Ernährungstipps von Doc Fleck

"Fleck-xikon" G wie gesunde Getränke: Warum wir beim Essen nicht trinken sollten

Wer zu wenig trinkt, ist weniger leistungsfähig Doc Fleck zu gesunden Getränken
02:32 min
Doc Fleck zu gesunden Getränken
Wer zu wenig trinkt, ist weniger leistungsfähig

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von Anna Kriller

Vieeel trinken – das haben uns bereits unsere Eltern gepredigt. Stimmt, denn unser Körper braucht ausreichend Flüssigkeit, um zu funktionieren. Bleibt die Zufuhr von Flüssigkeit aus, sind wir weniger leistungsfähig, werden müde, die Haut trocknet aus, der Kreislauf leidet und die Verdauung streikt. Um unseren Körper in Schuss zu halten, sollten wir also ausreichend Flüssigkeit zu uns nehmen. Allerdings nicht irgendwas! Welche Getränke am besten für uns sind, wieso zuckerhaltige Getränke unsere Darmflora verändern können, warum uns Light-Produkte noch hungriger machen und warum wir beim Essen besser gar nicht trinken sollten – Dr. Anne Fleck („Doc Fleck“), Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Bestseller-Autorin, erklärt, welche Getränke unser Körper liebt – und welche nicht.

Ist Wasser wirklich das beste Getränk für uns?

Ausreichend zu trinken ist wichtig, am besten Wasser – das haben wir schon als Kinder gelernt. Warum Wasser am gesündesten ist, liegt nahe: Unser Körper besteht je nach Alter und Geschlecht zu 50 bis 80 Prozent aus Wasser. „Gesund ist natürlich, was dem Körper am ähnlichsten ist“, erklärt Dr. Anne Fleck im Interview mit RTL. Wichtig sei dabei, auf die Qualität des Wassers zu achten. In Deutschland haben wir es da leicht: „Leitungswasser hat hierzulande meist eine gute Qualität“, so die Expertin. Wer es genau wissen möchte, könne sein Leitungswasser auf Blei oder Keime untersuchen lassen.

Wer zwischen stillem Wasser oder Wasser mit Kohlensäure schwankt, sollte im Zweifel lieber zu ersterem greifen, denn: „Stilles Wasser ist deutlich besser verträglich als Wasser mit Kohlensäure“, so Doc Fleck.

Lese-Tipp: In welchem Urlaubsland darf ich Leitungswasser trinken - und wo auf keinen Fall?

Warum Getränke mit Zucker unsere Darmflora verändern können

Ebenfalls gerne mag es unser Körper, wenn wir zu Getränken ohne Zucker oder Süßstoffe greifen. Warum? „Gerade wenn wir regelmäßig und mengenmäßig viel zucker- oder süßstoffhaltige Getränke trinken, kann nach aktueller Studienlage die Darmflora ungünstig verändert werden“, weiß Doc Fleck.

Und das wollen wir keinesfalls, denn „der Darm ist der Schlüssel zur Gesundheit“, so die Medizinerin weiter. „Im Darm entscheidet sich, ob man übergewichtig oder schlank ist, einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Demenz und Krebs bekommen kann. Im Darm entscheidet sich auch, ob man an einer nicht alkoholischen Fettleber erkrankt oder Autoimmunerkrankungen ausbrütet, wie zum Beispiel Rheuma, Multiple Sklerose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis (Schuppenflechte), die Weißfleckenkrankheit oder Hashimoto.“

Kurzum: Was wir trinken, wann wir trinken und in welcher Menge wir trinken, hat etwas mit unserer Gesundheit zu tun. Doch wie können wir es besser machen, wenn uns mal nicht der Sinn nach schnödem Leitungswasser steht?

Lese-Tipp: "Fleck-xikon" F wie Fettleber: Doc Fleck erklärt, was Sie jetzt sofort vom Speiseplan streichen sollten

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Keine Lust auf Wasser? Diese Getränke mit Geschmack sind gesund

Immer nur stilles Wasser aus dem Hahn kann irgendwann langweilig werden, keine Frage. Das muss auch gar nicht sein. Ebenfalls gut für unseren Körper seien beispielsweise ungesüßte Tees, sagt Doc Fleck. Besonders empfehlenswert seien vor allem Kräutertees wie Pfefferminze, Kamille oder Hibiskus.

„Was der Körper aber wirklich liebt, sind Löwenzahn- und Brennnesseltee“, erklärt Doc Fleck. So entgifte Löwenzahn beispielsweise die Leber. Warum das wichtig ist? „Löwenzahl ist ‘la grande dame’ der Verdauung, der Entgiftung und des Stoffwechsels“, so die Medizinerin. Ein Grund, warum sie Löwenzahntee all ihren Patienten empfiehlt.

