Forscher stoßen auf spannenden Zusammenhang

Neue Studie: Senkt die Grippeimpfung das Alzheimer-Risiko?

Alte Dame mit junger Frau
Eine neue Studie liefert interessante Erkenntnisse zu Virus-Erkrankungen und Alzheimer & Co.
Silvia Marks, picture alliance

Spannende neue Studie! Kann die Grippeimpfung etwa noch viel mehr, als ausschließlich den Schutz gegen die Influenza erhöhen? Laut einer aktuellen Untersuchung weist vieles darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und den sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen besteht. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass eine frühzeitige Immunisierung möglicherweise spätere Erkrankungen reduzieren kann. Was genau hat die Studie ergeben?

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Alzheimer & Co.: Wie lassen sich die Erkrankungen frühzeitig verhindern?

Multiple Sklerose, Parkinson, Alzheimer und andere sogenannte „neurodegenerative Erkrankungen“, also Krankheiten, die auf dem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen basieren, nehmen immer weiter zu.

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Das hat auch etwas mit der immer älter werdenden Bevölkerung zu tun, aber nicht nur. Umso wichtiger ist es, mehr darüber herauszufinden, wie derartige Erkrankungen schon frühzeitig verhindert werden können. Denn über ihre Entstehung ist immer noch viel zu wenig bekannt.

Alzheimer: Neue Studie gibt Hinweis auf weitere Ursachen

Einen weiteren Hinweis auf die Ursachen von neurodegenerativen Erkrankungen, wie zum Beispiel Alzheimer, liefert jetzt auch eine neue Korrelationsstudie, die am 19. Januar 2023 im Fachjournal "Neuron" veröffentlicht wurde.

Laut dieser Untersuchung weisen Menschen, die bestimmte Virusinfektionen durchmachen, noch bis zu 15 Jahre nach der Virus-Infektion ein gesteigertes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen auf.

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Studie: Forschungsteam untersuchte enorme Datenmengen

Dazu haben Forschende Daten aus zwei Biodatenbanken aus Finnland und dem Vereinigten Königreich analysiert. Daten von rund 500.000 Personen stammten aus der britischen Biobank des Vereinigten Königreich. Bestandteil der Untersuchung waren zum Beispiel auch die viral ausgelöste Lungenentzündung oder Enzephalitis (Entzündung des gesamten Gehirn-Gewebes). Die Studie dauerte 15 Jahre an.

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Studie mit bahnbrechender Erkenntnis: Zusammenhang zwischen Influenza und Demenz

Laut den Studiendaten zeigten sich die häufigsten Anhaltspunkte für eine Demenz in der Korrelationsstudie nach viraler Enzephalitis, Influenza oder einer viralen Lungenentzündung. Zudem konnten vier der fünf untersuchten neurodegenerativen Erkrankungen mit einer vorhergehenden schweren Infektion mit Influenzaviren mit und ohne eine einhergehende Lungenentzündung in Verbindung gebracht werden.

Laut des Forschungsteams war das Risiko bei den meisten Patienten innerhalb eines Jahres vor der Diagnose einer neurodegenerativen Erkrankung am höchsten, bei sechs Paarungen wurden jedoch noch signifikante Zusammenhänge bis zu 15 Jahre vor der Diagnose festgestellt.

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Im Video: Neues Medikament gegen Alzheimer weckt Hoffnung! Experte Dr. Specht ordnet ein

Neues Medikament gegen Alzheimer weckt Hoffnung Experte Dr. Specht ordnet ein
00:48 min
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Fazit aus Studie: Hilft zum Beispiel die Grippeimpfung gegen Alzheimer & Co.?

Hilft nach diesen Erkenntnissen also zum Beispiel eine Grippe-Impfung gegen Alzheimer? Die Forschenden betonen, dass Impfungen zur Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen beitragen können. Doch wie ordnen unabhängige Experten diese Erkenntnisse ein?

Ob neben der festgestellten Korrelation auch ein kausaler Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und neurodegenerativer Erkrankung besteht, untersuchen gerade auch andere Wissenschaftler im Labor.

"Im Mausmodell sehen wir klar, dass eine Grippeimpfung im Vergleich zu einer Infektion vor den langfristigen Schäden im Gehirn schützt. Ein Grund könnte sein, dass eine Infektion eine wesentlich stärkere Immunaktivierung auslöst als eine Impfung“, sagt der Neurologe Martin Korte vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung an der TU Braunschweig gegenüber dem Online-Newsportal „Der Standard“. Die Impfung könnte also ein möglicher Schutz sein. Doch insgesamt sind Experten bei diesem Rückschluss noch zurückhaltend. Es seien weitere Studien nötig, die genauer untersuchen, ob eine Impfung gegen Grippe oder andere virale Infekte tatsächlich das Alzheimer-Risiko senken kann. (mjä)