Nach Omikron-Höchststand im Februar in die Endemie?

Wann kommt die Trendwende? Professor gibt Prognose ab

10. Januar 2022 - 10:24 Uhr

Wann endet die Pandemie? Das sind die Voraussetzungen

Was bedeutet die Omikron-Variante für den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie? Ist es möglich, dass die sich rasant verbreitende Variante einen Wendepunkt in der Pandemie markiert? Vielleicht hat der Anfang vom Corona-Ende schon begonnen: Experten sprechen vom Übergang der Pandemie in eine Endemie. Dänemarks Top-Expertin sagt sogar die kurz bevorstehende Rückkehr zur Normalität voraus. Was das bedeutet, sehen Sie im Video. Und: Ab welchem Zeitpunkt Professor und Mediziner Dr. Bertram Häussler mit der Trendwende rechnet.

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Fast vertikaler Anstieg der Neuinfektionen durch Omikron in vielen Ländern

Mehr als zwei Jahre sind vergangen seit den ersten Berichten über eine mysteriöse Lungenkrankheit in der chinesischen Metropole Wuhan. Während China versucht, Corona so wenig Raum wie möglich zu geben, steht Deutschland am Anfang der fünften Welle. Sie droht Fachleuten zufolge die bisherigen deutlich in den Schatten zu stellen, auch wenn rund um die Omikron-Variante noch vieles ungewiss ist.

Der Blick in andere Länder lässt – zumindest hinsichtlich der Infektionszahlen – Schlimmes befürchten: In vielen Ländern weltweit steigen die Fallkurven mit der Ausbreitung von Omikron fast vertikal an. Besonders betroffen sind die Länder Großbritannien, Portugal, Frankreich und Dänemark, aber auch die USA vermelden neue Rekordwerte. Anthony Fauci spricht von "fast einem vertikalen Anstieg" der Neuinfektionen in den USA, der "wirklich beispiellos" sei. Gegenüber dem Fernsehsender ABC sagte der medizinische Berater der US-Regierung, "wir befinden uns definitiv mitten in einem sehr ernsten Anstieg und Aufwärtstrend der Fälle".

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Allerdings stimmt ein Fakt auch positiv: In Südafrika, wo die Omikron-Variante erstmals nachgewiesen wurde, sinkt die Zahl der Neuinfektionen seit Ende 2021 im gleichen Maße, wie sie Ende November angestiegen ist. Zudem wurden deutlich weniger Krankenhauseinweisungen und Todesfällen infolge einer Infektion mit Omikron verzeichnet als bei den vorherigen Wellen. Diese Fakten stimmen vorsichtig optimistisch.

Grafische Prognose: Professor schätzt Corona-Lage ein

Endemie-Prognose von Prof. Dr. Bertram Häussler.
Die Endemie-Prognose von Prof. Dr. Bertram Häussler gibt Auskunft über einen möglichen Corona-Verlauf in der ersten Jahreshälfte von 2022.
© Prof. Dr. Bertram Häussler

Prof. Dr. Bertram Häussler, Leiter der IGES Gruppe, einem Forschungs- und Beratungsinstitut in Berlin, hat extra für RTL eine Grafik angefertigt, in der er eine erste Corona-Prognose für das Jahr 2022 wagt. Wie hart wird uns die nächste Welle treffen? Und wann rechnet auch der Mediziner und Soziologe in Deutschland mit der Endemie? "Die Abbildung skizziert mögliche Entwicklungen des Infektionsgeschehen (Inzidenz) und der Neuzugänge auf Intensivstationen in Deutschland unter Omikron bis Ende Februar", erklärt Häussler gegenüber RTL.

Als Grundlage wählt der Professor die bisherigen Entwicklungen im Vereinigten Königreich. Wieso? Weil "bisher sowohl die Alpha- als auch die Delta-Variante mit einer gewissen Verzögerung in Deutschland zu ähnlichen Entwicklungen geführt haben." Häussler schätzt, "dass der Peak der Omikron-Welle im Vereinigten Königreich in ein bis zwei Wochen erreicht sein wird". Fünf Wochen später – so die Annahme – könnte man diesen Höhepunkt dann auch bei uns in Deutschland sehen. Aber: Aufgrund der in Deutschland strengeren Maßnahmen würde der nur die Hälfte des Peaks der Briten erreichen. Und – was ebenfalls Mut macht: "Dieser starke Anstieg wird nicht zwangsläufig zu einer steigenden Belastung der Intensivstationen führen." Bisher lässt sich nämlich beobachten, dass die Omikron-Variante zu weniger schweren Verläufen führt und somit kaum ein Anstieg der Beatmungsfälle auf Intensivstationen zu verzeichnen ist.

