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Rassismus in Berlin? 17-Jährige klagt an: Wurde krankenhausreif geschlagen, "weil ich Ausländerin bin"

Rassismus in Berliner Straßenbahn?

17-Jährige klagt auf Instagram an: Ich wurde krankenhausreif geschlagen, "weil ich Ausländerin bin"

17-Jährige: Ich wurde krankenhausreif geschlagen. Rassismus in Berliner Straßenbahn?
01:54 min
Rassismus in Berliner Straßenbahn?
17-Jährige: Ich wurde krankenhausreif geschlagen.

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Sie will "die Wahrheit ans Licht bringen, weil meine Psyche das alles nicht mehr mitmacht". Eine 17-Jährige aus Berlin behauptet auf Instagram: Ich wurde rassistisch beleidigt und krankenhausreif geschlagen. Der Grund für den Angriff sei gewesen, dass sie "Ausländerin“ ist– und nicht, wie in mehreren Medien zu lesen war, dass sie keine Corona-Maske getragen habe. Der Vorfall soll sich am Samstagabend an der Straßenbahnhaltestelle Greifswalderstraße im Stadtteil Prenzlauer Berg ereignet haben. Die Polizei bestätigt den Vorwurf der rassistischen Beleidigung und der gemeinschaftlichen Körperverletzung. Demnach ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz und sucht Zeugen für den Angriff.

Junge Frau sagt: Ich bin keine Maskenverweigerin

Laut Polizei hatte die 17-Jährige erklärt, der Streit zwischen ihr und sechs Erwachsenen sei in der Straßenbahn entstanden, "weil diese die Jugendliche auf ihre fehlende Mund-Nase-Bedeckung angesprochen hätten". Vermutlich durch diese Formulierung wurde die junge Frau in den Medien unter anderem als "Maskenverweigerin" betitelt. Doch sie bestreitet, in der Bahn keine Maske getragen zu haben. Im Gegenteil: Sie habe eine Maske getragen – die Leute aus der Gruppe, mit denen sie aneinander geriet, jedoch nicht.

Instagram-Video zu mutmaßlichem Rassismus in Berliner Straßenbahn

Die 17-Jährige schildert den Vorfall in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video, das offenbar im Krankenhaus entstand. Als sie mit der Straßenbahn fuhr, seien "drei alkoholisierte Personen eingestiegen – zwei Frauen und ein Mann". Eine der Personen habe gesagt: "Komm, verpiss dich, du alte F…" Dann sei sie rassistisch beleidigt worden. Die drei hätten keinen Mund-und-Nasen-Schutz getragen. "Ich habe sie darauf hingewiesen", dass sie "ihre Masken anziehen sollen und danach mit mir weiterreden können".

Erst nach dem Aussteigen und an der frischen Luft habe sie ihren Mund- und Nasenschutz nicht mehr getragen – wie alle anderen auch. Dann sei der Streit eskaliert, immer mehr Menschen waren darin verwickelt. Nach dem Aussteigen sei sie weiterhin bedrängt, beleidigt und körperlich angegangen worden. Ein Mann habe sich vor ihr aufgebaut und gesagt, "ich solle aufpassen, was ich in seinem Land sage". Worte wie "Dreckausländer" seien gefallen. Immer wieder Tritte, Schubsereien, eine Frau habe ihr an den Haaren gezogen.

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17-Jährige "bettelte" um Hilfe, aber bekam keine

"Sie haben mir in meinen Bauch gehauen, mir mehrmals auf den Kopf geschlagen. In die Beine getreten, weil sie wollten, dass ich runterfalle, um mir in mein Gesicht zu treten." Sie habe um Hilfe geschrien, aber keine bekommen. "Der Bahnhof war voll", erinnert sich die 17-Jährige. "Ich habe um Hilfe gebettelt." Aber sie sei von einem Mann nur ausgelacht worden. "Er fand's amüsant. Er hatte Hass in seinen Augen." Zwischendurch konnte die junge Frau mit ihrem Handy die Angreifer filmen. Ausschnitte des Videos hat sie auch auf Instagram veröffentlicht.

Dann sei sie mit einem Krankenwagen in die Klinik gebracht worden, wo sie noch immer liege, erzählt die 17-Jährige in dem Clip. Sie habe eine Gehirnerschütterung, ein Bauchtrauma und etliche Prellungen und Verletzungen erlitten. "Ich bin körperlich und psychisch wirklich am Ende, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie 2022 immer noch solche Menschen auf dem Planeten leben können", klagt sie.

Berliner Polizei nahm drei Verdächtige vorübergehend fest

Die Polizei erklärte, nach dem Ansehen des Handyvideos der 17-Jährigen seien drei Männer im Alter von 42, 44 und 51 Jahren als mutmaßliche Beteiligte vorläufig festgenommen worden. Sie hätten die Vorwürfe jedoch bestritten und seien wieder auf freiem Fuß.

Polizei korrigiert Meldung vom Wochenende

Die Polizei korrigierte am Mittwoch ihre Mitteilung vom vorangegangenen Sonntag. "In einer Meldung vom 6. Februar 2022 hatte die Polizei Berlin mitgeteilt, dass eine 17-Jährige, die von mehreren Erwachsenen rassistisch beleidigt und körperlich attackiert worden war, keine Mund-Nase-Bedeckung getragen habe", heißt es. "Wie bei jeder anderen Pressemeldung der Polizei Berlin auch, kann nur der Stand der Informationen wiedergegeben werden, der zum Zeitpunkt des Verfassens der Meldung bestand. Die hier verwendeten Informationen stammten aus den vor Ort aufgenommenen Strafanzeigen, die, wie die weiteren Ermittlungen gezeigt haben, missverständlich formuliert waren."

Weiter schreibt die Polizei: "Im Rahmen der Sichtung vorhandenen Videomaterials sowie weiterer Ermittlungen konnte nun festgestellt werden, dass die Jugendliche beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung trug und diese lediglich bei dem auf die rassistischen Beleidigungen folgenden Streitgespräch mit den sechs Erwachsenen kurzfristig nach unten gezogen hatte. Die sechs tatverdächtigen Erwachsenen trugen überwiegend keine Mund-Nase-Bedeckungen. Die Ermittlungen dauern an." (bst)