Brennnesseltee hingegen kurbele die Arbeit der Nieren an. „So haben wir mit ein bisschen Löwenzahn- und Brennnesseltee – und selbst wenn wir die nur ab und zu mal die Woche trinken – etwas für unsere Verdauung, den Stoffwechsel und „Hauptentgifter“ des Körpers getan“, erklärt Doc Fleck. Denn: Wenn wir versuchen, unsere Entgiftungsleistung und die Verdauung zu verbessern, gehe es uns langfristig ganzheitlich besser, weiß die Expertin. Auch chronische Krankheiten lassen sich so vorbeugen und lindern.

Darüber hinaus seien sowohl Grüner als auch Schwarzer Tee empfehlenswert. Durch den Wirkstoff Epigallocatechin komme vor allem bei Grünem Tee die antioxidative, also die antientzündliche Kraft des Tees zum Tragen. Schwarzer Tee stärke dank seiner enthaltenen Gerbstoffe zudem die Darmschleimhaut. Da niedriggradige Entzündungen der Dünger für Zivilisationskrankheiten seien, helfe also das Teetrinken, um etwas Vorsorge „nebenbei“ zu betreiben, so die Fachärztin für Innere Medizin weiter.

Ein Brennnessel-Tee.
Brennnessel- oder Löwenzahntee bewirkt Wunder für unsere Gesundheit, so Doc Fleck.
MKucova

Zu viel Zucker im Getränk? Hallo, Heißhunger!

Wasser und Tee sind also gut für unseren Körper, aber Hand aufs Herz: Darf’s nicht doch auch mal ein wenig Zucker sein?

Das Problem bei zucker- und süßstoffhaltigen Getränken: Sie können je nach Dosis den Blutzuckerspiegel stark über die Norm reizen, provozieren so eine starke Insulinantwort – und damit dann Heißhunger!

Heißt konkret: Trinken wir regelmäßig Getränke mit Zucker oder Süßstoff, werde der Heißhunger auf Süßes potenziell wieder beflügelt, so Doc Fleck. Heißhunger könne außerdem bereits ein Zeichen für eine unerkannte Insulinresistenz sein – die Rampe zu Diabetes mellitus, einer Krankheit unter der 8,5 Millionen Menschen allein hierzulande leiden.

Getränke wie Cola Light, auf die viele zurückgreifen, weil sie kalorienärmer sind, können übrigens ebenso Heißhunger erzeugen. Zudem können sich zu viele zucker- und süßstoffhaltige Getränke negativ auf die gesund- und schlankmachenden Darmbakterien auswirken.

Säfte, Smoothies und Toxoplasmose

Einen besseren Ruf als Softdrinks, koffeinhaltige Energy Drinks & Co. haben Fruchtsäfte. Doch auch die seien nicht so toll, erklärt Doc Fleck. Warum? Fruchtsäfte haben durch den enthaltenen Fruchtzucker einen starken Blutzuckerreiz. Besser sei immer ein Obststück, so die Medizinerin, „denn da ist der Fruchtzucker ummantelt durch die Ballaststoffe in der Frucht.“ Deswegen löse ein Obststück keinen so starken Blutzuckerreiz aus wie Fruchtsäfte, da der Blutzucker viel langsamer ins Blut abgegeben werde.

Wer trotzdem nicht auf Fruchtsaft verzichten möchte, sollte diesen öfter als Schorle trinken, idealerweise im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel.

Tipp von Doc Fleck: „Trinken Sie Apfelschorle & Co. am besten direkt nach dem Essen – dann ist der Blutzuckerreiz vom Essen noch da und wir kurbeln ihn nicht nochmal neu an!“

Wer statt Fruchtsäften lieber zu Smoothies greift, sollte darauf achten, dass die Inhaltsstoffe frisch sind und gut gewaschen werden – vor allem bei Salaten. Andernfalls können ungewollt Infektionserreger wie Toxoplasmen oder andere Erreger verzehrt werden, warnt Doc Fleck. Toxoplasmose kann vor allem für Schwangere gefährlich sein.

Und: „Ein Smoothie ist kein Getränk, sondern eine Mahlzeit – und muss darum gekaut werden!“, so die Expertin.

Ein wenig Geschmack gefällig? Probieren Sie Infused Water

Wer einfach nur ein wenig Geschmack im Wasser haben möchte, für den ist Infused Water möglicherweise genau das Richtige. Was das genau ist? Bei Infused Water wird stilles Wasser oder Wasser mit Kohlensäure einfach durch weitere Zutaten aufgepeppt, zum Beispiel mit Zitronenscheiben, Beeren, Minze oder Gurke – ganz nach persönlichem Geschmack.

Wichtig hierbei: Schneiden Sie bei Zitronenscheiben die Schale ab, da diese stark belastet oder gespritzt sein kann, rät Doc Fleck. Oder nehmen Sie Bio-Zitronen und waschen Sie diese vorher heiß ab.

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Milchkaffee ist eine volle Mahlzeit

Für Kaffee-Fans gibt es erst mal eine gute Nachricht: Drei Tassen am Tag seien laut aktueller Forschung von der Dosis vertretbar, wenn man sie gut vertrage. Mehr als drei Tassen Kaffee am Tag können hingegen eine Insulinresistenz fördern.