"Entscheidend wird sein, welche Schutzmaßnahmen getroffen werden. Aus dieser Perspektive scheint es sinnvoll zu sein, die bisherigen Maßnahmen zum Schutz von Ungeimpften (2G/3G) beizubehalten", erklärt der Professor abschließend.

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Wodurch wird das Ende einer Pandemie eingeleitet?

Ausrotten lässt sich ein so ansteckender und verbreiteter Erreger wie Sars-CoV-2 laut Fachleuten aller Voraussicht nach nicht. Angenommen wird aber keine Pandemie-Dauerschleife, sondern dass das Virus endemisch wird, also dauerhaft in einer Bevölkerung präsent bleibt. "Saisonale Schwankungen sind möglich", erläutert der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk aus Halle. Aber epidemische Verläufe im Sinne eines langdauernden oder schnellen Anstiegs von Infektionszahlen würden im endemischen Zustand durch breit vorhandene Immunität ausgebremst.

Das Immunsystem sieht sich dann nicht mehr mit einem neuartigen Erreger konfrontiert, sondern ist durch frühere Infektionen oder Impfungen gewappnet. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, spricht von einer Grundimmunität, die aufgebaut werden müsse. "Wenn sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger impfen lässt, haben wir den endemischen Status mit weniger schweren Krankheitsverläufen schneller", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Ende der akuten Phase bedeutet, dass das Virus zwar weiter zirkuliert, die Gesundheitssysteme dies aber dank Impfstoffen und Medikamenten bewältigen können – ähnlich wie bei Grippeviren.

Omikron könnte "Ticket in die endemische Situation" werden

Mit der Entdeckung von Omikron, die auch für Experten recht überraschend kam, könnte der Übergang in die Endemie sogar noch schneller gehen. Der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen sagte, dass angesichts der erwarteten hohen Fallzahlen und der darüber hinaus dann noch auftretenden Dunkelziffer von einem beschleunigten Durchlaufen der Infektion durch die Bevölkerung auszugehen sei. Zu erwarten sei, "dass auch Omikron wieder eine Immunantwort hervorruft und damit viele Menschen dann also Immunität aufbauen".

Die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf hatte kürzlich auf Twitter gepostet, Omikron könne "unsere Exit-Welle & das 'Ticket' in die endemische Situation" werden. Es sei so ansteckend, dass es bald keine Menschen ohne Antikörper mehr gebe. Und auch der Virologe Klaus Stöhr erklärt im RTL-Interview: "Der allergrößte Teil der Weltbevölkerung wird 2022 bereits entweder gegen das Virus geimpft oder genesen sein. Für diese Menschen hat die Endemie begonnen, das heißt die Reinfektionen werden viel milder verlaufen. Für sie ist die Pandemie dann quasi vorbei."

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„Je höher der Anteil der Menschen mit Antikörpern im Frühjahr ist, desto besser sieht es aus für uns“

Allerdings sind in Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Südafrika viele Menschen noch immer weder durch eine Impfung noch durch Infektion auf Sars-CoV-2 vorbereitet. Daher sorgt sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in erster Linie um die Ungeimpften: "Unsere Ungeimpften sind das Problem. Für sie könnte jetzt zumindest die erste Impfung Leben retten", so der Minister.

Wo genau Deutschland steht, dürfte sich RKI-Chef Wieler zufolge im Frühjahr klarer zeigen. Das Interesse gilt der Verbreitung von Antikörpern gegen Corona in der Bevölkerung, sei es durch Infektion oder durch Impfung. Dies wird in Studien ermittelt. "Je höher der Anteil der Menschen mit Antikörpern im Frühjahr ist, desto besser sieht es aus für uns." Ende 2020, bevor es mit dem Impfen losging, hatten laut Wieler erst etwa zwei Prozent entsprechende Antikörper.

Befürchtungen einer Dauerpandemie mit immer wieder nötigem Impfen der ganzen Bevölkerung erteilte Charité-Virologe Christian Drosten Anfang Dezember eine Absage. "Das wird aufhören", sagte er in den ARD-"Tagesthemen". (dpa/nri/ubr/vdü)

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Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren – die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+.