorgeschrieben – und demnach auch oft Mangelware. Die Forderung des ProBahn-Sprechers: Menschliche – und dabei oft dringende - Bedürfnisse sollten bei der Bahn wieder einen höheren Stellenwert bekommen. (gmö)