Erschreckendes Experiment in unseren Großstädten

„Oh geil, oh geil. Geil“: So werden Frauen in Deutschland täglich sexuell bedrängt und begrapscht

30. April 2021 - 10:12 Uhr

Sexuelle Belästigung mitten am Tag

"Hey Süße, willst du ficken?", "Geiler Arsch" oder "Du heftige Nutte" – Täglich müssen sich Frauen in Deutschland Belästigungen wie diese gefallen lassen. Dazu kommen Gesten, Pfiffe, anzügliche Geräusche bis hin zum Begrapschen. Hat unser Land ein Problem mit sexueller Belästigung? RTL testete in einem deutschlandweiten Experiment, wie schnell Frauen in alltäglichen Situationen belästigt werden, wenn sie alleine unterwegs sind. Das Ergebnis ist erschreckend, wie Sie im Video sehen können.

Unsere Lockvögel waren in deutschen Großstädten unterwegs. Die Frauen wollten sich zwischen 16 und 22 Uhr ungestört allein draußen bewegen – für viele Männer offenbar eine Einladung für eine sexuelle Belästigung.

Hamburg: „Hammer, Hammer geil"

Lockvogel Josephine ist gerade mal zehn Minuten alleine in der Innenstadt unterwegs, da hört sie: "Oh geil, oh geil. Geil", als sie an einem Mann vorbei geht. "Willst du ein Foto mit mir machen?", fragt er. "Neee, wir kennen uns doch gar nicht", antwortet Josephine. Das scheint dem Mann jedoch egal zu sein. Als sie geht, fotografiert er sie einfach und ruft: "Hammer, Hammer geil." Unsere Reporterin konfrontiert ihn mit seinem Verhalten, will wissen, warum er sie angesprochen hat. Die Antwort: "Ja, sie hat vielleicht keinen Freund. Sonst wäre sie mit ihm zusammen. Sie hat mich angeguckt und gelacht."

Nach Einbruch der Dunkelheit kommt es noch härter – Josephine wird bedrängt und begrapscht. Wie sich die Szene zugetragen hat, sehen Sie im Video.

München: „Wo willst du hin?“

Gerade einmal zehn Minuten dauert es, dann kommt ein Mann auf Lockvogel Ekaterina zu, die vor dem Bahnhof der Stadt steht. Er baut sich vor ihr auf, fixiert sie, starrt sie minutenlang an. Ekaterina fühlt sich unwohl und verlässt den Ort. Sie geht in einen Park. Auf einer Bank sitzen zwei Männer. "Hallo, wo willst du hin", ruft ihr einer zu. Unsere Reporterin kommt dazu. Auf Nachfrage, warum er Ekaterina hinterhergerufen hat, antwortet er: "Einfach so." Offenbar wird dem Mann klar, dass die Ausrede genauso plump ist, wie seine Anmache. Er versucht zu beschwichtigen: "Wir haben eine Frau, wir lieben unsere Frauen."

Bei anderen Frauen scheint er dagegen kein Problem damit zu haben, sie respektlos zu behandeln. Schließlich versucht er, die Schuld dreist auf Ekaterina zu schieben – es liege an ihrer Art zu gehen. Ihr Gang suggeriere "komm, komm, komm."

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Köln: „Warum hast du mein Mädchen von mir genommen?“

In Köln ist Lockvogel Lea um 17 Uhr auf der Domplatte unterwegs. Ein Mann spricht sie an und will, dass sie mit ihm mitkommt. "Ein bisschen spazieren. Komm, komm einfach mit mir mit", sagt er. Als Lea verneint, lässt er nicht locker. "Warum denn, wieso denn nicht?", drängt er. "Weil ich dich nicht kenne", antwortet Lea.

Kurz darauf begegnet sie ihm erneut, dieses Mal mit unserem Reporter an ihrer Seite. "Warum hast du mein Mädchen von mir genommen, oder kennt ihr euch?", will er wissen. Wie er reagiert, als er erfährt, dass eine Reportage über sexuelle Belästigung gedreht wird, zeigen wir im Video.

"Süßes Stück" ist noch keine Beleidigung

Es sind drei Beispiele für das, was Frauen jeden Tag ertragen müssen. Doch wo ist die Grenze zwischen Flirterei und sexueller Belästigung? Oberstaatsanwalt Ralph Knispel ordnet ein: "Wenn ich Ihnen auf die Schulter klopfe und sage "süßes Stück", würde man sagen, das ist keine Beleidigung. Auf den Hintern hauen, das würde man schon als eine tätliche Beleidigung ansehen."

Sein Fazit: "Ich gehe von einem Mindestmaß an Erziehung für jeden einzelnen Menschen in Deutschland aus, der das eigentlich auch weiß. Man kann sich ganz leicht die Frage stellen, wie ich es denn empfinden würde, wenn umgekehrt so mit mir umgegangen wird. Das verbietet sich. Jeder Mensch hat Recht und den Anspruch von anderen in Ruhe gelassen zu werden."

Die Realität für vielen Frauen in Deutschland sieht leider anders aus.