Wer auf Milch verzichten kann, sollte zu schwarzem Kaffee greifen, denn Milchkaffee setze durch den Milchzucker ebenfalls einen Blutzuckerreiz. Milchkaffee sei darum auch als volle Mahlzeit zu werten, erklärt die Expertin weiter.

Wichtig zu wissen: Das Milcheiweiß Casein kann unter Umständen eine Migräne auslösen, da 30 bis 40 Prozent der Menschen Milcheiweiß nicht gut vertragen – und das, ohne es zu wissen. Hier sei Milchersatz wie Hafermilch besser, rät Doc Fleck.

Tipp von Doc Fleck: „Ganz viele Menschen vernachlässigen beim Kaffeetrinken, dass das Koffein eine Halbwertszeit von sieben Stunden hat.“ Bedeutet: Kaffee sollte nicht zu spät getrunken werden. „Wer unter schlechtem Schlaf leidet, der sollte probieren, dass er Kaffee nur vormittags trinkt und nicht mittags oder nachmittags“, so die Medizinerin.

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Tipp von Doc Fleck: Warum wir besser nicht zum Essen trinken sollten

Wer etwas für seine Verdauung tun möchte oder beim oder nach dem Essen aufstoßen muss, sollte Folgendes ausprobieren: Versuchen Sie sich langfristig anzugewöhnen, nicht (viel) zum Essen zu trinken, sondern besser zwischen den Mahlzeiten, rät Doc Fleck. „Das ist am Anfang ganz ungewohnt, aber wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ist es völlig intuitiv und natürlich.“

Der Vorteil: Trinke man nicht zu den Mahlzeiten, verdünne man die Magensäure nicht. Man müsse sich das so vorstellen, erklärt die Medizinerin: „Der Nahrungsbrei kommt in den Magen und da ist die lebenswichtige Magensäure, die killt Bakterien, Viren oder Würmer ab. Und wenn wir die dann durch viel Wasser, das wir zum Essen trinken, verdünnen, dann kann die Magensäure gar nicht mehr so gut den Nahrungsbrei bearbeiten und aufschlüsseln, kann nicht so gut die Nährstoffe oder auch Eiweiße herauslösen.“ Ein simpler Trick, der sich bewährt habe. Zwischen den Mahlzeiten empfehle die Fachärztin dann aber zuckerfreie Getränke.

Wer zu wenig trinkt, ist weniger leistungsfähig

Trinken ist wichtig, so viel wissen wir nun. Doch wie viel braucht unser Körper eigentlich? Das ist individuell, erklärt Doc Fleck. 30 bis 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht ist die gesunde Flüssigkeitsmenge pro Tag. So viel sollte also täglich für gesunde Menschen drin sein.

Wichtig sei laut Doc Fleck außerdem, schon morgens damit anzufangen: „Ein großes Glas Wasser auf nüchternen Magen trinken! Weil wir nachts 500 Milliliter Flüssigkeit als Erwachsener ausatmen, steigen wir mit diesem Defizit in den Tag ein.“ Wenn wir diese Menge aber morgens trinken, schaffen wir es, dass unser Körper ohne Defizit in den Tag komme und die Verdauung werde geweckt. „Der Magen kriegt eine Dusche und sagt dem Dickdarm unten ‘mach mal Platz’“, so die Ärztin.

Zeichen dafür, dass wir zu wenig mit Flüssigkeit versorgt sind, seien übrigens Müdigkeit, Konzentrationsmangel, schlechtes Fokussieren, schlechtes Gedächtnis, Verdauungsprobleme, Verstopfung, trockene Haut, trockene Schleimhäute und dass sich Nährstoffe im Körper nicht gut verteilen können, erklärt Doc Fleck.

„Wir brauchen Wasser als Grundnahrungsmittel für unseren Körper genauso wie den Atem. Wir brauchen Sauerstoff und wir brauchen Wasser – wie eine Pflanze!“. Also, ran ans Wasserglas, denn unsere Pflanzen pflegen wir ja schließlich auch, oder etwa nicht?

Liste mit gesunden und ungesunden Getränken

Diese Getränke liebt unser Körper:

  • Wasser (am besten still)
  • Infused Water
  • Tees (ungesüßt)

Diese Getränke sind in Maßen völlig in Ordnung:

  • Fruchtsäfte (am besten als Schorle)
  • Smoothies (Inhaltsstoffe gut waschen)
  • Kaffee (bis zu drei Tassen am Tag in Ordnung)

Diese Getränke sollten Sie meiden oder nur in kleinen Mengen zu sich nehmen:

  • Getränke mit Zusatz- oder Farbstoffen
  • Getränke mit Zitronensäure
  • Brausetabletten für Vitamine mit viel Süßstoff
  • Koffeinhaltige Energy Drinks
  • Alkohol (Frauen sollten laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht mehr als ein Standardglas, Männer nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag trinken)