Einschätzung und Tipps vom Schädlingsexperten

Ratten, Mücken & Co.: Droht uns nach der Wasser-Flut jetzt die Ungeziefer-Flut?

Ratten könnten in den betroffenen Regionen in den nächsten Wochen vermehrt zum Problem werden.
Ratten könnten in den betroffenen Regionen in den nächsten Wochen vermehrt zum Problem werden.
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20. Juli 2021 - 13:20 Uhr

Vergangenheit zeigt, was nach einer Flutkatastrophe folgen kann

Nach der tragischen Flutkatastrophe, die in vielen Teilen Deutschlands ihre Zerstörung gelassen hat, könnte bald schon ein weiteres Problem auf die betroffenen Regionen zukommen: Denn Erfahrungsberichte aus vergangenen Fluten zeigen, dass nach einem solchen Ereignis oft eine Schädlingsplage folgen kann. Wieso das passieren kann und was Betroffene gegen Ungeziefer wie Ratten und fliegende Insekten tun können, erklärt Schädlingsexperte Dr. Christian Klockhaus, Chemiker und technischer Direktor der Schädlingsbekämpfungsfirma Rentokil.

Auch die Tiere wurden von der Flut überrascht

Ob es zu einer solchen Plage von Schadnagern wie Ratten, Mäusen oder auch fliegenden Insekten kommen wird, hängt laut Dr. Christian Klockhaus von vielen Faktoren ab, wie er im Interview mit RTL erklärt: "Wenn wir beispielsweise von Schadnagern sprechen, die im unteren Erdreich leben, das es so ja jetzt durch die Flut nicht mehr gibt, dann kann es natürlich sein, dass diese jetzt in Bereichen vorkommen, wo sie vorher nicht waren. Voraussetzung ist natürlich, dass sie vorher geflüchtet sind. Das heißt in dem Fall könnten sie jetzt sichtbarer und erkennbarer werden, sie können in andere Bereiche abwandern."

Es könne jedoch genauso sein, dass die Tiere wie auch die Menschen vom Ausmaß der Flut überrascht wurden: "Bei den Schadnagern, wie beispielsweise Wanderratten und Wühlmäusen, die überlebt haben wird es so sein, dass sie aus ihren Bauten vertrieben wurden. Man sagt oftmals, die Tiere haben sozusagen einen siebten Sinn, dass sie frühzeitig merken, wenn das Wasser kommt. Also wenn sie nicht selbst überrascht wurden und gestorben sind, dann sind sie frühzeitig geflüchtet. Und dann kann es natürlich sein, dass wir eine Problematik erkennen, die wir vorher so nicht hatten. Was aber dann keine Neuentwicklung, sondern eine Neuverteilung der Tiere ist, die geflüchtet sind aus den Überschwemmungsgebieten."

LESE-TIPP: Nach dem Hochwasser die Ungeziefer-Flut? Wie Sie sich vor Fledermäusen, Mücken & Co. schützen.

Nager im Haus? Immer den Profi mit dazu nehmen!

Falls sogenannte Schadnager wie Ratten und Wühlmäuse also überlebt haben, werden die Tiere in nächster Zeit sichtbarer werden. Das bedeutet dann aber nicht zwingend, dass es mehr Ungeziefer gibt als vorher, sondern nur, dass es zu einer Umverteilung kommt:

"Dann muss man schauen: Dringen die Schadnager, wenn sie Schutz suchen, in die noch vorhandenen Häuser ein. Und Schadnager sind auch Keimüberträger, das möchte niemand zu Hause haben. Das muss man sich dann vor Ort genau anschauen und die geeigneten Maßnahmen ergreifen. Denn wenn das Platz- und das Futterangebot vorhanden ist, dann reguliert die Natur das nicht von alleine."

Dr. Klockhaus warnt jedoch davor, unbedacht selbst etwas gegen die Schädlinge zu unternehmen: "Immer den Profi mit dazu nehmen! Da sollte man nicht als Laie herumexperimentieren. Das muss man wirklich gezielt und richtig machen mit den richtigen Mitteln und auch in regelmäßigem Abstand überprüfen. Also wenn man betroffen ist, sollte man unbedingt einen professionellen Schädlingsbekämpfer rufen!"

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Mückenplage wird wahrscheinlich kommen

Wenn es um Ratten geht, müsse man laut Experte also abwarten, was die nächsten Wochen bringen und wie viele der Tiere überlebt haben und in der kommenden Zeit sichtbar werden. Beim Thema Mücken kann man ihm zufolge schon genauere Prognosen geben:

"Mücken brauchen Feuchtigkeit, die Mückenentwicklung erfolgt auch im Wasser. Die mögen stehende Gewässer. Da könnte es sein, dass eine vermehrte Entwicklung jetzt stattfindet, denn in Tümpeln und feuchten Gebieten können sich Mücken um einiges schneller vermehren. Das kann unter Umstände also ein echtes Problem werden."

Da das Wasser so schnell auch nicht wieder fortgehen wird und es noch an sehr vielen Stellen stehende Gewässer geben wird, haben die Mücken und andere fliegende Insekten optimale Vermehrungsbedingungen. Betroffene können aber im Fall einer Plage handeln: "Eine Möglichkeit der Bekämpfung sind beispielsweise Lockfallen, die mit UV-Licht arbeiten. Aber das wird in dieser Katastrophe ein Sekundärproblem sein. Das werden die kommenden Wochen zeigen, ob es wirklich eine vermehrte Schädlingsproblematik mit Handlungsbedarf gibt." (kse)

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