Das sagt der Allgemeinmediziner

Biontech-Partner Pfizer sicher: Pandemie dauert bis 2024 - kann das sein?

Die Coronavirus-Pandemie hält uns seit Anfang 2020 auf Trab. Ein Ende ist bislang noch nicht in Sicht - oder etwa doch?
Die Coronavirus-Pandemie hält uns seit Anfang 2020 auf Trab. Ein Ende ist bislang noch nicht in Sicht - oder etwa doch?
© imago images/Richard Wareham, Richard Wareham via www.imago-images.de, www.imago-images.de

27. Dezember 2021 - 16:23 Uhr

Gutes oder schlechtes Zeichen? 2024 soll die Coronavirus-Pandemie vorbei sein

Noch zwei Jahre Corona-Pandemie – dann ist alles überstanden?! Wenn es nach einem Forscher des Biontech-Partners Pfizer geht, könnte das ein mögliches Zukunftsszenario darstellen. Aber ist das realistisch? RTL hat Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht gefragt.

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Das Virus wird vermutlich ewig bleiben - die Pandemie nicht

Der Chefwissenschaftler von Pfizer hat kürzlich gesagt, dass es in den kommenden zwei Jahren weiterhin hohe Fallzahlen geben wird – in einigen Regionen zumindest. In anderen Ländern würden die Corona-Zahlen allerdings so weit zurückgehen, dass man von einer endemischen Lage sprechen könnte. Aber: Wann und wie genau dies geschehe, hänge vor allem davon ab, "wie effektiv die Gesellschaft Impfstoffe und Behandlungen einsetzt." Auch das Auftreten neuer Varianten könne den Verlauf beeinflussen.

Das ist in gewisser Weise schon jetzt beobachtbar: Während bei uns in Deutschland die Inzidenz endlich wieder sinkt, ist die neue Coronavirus-Mutation Omikron weiter auf dem Vormarsch. Und ein Blick auf unsere Nachbarländer verheißt wenig Gutes. Könne man also wirklich sagen, die Pandemie ist in zwei Jahren größtenteils überstanden?

Dr. Christoph Specht, der als Allgemeinmediziner und Medizinjournalist tätig ist, ist sich sicher: "Wie man das Ende einer Pandemie kalkuliert und definiert, das ist eine schwierige Frage. Das Virus bleibt auf jeden Fall noch länger – vermutlich ewig. Aber dass der Status einer Pandemie irgendwann aufhört, das liegt auf der Hand." Als Pandemie wird die aktuelle Situation seit Anfang 2020 bezeichnet, weil die weltweite Bevölkerung betroffen ist und es eine weltweite Relevanz gibt.

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Endemischer Verlauf für einige Länder schon bald denkbar?

Die Omikron-Variante des Coronavirus
Die Omikron-Variante des Coronavirus verbreitet sich schneller als Delta. Weiter Mutationen können dafür sorgen, dass die Pandemie länger gehen wird.
© iStockphoto, Naeblys

"Dieser Zustand wird natürlich im Laufe der Jahre abnehmen", sagt Dr. Specht. Und auch der Virologe Klaus Stöhr stimmt ihm zu: "Der allergrößte Teil der Weltbevölkerung wird 2022 bereits entweder gegen das Virus geimpft oder genesen sein. Für diese Menschen hat die Endemie begonnen, das heißt die Reinfektionen werden viel milder verlaufen. Für sie ist die Pandemie dann quasi vorbei". Das erklärt der 62-Jährige gegenüber RTL.

Dr. Christoph Specht ist sich sicher, dass einige Länder – wie auch von Pfizer prophezeit – vermutlich gut mit der (endemischen) Lage umgehen werden: "Vor allem die Südafrikaner zum Beispiel, die werden gut mit dem Virus zurechtkommen – trotz hoher Zahlen. Denn: 70-80 Prozent der Bevölkerung hatten schon Kontakt mit dem Virus. Deswegen kommen sie vor Ort auch aktuell ganz gut mit Omikron zurecht. Viele Menschen sind dort mit der neuen Virus-Mutation infiziert – was aber nicht bedeutet, dass sie auch daran erkranken! Das muss immer wieder betont werden", erklärt Dr. Specht. Es gäbe, so der Allgemeinmediziner, viele Krankheiten, bei denen man infiziert ist, ohne aber krank zu sein. Und das sei in Südafrika der Fall.

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"Wir werden mit dem Virus leben müssen"

Auch Virologe Klaus Stöhr erklärt: "Es kann zwar sein, dass es auch Ende 2022 in entfernteren Winkeln der Welt noch wenig von der Pandemie erfasste Regionen gibt. Dort könnte es länger dauern, aber in den meisten Teilen der Welt wird die Endemie im Winter 2022 erreicht sein." Aber woran macht er das fest? "Vieles wird davon abhängen, wie viele Menschen sich in der nächsten Zeit auf natürliche Weise infizieren. Impfung plus die Infektion oder mehrere Infektionen allein werden den besten Immunschutz liefern."

Dr. Specht betont, dass man das Ende der Coronavirus-Pandemie dennoch hinsichtlich zweier Aspekte unterscheiden müsse: "Es gibt einmal die epidemiologische, immunologische, medizinische Sicht, die der politischen gegenüber gestellt ist. Viele Länder, wie zum Beispiel erst jüngst Australien, haben bereits beschlossen, ihre Strategie im Kampf gegen Covid-19 zu ändern. Sie sagen jetzt: 'Wir werden mit dem Virus leben müssen.' Diese Haltung wird bei vielen Staaten bestimmt automatisch kommen." Wann das in Deutschland der Fall sein wird? "Vermutlich später." (dpa/vdü)

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